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Franco Foda (r.) wurde am 29. August 2013 als FCK-Trainer beurlaubt © imago

Vor Lauterns Heimspiel gegen Cottbus spricht Ex-Coach Franco Foda bei SPORT1 über seine Entlassung und attackiert Stefan Kuntz.

Von Reinhard Franke

München - Der Betzenberg bebt.

Der 1. FC Kaiserslautern ist mit hohen Ambitionen in die Saison gestartet, doch nach drei Siegen und zwei Niederlagen stehen die "Roten Teufel" nach fünf Spielen (nur) auf einem fünften Platz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Rang, der weder den Fans noch den Verantwortlichen schmeckt. Zuletzt setzte es eine 0:4-Klatsche beim VfR Aalen und Trainer Franco Foda wurde daraufhin überraschend beurlaubt.

Als Grund für die Trennung war von einem angeblich zerrütteten Verhältnis zur Mannschaft die hören.

Eigentlich wollte Foda einige Wochen gar nichts sagen, doch bei SPORT1 bricht der 47-Jährige sein Schweigen und spricht vor dem Heimspiel der Pfälzer gegen Energie Cottbus (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) über sein Aus beim FCK und erhebt schwere Vorwürfe gegen Lauterns Boss Stefan Kuntz.

SPORT1: Herr Foda, inwieweit haben Sie ihre Entlassung beim FCK schon verarbeitet?

Franco Foda: Noch nicht ganz. Nach dem 0:4 in Aalen hatte Stefan Kuntz (FCK-Boss, Anm. d. Red.) mir mitgeteilt, dass in der Woche danach alles normal weiterläuft, also bin ich davon ausgegangen gegen Cottbus auf der Bank zu sitzen. Es war wirklich überraschend, dass es zur Trennung kam.

SPORT1: Wie enttäuscht sind Sie?

Foda: (überlegt lange) Man kann sich im Fußball immer von einem Trainer trennen, aus welchen Gründen auch immer. Eine Trennung sollte immer mit Respekt, Stil und Anstand vollzogen werden, zumal auch noch alle Chancen auf die Saisonziele da waren. Das war leider nicht der Fall und daher bin ich sehr enttäuscht.

SPORT1: Sie wollten einige Wochen schweigen, warum reden Sie jetzt doch?

Foda: Ich sage nur deshalb jetzt etwas, weil viele Äußerungen von Stefan Kuntz nicht der Wahrheit entsprechen. Es gab nur ein Problem zwischen Foda und Kuntz, ich habe das Gefühl, dass jetzt für sein Verhalten pausenlos nach Gründen gesucht wird. Weitere Details möchte ich nicht preisgeben, weil sich das nicht gehört.

SPORT1: Es war zu hören, dass das Verhältnis zwischen Ihnen und der Mannschaft zerrüttet gewesen sein soll.

Foda: In einer Mannschaft mit 25 Spielern gibt es immer unterschiedliche Typen. Die einen können gut mit dem Trainer, die anderen weniger gut. Vor ein paar Wochen in der Vorbereitung war alles super. Die Stimmung im Team war klasse, wir haben die ersten Spiele gewonnen und dann soll plötzlich die Beziehung zwischen Mannschaft und Trainer negativ sein. Das ist schwer nachvollziehbar. Zudem haben mich Spieler angerufen und sich bedankt. Das zeigt, dass nicht alles so schlecht war.

SPORT1: War das Aalen-Spiel der Knackpunkt für Ihr Aus?

Foda: Es war eine Niederlage, die in dieser Art und Weise auch in Unterzahl nicht passieren durfte, aber das ist schon größeren Mannschaften als dem FCK passiert. Wir haben sicher nicht gut gespielt. Wenn ich aber höre, dass die letzten 39 Spiele berücksichtigt wurden, dann muss man sehen, dass Franco Foda in den 39 Spielen 18 Siege, 13 Remis und nur acht Niederlagen vorzuweisen hat. Diese Bilanz ist nicht so schlecht.

SPORT1: Sie sollen in zwei Gesprächen auf Probleme hingewiesen worden sein, sich aber nicht einsichtig gezeigt haben.

Foda: Das stimmt so nicht. Es gab direkt nach dem Aalen-Spiel ein Gespräch und im zweiten Gespräch wurde mir dann die Beurlaubung mitgeteilt. Für mich war die Vorgehensweise von Herrn Kunz so nicht in Ordnung.

SPORT1: Sie tragen beide den FCK Im Herzen. Ist das Tischtuch zu Kuntz endgültig zerschnitten?

Foda: Die Zielsetzung von Kuntz war, dass wir am 30. Spieltag noch um den Aufstieg mitspielen können. Es war ja noch nichts passiert. Letztes Jahr war ich noch ein Trainer, wie ihn sich Kuntz vorstellt und plötzlich ist das alles nicht mehr so, wie es mal war.

SPORT1: Haben Sie Fehler gemacht?

Foda: Bestimmt, aber ich lasse mich nicht manipulieren, ich habe meine Linie und meine Art und Weise zu arbeiten, aber das war im letzten Jahr genauso. Das Tischtuch ist sicher nicht zerschnitten, aber die Vorgehensweise von Stefan Kuntz war für mich so nicht in Ordnung.

SPORT1: Seit 2008 waren vier Trainer beim FCK. Wie kann der Verein zur Ruhe kommen?

Foda: Ich bin fest davon überzeugt, dass der Klub mit mir aufgestiegen wäre. Der Verein gehört in die Bundesliga und die Mannschaft hat die Qualität dahin zu kommen. Natürlich ist die Erwartungshaltung in Lautern sehr hoch, man sollte etwas realistischer sein. Man darf nicht nach jeder Niederlage das Gefühl von Weltuntergang haben. Beim FCK gibt es tolle Fans und das sage ich, obwohl sie nach dem Aalen-Spiel "Foda raus" gerufen haben. Sie sind sehr emotional und unterstützen das Team egal wo. Man darf aber nicht nur immer dem Trainer die Schuld geben, sondern auch ein Stefan Kuntz sollte sich mal hinterfragen.

SPORT1: Wie geht es mit Ihnen weiter?

Foda: Ich höre mir alles an, hatte sogar schon ein Angebot bekommen, was ich aber abgesagt habe. Ich bleibe jetzt mal ruhig, warte vielleicht auch bis zum Winter. Es muss passen und wichtig ist, dass es zwischen Trainer und Sportdirektor zu 100 Prozent funktioniert.

SPORT1: Sie klingen traurig, dass das Kapitel FCK beendet ist...

Foda: Natürlich. Mein größter Wunsch war es mit dem FCK in die Bundesliga aufzusteigen. Deshalb bin ich ja zum FCK gekommen. Ich habe damals mit Austria Wien einem Erstligisten abgesagt und bin in die Zweite Liga zu einem Verein, wo ich selber gespielt habe. Ich habe immer gesagt, dass wir noch etwas Zeit benötigen. Das war auch mit Kuntz besprochen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der FCK noch besser wird. Ich bin mir auch sicher, dass wir mit mir gegen Cottbus gewonnen hätten, weil wir nach schlechten Spielen immer eine positive Reaktion gezeigt haben. Ich drücke dem Verein beide Daumen.

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