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Berkant Göktan wurde 2002 türkischer Meister mit Galatasaray © getty

Er galt als Hoffnungsträger für diese Zweitliga-Saison. Nun ist ungewiss, wann der Stürmer bei 1860 München wieder auflaufen wird.

Von Michael Schulz

München - Auf der Homepage des Zweitligisten 1860 München steht unter dem Punkt "Personalien" folgender Eintrag: Berkant Göktan, Viruserkrankung seit 7. August, voraussichtliche Dauer: noch offen.

Doch hinter diesen Daten verbirgt sich nicht irgendein Spieler der "Löwen", sondern der Spielmacher.

Und der 27-Jährige hat in der neuen Saison noch kein Punktspiel für dem Traditionsklub bestritten.

Gute Fortschritte

Göktan fehlte sowohl beim 2:0 im Pokal beim Oberligisten TSG Neustrelitz, als auch beim 1:2 beim Ligastart beim SC Freiburg.

Vereinsarzt Willi Widenmayer hat beim Stürmer ein Müdigkeits- und Erschöpfungssyndrom diagnostiziert. "Die Blutwerte haben nichts ergeben, aber das muss man sehr ernst nehmen", erklärt Widenmayer und fügt hinzu: "Das kommt in vielen Berufen vor, wo Druck und Belastung sehr hoch sind."

Der Mediziner macht aber auch Hoffnung: "Berkant macht sehr gute Fortschritte und wird bald wieder ans Mannschaftstraining herangeführt."

Trainer Kurz hofft

1860-Coach Marco Kurz hat seinen Spieler seit Tagen nicht mehr an der Grünwalder Straße gesehen und weiß auch nicht, wann er auf den 27-Jährigen wieder zurückgreifen kann

"Wir sind völlig im Ungewissen. Am Sonntag gegen Mainz wird Göktan kein Thema mehr sein", klagt Kurz: "Auch nicht für die Startelf gegen Ahlen." Bei den Westfalen treten die "Löwen" am übernächsten Sonntag an.

Der Trainer versucht, Hoffnung zu verbreiten: "Er kommt bald wieder."

Eltern wissen nicht, wo er ist

Derzeit ist der "Löwe der Saison 2006/07" erst einmal abgetaucht. Wo, weiß nicht einmal seine Familie.

"Er ist in einer Klinik, an einem geheimen Ort rund 60 Kilometer von München entfernt", sagt sein Göktans Vater Fahrettin in der Münchner "Abendzeitung": "Die Ärzte haben ihm empfohlen, mal richtig abzuschalten, keinen Kontakt zu niemanden zu haben, auch nicht zu seinen Eltern."

Daher, so der 60-Jährige, habe sein Sohn auch kein Handy dabei.

Vier Tage im Bett

Bis zu seiner Einweisung ins Krankenhaus ging es Göktan "hundeübel". "Er hat vier Tage im Bett gelegen und ist nicht aufgestanden", sagt sein Vater: "Er konnte sich kaum rühren."

Das Glück ist dem Angreifer derzeit nicht hold. Erst eine Bandscheiben-Operation, dann verpasste Göktan einen Großteil der Vorbereitung, weil er barfuß in eine Glasscherbe trat und die Wunde sich entzündete

Er hat nur eine Bezeichnung für die vergangenen zwölf Monate: "Das ist wirklich ein Seuchenjahr für ihn. Das ist echt der Horror."

Unprofessionelles Verhalten?

Ganz anders urteilt 1860-Coach über den so genannten Problemkicker.

"Ich kann nicht ständig Schattenmann spielen", erklärt Kurz: "Aber er sollte Dinge beherzigen, die jeder Profi vorleben sollte."

Dem widerspricht Göktans Vater. "Er will sich seinen Traum erfüllen und 1860 in die Bundesliga zurückschießen", sagte er: "Deswegen ist er im Sommer auch nicht in die Türkei gewechselt. Dort hätte er das Doppelte verdient."

Rückkehr am Montag?

Dass der Stürmer seine Karriere bei den "Löwen" vorzeitig beenden muss, wie Ende der Neunziger Jahre Olaf Bodden wegen Pfeifferschen Drüsenfiebers, glaubt der Spieler laut seinem Vater nicht.

"'Er plant, dass er am kommenden Montag die Klinik verlassen kann", sagt Fahrrettin Göktan: "Er sagte: 'Papa, ich komme nächste Woche raketenartig zurück, die werden sich alle wundern'"

Bis 2011 hat Berkant Göktan noch Vertrag bei 1860 - so lange werden die Münchner aber nicht auf ein Wunder warten.

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