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Andreas Zachhuber war bereits von März 1999 bis September 2000 Hansa-Chefcoach © imago

Hansa droht nach der Randale von Hamburg eine saftige Geldstrafe. Der Nachfolger von Trainer Dieter Eilts scheint bereits gefunden.

Hamburg/Rostock - Fan-Krawalle mit Folgen, ein stilloser Trainer-Rauswurf und eine hektische Suche nach dem "Retter", der wohl in Andreas Zachhuber ein alter Bekannter ist:

Hansa Rostock erlebte rund um die 2:3-Niederlage beim FC St. Pauli einen "schwarzen Freitag" und zeigte in der größten Krise der Klubgeschichte ein unglückliches Krisenmanagement.

"Es ist schon schlimm, dass uns neben der sportlichen Enttäuschung auch die Randale belasten. Ich hoffe nur, dass wir keinen so großen finanziellen Schaden nehmen", sagte Hans-Ulrich Gienke.

Der 60-Jährige war erst Stunden zuvor zum neuen Aufsichtsratschef gewählt worden, nachdem sein Vorgänger Adalbert Skambraks zurückgetreten war.

Das Team von der Ostseeküste hat als Tabellenvorletzter mit 19 Punkten bereits vier Zähler Rückstand auf das rettende Ufer.

Unmittelbar nach der Pleite in Hamburg war Coach Dieter Eilts entlassen worden.

Zachhuber wohl neuer Coach

Das Rennen um die Nachfolge von des Europameisters von 1996, der in 104 Tagen Amtszeit nur einen Sieg aus zehn Spielen holte, hat anscheinend Zachhuber gemacht.

Der heutige Trainer des Oberligisten Greifswalder SV rettete Hansa in den Jahren 1999 und 2000 vor dem Bundesliga-Abstieg und hat wohl den Vorzug gegenüber dem früheren Hansa-Profi Thomas Doll erhalten, der sich bereits beim Hamburger SV und Borussia Dortmund als "Feuerwehrmann" profiliert hatte.

Am Samstag berieten Vorstand und Aufsichtsrat mehrere Stunden lang und entschieden sich für einen Eilts-Nachfolger, dessen Name laut Pressesprecher Schulz aber erst am Sonntag in einer Pressekonferenz um 11 Uhr bekanntgegeben werden soll.

Randale am Millerntor

Zuvor war es am Rande des Spiels zu großen Ausschreitungen gekommen. Die Polizei war mit 1367 Beamten im Einsatz - eine Rekordzahl für ein Zweitliga-Duell.

Nach dem Spiel eskalierte die Situation rund um das Stadion, als 1300 "Fans" von St. Pauli den Abmarsch der Rostocker Anhänger zum Bahnhof aufhalten wollten.

Es wurden Flaschen und Pyrotechnik geworfen, die Polizei ging mit Wasserwerfern und Schlagstöcken vor. Bei den Krawallen wurden fünf Polizisten und zwei Fans verletzt.

Ein Beamter musste mit einer durchtrennten Arterie im Knie ins Krankenhaus gebracht werden. Er konnte die Klinik am Samstagmorgen wieder verlassen.

In der Halbzeitpause des Spiels waren im Rostocker Fan-Block Rauchbomben gezündet worden. Der Wiederanpfiff der Partie verzögerte sich um einige Minuten.

"Es gibt immer irgendwelche Vollpfosten, die nicht da sind, um zu unterstützen, sondern nur Krawalle machen wollen", sagte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski.

Hansa droht Geldstrafe

Der Deutsche Fußball-Bund ist bereits aktiv geworden. Rostock muss nun mit einer saftigen Geldstrafe rechnen, da der Klub als Wiederholungstäter gilt. Schon im April 2007 in Essen und im Hinspiel gegen St. Pauli hatte es Unruhen gegeben.

Der Klub musste damals 100.000 Euro Strafe zahlen und bekam eine Stehplatz-Sperre für ein Spiel, jetzt droht erneut eine saftige Geldstrafe oder sogar eine Platzsperre.

"Was die Vorfälle außerhalb des Stadions angeht, werden wir zu Beginn der Woche die Berichte der Polizei genau analysieren und auswerten. Zu den Vorfällen innerhalb des Stadions hat der Kontrollausschuss des DFB die Ermittlungen aufgenommen", sagte DFB-Sprecher Harald Stenger.

Entlassung via Fernsehen

Stillos verlief zuvor die Beurlaubung von Trainer Eilts. Manager Rene Rydlewicz hatte dem Coach für die Partie in Hamburg ein Ultimatum nach dem Motto "Siegen oder Fliegen" gestellt. Nach dem Spiel bestätigte Rydlewicz in einem TV-Interview die Entlassung.

Eilts musste noch zur Pressekonferenz antreten und fuhr sogar im Mannschaftsbus zurück mit nach Rostock. Angeblich bereitete ihm die Rückfahrt keine Probleme. "Soll ich denn laufen?", entgegnete er fragenden Reportern.

Hansas Spieler, die eine frühe 2:0-Führung verspielten, suchten die Schuld bei sich selbst.

"Wir haben Trainer und Co-Trainer im Stich gelassen", sagte Kevin Schindler. Torwart Jörg Hahnel meinte, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit mit einer 2:0-Führung "zu arrogant" aufgetreten sei.

Dafür zeigte wiederum Rydlewicz kein Verständnis: "Vielleicht sollten die Spieler etwas weniger reden."

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