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Patrick Helmes schaut skeptisch während des Trainings des 1. FC Köln
Patrick Helmes startete seine Fußballer-Karriere bei den Sportfreunden Siegen © imago

In Cottbus legt Rückkehrer Patrick Helmes wieder los für Köln. Bei SPORT1 spricht er über Vergleiche, Vertrauen und Geld.

Von Reinhard Franke

München - Patrick Helmes ist zurück in seinem Revier.

Sein Revier, das ist Köln. Der 29-Jährige spielte bereits von 1997 bis 2000 und von 2005 bis 2008 für die "Geißböcke" des FC.

2008 wechselte der frühere Nationalspieler zu Erzrivale Bayer Leverkusen und holte sich den ersten Kratzer in seiner Karriere ab. Im Januar 2011 zog der gebürtige Kölner weiter zum VfL Wolfsburg, auch dort fand er kein Glück.

In der Saison 2011/2012 lernte Helmes unter Trainer Felix Magath gar die Schattenseite des Profilebens kennen, als er zu den Amateuren verbannt wurde.

Nun beendete der Stürmer das Kapitel Wolfsburg und will in Köln einen Neuanfang, zu alter Form finden und mit den Kölnern aufsteigen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor seinem Debüt im FC-Trikot bei Energie Cottbus (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 , auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht der Stürmer im SPORT1-Interview über Vergleiche, Vertrauen und Geld.

SPORT1: Herr Helmes, mit welchen Gefühlen gehen Sie nach Ihrer Rückkehr in Ihr erstes Spiel für den FC in Cottbus?

Patrick Helmes: Ich freue mich, dass es endlich losgeht. Ich habe zwar im Freundschaftsspiel in Wuppertal schon mit meinem neuen Team auflaufen können, aber das erste Punktspiel ist natürlich etwas Besonderes. Ich habe ein gutes Gefühl.

SPORT1: Wie waren die ersten zwei Wochen zurück in "Ihrem" Klub?

Helmes: Intensiv, aber im positiven Sinne. Jeder wollte etwas von mir, ich war auf Wohnungssuche und habe meine Mitspieler, das Trainerteam und viele neue Leute kennengelernt. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, wieder zu Hause zu sein.

SPORT1: Es ist immer vom verlorenen Sohn die Rede...

Helmes: Das mit dem verlorenen Sohn ist mir ein bisschen zu weit hergeholt, denn ich bin ja als Fußballprofi beim FC. Aber es stimmt schon, dass dieser Klub und sein Umfeld für mich etwas Besonderes sind. Mit war immer klar, dass ich hierher zurückkehren möchte. Ich bin glücklich, dass es jetzt geklappt hat.

SPORT1: Sie sollen auf viel Geld verzichtet haben - aber müssen Sie nicht auch dankbar sein, in Köln eine neue Chance zu bekommen?

Helmes: Es gab einige Angebote, und ich war ja auch kurz davor, wieder in den Profikader des VfL Wolfsburg zurückzukehren. Aber mir war einfach wichtig, einen Neuanfang zu machen, wieder Spaß am Fußball zu haben. Ich habe auf Geld verzichtet, damit es klappt und glaube, dass diese Lösung für alle Seiten gut war. Ich bin dankbar dafür, dass sich der FC so um diese Lösung bemüht hat und dass Wolfsburg mich hat gehen lassen.

SPORT1: FC-Coach Peter Stöger schwärmt geradezu von Ihnen. Macht Sie das stolz?

Helmes: Ich bin ein Typ, der das Vertrauen des Trainers braucht, um Leistung bringen zu können. Dieses Gefühl habe ich bei Herrn Stöger, und ich werde alles versuchen, dieses Vertrauen zurückzuzahlen. Ich bilde mir auf seine Wertschätzung aber nichts ein. Stolz bin ich, wenn wir den Aufstieg schaffen - nicht, wenn der Trainer gut über mich redet.

SPORT1: Warum hat der FC so einen Platz in Ihrem Herzen?

Helmes: Es ist ein großer Klub mit einer Fan-Szene, die es so in der Bundesliga höchstens noch bei zwei, drei anderen Vereinen gibt. Es geht hier nicht um Heimatgefühle. Doch als jemand, der in Köln angefangen hat und sich dort zu Hause fühlt, ist dieser Wunsch vielleicht einfach etwas persönlicher als anderswo im Profigeschäft.

SPORT1: Als Sie 2008 vom FC nach Leverkusen gewechselt sind, wurden Sie von den Kölner Fans als "Hurensohn" beschimpft. Wie wurden Sie jetzt empfangen?

Helmes: Ich habe in den vergangenen zwei Wochen viel Zuspruch und Zustimmung bekommen. Ich glaube, die meisten Fans tragen mir den Wechsel nicht mehr nach. Aber sicher gibt es noch den einen oder anderen, der das anders sieht. Die werde ich versuchen, mit guten Leistungen zu überzeugen, so wie ich es auch gemacht habe, als ich meinen Teil zum Aufstieg 2008 beigetragen habe. Im Nachhinein weiß ich, dass ich das Thema Leverkusen damals vielleicht unterschätzt habe. Aber daran, dass der FC mein Klub ist, und dass ich nicht aus Geldgier gewechselt bin, dürfte es keine Zweifel mehr geben.

SPORT1: Mit Anthony Ujah bilden Sie das Sturm-Duo, das den FC wieder in die Bundesliga schießen soll. Zu viel Erwartungshaltung?

Helmes: Wir spielen in Cottbus erstmals miteinander, wie gut es da schon klappt, wird man sehen. Im Training verstehen wir uns gut, Tony ist ein super Typ, der schon viele Tore für den FC gemacht hat. Von mir aus kann er in Cottbus damit weitermachen. Ich weiß, dass man in Köln, wenn man seine Leistung bringt, alles doppelt und dreifach zurückbekommt.

SPORT1: Fühlen Sie sich ein bisschen wie Lukas Podolski? Selten wurden zwei Spieler in Köln so verehrt wie Sie beide.

Helmes: Natürlich war es in den letzten Tagen extrem, aber das gibt sich wieder. Ich bin kein zweiter Poldi, habe jedoch den Eindruck, dass beim FC inzwischen ein anderer, ruhigerer Ton herrscht. Es geht nicht um einzelne Spieler, nicht um Poldi, nicht um mich.

SPORT1: Wie geht der FC in das Spiel in Cottbus?

Helmes: Offensiv. Wir wollen Tore schießen. 35464(DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige)

SPORT1: Und wie sehr glauben Sie daran, dass Sie den FC zurück in die Bundesliga schießen?

Helmes: Wer den FC zurück in die Bundesliga schießt, ist mir egal. Hauptsache, es klappt. Dieses Ziel erreichen wir nur gemeinsam, ich bin fit und heiß darauf, meinen Teil zu diesem Ziel beizutragen.

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