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Nach 104 Tagen ist schon wieder Schluss für Dieter Eilts als Trainer in Rostock © getty

Rostocks Coach wird nach der Pleite bei St. Pauli erwartungsgemäß entlassen. Vorerst übernimmt Bräutigam, Chaoten randalieren.

Hamburg - Die Rostocker Chaoswochen haben ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht.

Unmittelbar nach der bitteren 2:3-Pleite beim FC St. Pauli im Nord-Derby zog der Hansa-Vorstand die Reißlinie und trennte sich nach nur 104 Tagen von Trainer Dieter Eilts. Neben Eilts musste auch Co-Trainer Mike Barten gehen.

Das gab Manager Rene Rydlewicz, der dem Europameister vor der Partie ein Ultimatum gesetzt hatte ("Siegen oder Fliegen"), nach dem Spiel bekannt.

"Wir werden uns am Samstag zusammensetzen und die weitere Vorgehensweise beraten", sagte Rydlewicz. Ein Nachfolger ist noch nicht bekannt - Torwart-Trainer Perry Bräutigam wird vorerst das Training übernehmen.

"Muss das verarbeiten"

"Das ist eine Geschichte, die ich erst noch verarbeiten muss", sagte Eilts unmittelbar nach seiner Entlassung:

"Das ist äußerst bitter. Wir haben gute Arbeit geleistet, aber das Wichtigste nicht geschafft. Wir haben die Punkte nicht gemacht."

Nur einen Sieg in zehn Spielen konnten die Rostocker unter Eilts verbuchen und stürzten damit auf den vorletzten Platz der zweiten Liga ab. Mit nur 19 Punkten beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer bereits vier Punkte.

Ultimatum wenig hilfreich

Inwieweit das Ultimatum Einfluss auf die Leistung der Spieler hatte, wollte Eilts nicht beurteilen. "Ich erwarte, dass die Spieler mit Druck umgehen können", sagte der frühere Coach der deutschen U21-Junioren, der das Ultimatum als wenig hilfreich wertete:

"Das ist keine Aussage mit der man dem Trainer den Rücken stärkt."

Frühe Rostocker Führung

Dabei hatte im Spiel bei St. Pauli, das von Ausschreitungen überschattet worden war, zunächst alles nach der erhofften Wende ausgesehen.

Henri Myntti (2.) und Fin Bartels (5.) schossen vor 22. 138 Zuschauern am Hamburger Millerntor die Rostocker bereits früh auf die Siegerstraße, doch Morike Sako per Foulelfmeter (53.) und zweimal David Hoilett (72. und 84.) schafften für St. Pauli noch die Wende.

Sako sah in der Nachspielzeit wegen wiederholten Foulspiels noch die Gelb-Rote Karte.

Ausschreitungen vor dem Spiel

Im Vorfeld der Partie war es zu den befürchteten Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden drei Polizisten verletzt.

Insgesamt nahm die Polizei ein halbes Dutzend Randalierer fest.

Die Rostocker Kollegen hatten außerdem vor der Abreise des Sonderzuges vier Hansa-Fans aus dem Verkehr gezogen.

Einsatz von Wasserwerfern

Am U-Bahnhof Feldstraße, in der Nähe des Millerntor-Stadions, mussten die Beamten sogar zweimal den Wasserwerfer einsetzen, nachdem Rostocker Fans Flaschen und Feuwerkskörper geworfen hatten.

Höchste Alarmstufe herrschte auch vor dem Stadion. 200 Rostocker Anhänger, die nicht im Besitz einer Eintrittskarte waren, zettelten vor dem Eingang zum Gäste-Block Krawalle an.

Ebenso wenig ruhig blieb es im Stadion: Nachdem aus dem Rostocker Block Rauchbomben gezündet worden waren, wurde die zweite Halbzeit mit fünfminütiger Verspätung angepfiffen.

Grandioser Auftakt

Die Rostocker legten einen Start nach Maß hin und lagen bereits nach fünf Minuten mit 2:0 in Führung. Von dem frühen Rückstand erholte sich St. Pauli bis zur Pause nicht mehr. Erst nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt.

Nach einem Foul von Kevin Schöneberg an Björn Brunnemann entschieds Schiedsrichter Markus Wingenbach (Dietz) auf Elfmeter, den Sako verwandelte. Doch es kam noch schlimmer, als Hoilett per Doppelschlag erfolgreich war.

Bei den Gastgebern verdienten sich Sako und Hoilett die Bestnoten, bei Rostock wusste Martin Retov zu gefallen.

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