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Stanislawski solidarisiert sich auch mit dem Protest gegen die Montagsspiele © getty

St. Paulis Coach schießt gegen die Regelwut der DFL - und macht dabei auch eine klare Aussage zum "Doping"-Fall Hoffenheim.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg ? Nach den Schlappen in Oberhausen und gegen Fürth hat der FC St. Pauli beim 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern den ersten Sieg 2009 eingefahren.

"Wir waren diesmal von Beginn an mit der nötigen Aggressivität dabei", weist Carsten Rothenbach auf die schnellen 0:3-Rückstände gegen Oberhausen und Fürth hin. "Es gab mehr Stabilität und mehr Leidenschaft als zuletzt."

Noch weiter ging Timo Schultz: "Wir haben zurück auf Anfang gedreht. Wir haben gemerkt: Schön Spielen langt nicht", beschreibt der Mittelfeld-Renner die Rückkehr zum Kampf-Fußball.

Für Holger Stanislawski (Porträt) stimmte das Verhältnis nicht so ganz: "Es war nicht das beste Spiel, aber sehr engagiert und deutlich besser als zuletzt", vermisste der Trainer zumindest nach Gelb-Rot für Kaiserslauterns Martin Amedick "in Überzahl" das spielerische Element. (zur Tabelle)

Sieg ein "Brustlöser"

"Das war ein Brustlöser", gab der 39-Jährige aber zu, in den letzten Tagen "den Blick schon mal wieder nach unten gerichtet zu haben. Wehen, Frankfurt, Koblenz ? die spielen ja alle keinen schlechten Ball und sammeln derzeit Punkte."

Doch vom Ex-Profi wurde mehr erwartet, als die reine Spiel-Analyse: Stanislawski solidarisierte sich mit den Zuschauern, die mit Beginn der Partie zu einem 20-minütigen schweigenden Protest gegen Montagsspiele aufgerufen hatten.

Schon mal in Schwung, äußerte sich der tTrainer auch gleich gegen die Reglemmentierungs-Wut der DFL und machte eine klare Aussage zum Fall Hoffenheim.

"Ich kann die Fans verstehen"

"Ich kann die Fans verstehen und bin auch als Trainer ein Gegner von Montagsspielen. Der Unterstützung der Fans haben wir viele Punkte zu verdanken. Das geht Lautern auch so", meinte der St.-Pauli-Coach in Richtung seines Kollegen Milan Sasic.

Der bedauerte, dass viele Fans weite Reise am Montag nicht antreten könnten. (zum Spielbericht: St. Pauli darf wieder träumen)

Denn: Für die "Roten Teufel" war es bereits das achte Montagsspiel der Saison. 60 Prozent der Tickets aus der Pfalz wurden ins 630 Kilometer entfernte Hamburg zurückgeschickt wurden.

Was sind zehn Minuten?

Für den Wirbel um die Hoffenheimer Christoph Janker und Andreas Ibertsberger (Porträt) hat Stanislawski kein Verständnis: "Zehn Minuten zu spät zur Dopingprobe? Darum machen die so einen Wind. Wir bilden nach dem Spiel einen Kreis, bedanken uns bei den Fans, drehen manchmal eine Ehrenrunde ? und dann will eventuell das Fernsehen noch was, die Presse in der Mixed-Zone, da sind zehn Minuten schnell rum", rechnet er mit einem Freispruch.

Aber eine gegenteilige Entscheidung der Funktionäre würde den "Trainer-Azubi" nicht überraschen: "Bei der DFL wird immer mehr reguliert. Einer meiner Spieler musste sich vor dem Spiel umziehen, weil er unter dem braunen Kurzarm-Shirt einen schwarzen Langarm-Pulli anhatte. Das seien nicht die offiziellen Farben des Vereins."

"Demnächst schreiben sie uns noch vor, wer den Ball zu wem abspielen muss. So geht dem Fußball der Spaß verloren", ärgert sich das Kiez-Urgestein.

Leichtigkeit des Betrugs

Das sieht Doping-Jäger Werner Franke, für den zehn Minuten zu lange sind, ganz anders: "Es geht darum, in der Zeit zwischen Beendigung des Wettbewerbs und der Kontrolle den Betreffenden eng zu beschatten."

Es gäbe dafür "sehr gute Gründe", so der Experte im "kicker": "Es gibt ein rötliches Pulver mit dem Namen Polvos rojos, es sind eiweißabbauende Enzyme. Davon genügt ein Stäubchen, um den EPO-Nachweis zunichte zu machen. Wenn man sich zum Beispiel ein frisches Triokot anzieht, ließe sich so etwas leicht auf einen Finger aufbringen, dann braucht man nur noch darüberzupinkeln. Solche Manipulationen waren im Profi-Radsport gang und gäbe."

Beruf sollte Doping genug sein

Stanislawski versteht seinen Appell keineswegs als Absage an den Anti-Doping-Kampf - obwohl es eigentlich Motivation genug sein müsste, dem Beruf des Profi-Fußballers nachgehen zu dürfen. (zum St.-Pauli-Kader)

So wie seine Schützlinge am Sonntag (13.45 Uhr LIVE) bei den Münchner Löwen, die aktuell auf einen Trainerwechsel als Motivationsschub setzen.

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