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Mohamadou Idrissou (l.) stieg schon mit Duisburg, Freiburg und Frankfurt auf © getty

Beim 1. FC Kaiserslautern liegen nach der Cottbus-Pleite die Nerven blank. Der Stürmer greift hinterher die Kollegen verbal an.

Von Reinhard Franke

München - Er hatte einen dicken Hals und holte zum großen Rundumschlag aus.

Kaiserslautern hatte gerade einen wichtigen Schritt in Richtung Aufstiegsrelegation verpasst, und Mohamadou Idrissou wollte sich nicht im Mannschaftsbus verkriechen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch das hätte er besser getan, aber nein, der Lauterer Stürmer rechnete nach dem enttäuschenden 2:4 bei Energie Cottbus (Bericht) viel lieber mit seinen Kollegen und dem Schiedsrichter Wolfgang Stark ab.

Idrissou droht nun sogar eine Anklage durch den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes.

"Er sagt, ihm gefällt meine Körpersprache nicht. Ich habe eine Männer-Körpersprache. Ich bin nicht schwul und werde auch kein Schwuler sein. Das ist sein Problem. Ich bin nicht der Einzige, der schlecht über diesen Schiri redet", hatte der Kameruner nach der Partie bei "Sky" über den Schiedsrichter gesagt.

DFB-Chefankläger Anton Nachreiner sagte dazu dem "Express": "Ich selbst habe das Interview nicht gesehen. Ich habe mir die Ausschnitte kommen lassen. Danach werden wir entscheiden."

"Jeder macht, was er will"

Doch Idrissou äußerte sich nicht nur homophob und beschimpfte den Referee, sondern auch die Kollegen bekamen ihr Fett weg.

"Manche Spieler hier haben keine Eier. Ich erkenne meine Mannschaft nicht wieder. Jeder macht, was er will und das schon die ganze Woche über", wetterte Idrissou bei SPORT1.

"Wir sind einfach nur dumm, die dümmste Mannschaft der Zweiten Liga. Das haben wir nicht nur heute bestätigt. In Aue haben wir Neun gegen elf gespielt und es nicht geschafft, irgendwie den Ball zu halten. Das ist einfach nur scheiße."

Worte wie Ohrfeigen. FCK-Trainer Franco Foda wollte die harte Kollegenschelte seines Spielers nicht überbewerten und sagte zu SPORT1 nur: "Man muss da differenzieren. Das war direkt nach dem Spiel und er hat seinen Emotionen freien Lauf gelassen. Einige Sachen waren ja auch richtig. In der ersten Hälfte haben wir nicht so gespielt, wie wir spielen müssen."

Foda reagiert diplomatisch

Foda fügte mit ernstem Blick hinzu: "Jeder hat die Berechtigung, seine Meinung zu sagen. Aber man sollte nicht über andere Spieler herziehen. Wenn einer etwas sagt, dann ist das der Trainer. Und das werde ich in der Sitzung tun."

Da dürfte Idrissou am Dienstag noch etwas blühen. Der Kameruner, der am Montag sein 16. Saisontor köpfte, kann sich aber nicht nur auf eine Standpauke des Trainers einstellen, sondern auch auf einige verstimmte Mitspieler. (35464DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige)

Kritik von Baumjohann

"Ich denke, es ist der falsche Weg, immer über andere Spieler zu reden und sich selbst das ganze Spiel über mit dem Schiedsrichter anzulegen.

Einige Spieler sollten lieber mal auf sich selbst schauen", übte Lauterns Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann deutliche Kritik an Idrissou.

Der Haussegen hängt schief nach Lauterns Patzer. Kein Wunder, das hatten sie sich ganz anders vorgestellt. Der Ausflug in die Lausitz sollte für die "Roten Teufel" eine erfolgreiche Auswärtsreise werden, doch am Ende war es nur ärgerlich.

Big Point vergeben

Der FCK vergab die Chance, sich vier Punkte vor dem Verfolger, dem 1, FC Köln, abzusetzen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die "Geißböcke" patzten am Sonntag beim 1:1 zu Hause gegen 1860 München ihrerseits und hatten den Cottbusern die Daumen gedrückt.

Das half, denn die Truppe von Trainer Rudi Bommer zeigte gegen den FCK eine energiegeladene Leistung und gewann am Ende auch verdient.

FCK: Hilflos, mutlos, ideenlos

Und Lautern? Hilflos, mutlos, ideenlos - so trat die Foda-Elf in der ersten Halbzeit auf, im zweiten Durchgang wurde das Spiel der Pfälzer besser, aber am Ende standen sie wieder wie begossene Pudel da.

Ausgerechnet der Ex-Lauterer Boubacar Sanogo versetzte dem FCK mit seinem Doppelpack einen Schlag in die Magengrube.

Das Umschaltspiel sei ganz schlecht gewesen, befand Foda, "wir waren nicht mehr organisiert. Darauf hat Cottbus gewartet und seine Konterchancen dann auch genutzt."

Für den 47-Jährigen war es einfach schade, "wenn man in der zweiten Halbzeit so spielt wie wir, am Ende aber 2:4 verliert."

Weiter auf Platz drei

Die Niederlage tut weh, auch wenn die Pfälzer weiter einen Punkt vor den Kölnern auf Platz drei stehen, aber schon am Sonntag, wenn Verfolger FSV Frankfurt auf den Betzenberg kommt, steht Foda und sein Team gehörig unter Druck.

"Wir haben noch alles selbst in der Hand, auch wenn das diesmal kein gutes Spiel von uns war. Wir sind immer noch vor Köln und Frankfurt. Mit einem Sieg zu Hause gegen Frankfurt können wir den alten Vorsprung wieder herstellen", betont Baumjohann.

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