Nach der Niederlage gegen Sandhausen entlässt 1860 Trainer Schmidt. Der Klub-Vize weist Gerüchte um einen Weltmeister zurück.

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Von Reinhard Franke, Patrick Hauser und Sebastian Bernsdorff

München - Der TSV 1860 München hat die Konsequenzen aus der bisher durchwachsenen Saison gezogen und Trainer Alexander Schmidt gefeuert.

Die Münchner reagierten damit auch auf die 0:2-Heimniederlage gegen den bislang sieglosen SV Sandhausen am Freitagabend.

Es war bereits die dritte Niederlage für die Löwen am sechsten Spieltag. Dadurch sah 1860 offenbar das Saisonziel Aufstieg gefährdet und entließ den ehemaligen Trainer der zweiten Mannschaft.

Schmidt stand bereits zuvor mehrfach in der Schusslinie.

Macht es jetzt von Ahlen?

Der bisherige Amateurcoach Markus von Ahlen soll zunächst das Team um den ehemaligen Nationalstürmer Benjamin Lauth übernehmen. Von Ahlen verpasste in der letzten Saison mit der zweiten Mannschaft den Aufstieg in die Dritte Liga nur knapp.

Ob der Fußballlehrer allerdings beim nächsten Heimspiel am 13. September in Aalen auf der Bank sitzen werde, ließ 1860-Sportchef Florian Hinterberger offen.

Zur Trainersuche erklärte er auf SPORT1-Nachfrage, dass "kein internationaler Trainer" kommen werde. Namen kommentierte Hinterberger nicht.

Matthäus ist kein Thema

Das machte ein anderer. Am Samstag machte zum wiederholten Mal das Gerücht die Runde, dass 1860 an einer Verpflcihtung von Lothar Matthäus interessiert sei.

Damit konfrontiert, sagte 1860-Vize Peter Helfer im Gespräch mit SPORT1: "Wir haben eine Liste von zehn Trainern und die Verhandlungen beginnen am Samstagabend. Lothar Matthäus steht definitiv nicht auf der Liste."

Als Kandidaten wurden derweil auch der ehemalige Duisburg-Coach Kosta Runjaic und der Ex-Aalen-Trainer Ralph Hasenhüttl genannt.

Auch diese beiden Namen dementierte Helfer: "Auch diese zwei Namen stehen nicht auf der Liste." Und Helfer musste lachen, als er auf seinen Wuschtrainer angesprochen wird: "Mein Wunschtrrainer wäre Felix Magath, aber den können wir uns nicht leisten."

Funkel und Köstner sind "interessant"

Welches Anforderungsprofil müsste der neue 1860-Trainer denn haben? "Er müsste sehr viel Erfahrung mitbringen und es sollte ein deutscher Trainer sein", meinte Helfer. Friedhelm Funkel? "Das ist ein interessanter Mann", sagte Helfer.

Und er fügte an: "Auch Lorenz-Günther Köstner und Franco Foda sind sehr interessant. Wir müssen die jetzt mal anklopfen, es kommt natürlich auch auf das Gehalt drauf an."

Entlassung mit Investor abgestimmt

Geschäftsführer Robert Schäfer gab indes bekannt, dass die Entscheidung, Schmidt zu entlassen, in Abstimmung mit Vertretern des Investors Hasan Ismaik getroffen worden sei.

"Der Investor hat das begrüßt", erklärte Schäfer.

Auf den neuen Trainer dürfte eine schwierige Aufgabe zukommen. Ex-1860-Trainer und "Kultlöwe" Karsten Wettberg übte im Gespräch mit SPORT1 harte Kritik an seinen Blauen.

"Die Lage ist brisant, es gärt im ganzen Verein. Zuletzt wurde doch alles nur schön geredet." Auch die Siege gegen Düsseldorf und Frankfurt (jeweils 2:1, Anm. d. Red.) seien nicht aufgrund der eigenen Stärke zustande gekommen, erklärte Wettberg.

Torflaute bei 1860

"Man ist in keinster Weise zufrieden und der Trainer machte zuletzt auch keine gute Figur. Man hat nur ein paar Tore geschossen", kritisierte er die mageren fünf Saisontore in den ersten sechs Spieltagen: "Sandhausen war keine Übermannschaft, dennoch waren sie uns spielerisch überlegen."

Wettberg bestätigte SPORT1 außerdem, dass Schmidt mittlerweile das Trainingsgelände verlassen habe. Er wünsche sich einen Trainer nach dem Schlag von Frankfurts Coach Benno Möhlmann.

"Er ist ruhig und hat die nötige Erfahrung, er ist ein richtig guter Mann", sagte Wettberg.

Hofmann macht sich Sorgen

Einer, der den Verein im Herzen trägt, ist der ehemalige 1860-Torwart Michael Hofmann. Er leidet und beoachtet die aktuelle Entwicklung wieder mit großer Sorge.

Der 40-Jährige ging mit seiner Kritik sogar noch weiter als Wettberg.

"Das war gegen Sandhausen einfach nur Arbeitsverweigerung. Wenn man nach dem Spiel die Körpersprache von Schmidt gesehen hat, dann kann man sich seinen Teil denken. Es gab aus der Mannschaft schon Stimmen, die für das Ende des Trainers waren. Es ist schlimm, was da abläuft", kritisierte der frühere Torwart.

1860 war an Magath dran

"Schmidt ist nun weg, Co-Trainer von Ahlen wird vielleicht übernehmen. Ich denke die werden sich einen externen Trainer holen. Ich würde mir Holger Stanislawski wünschen, er kann pushen und hat schon alles erlebt", sagte Hoffmann.

Dannn verriet der frühere Keeper gegenüber SPORT1, dass 1860 schon vor einigen Wochen einen ganz großen Coup plante.

Investor Hasan Ismaik habe damals auch mit Felix Magath gesprochen, berichtete Hofmann: "Man wollte die ganz große Nummer. Es gibt aber in der Bundesliga auch Trainer, die haben nicht so die große Karriere gehabt, haben aber eine ganz andere Aura."

Hofmann fügte noch hinzu: "Man darf doch einen Benny Lauth nicht klein machen, sondern muss ihn stark reden."

Schmidt hatte Lauth vor der Saison erst das Kapitänsamt und anschließend auch die Stammplatzgarantie genommen.

Hofmanns Aussage - ein deutlicher Seitenhieb in Richtung Schmidt.

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