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Levan Kenia (l.) gab am 11. April 2009 für Schalke 04 sein Bundesliga-Debüt © getty

Trotz lauter werdender Kritik fiebert Düsseldorfs Trainer Büskens dem Kracher auf St. Pauli entgegen und stellt das System um.

Von Eric Böhm

München - Nur zwei Siege aus sieben Spielen: Fortuna Düsseldorf hatte sich die Rückholaktion des "verlorenen Sohnes" Mike Büskens sicher etwas anders vorgestellt.

Eigentlich wollten die Rheinländer den bitteren Beigeschmack des Abstieges vertreiben, stattdessen hängt das Team im Tabellenkeller fest.

Büskens kommt die schwere Auswärtshürde beim FC St. Pauli (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) dennoch gerade recht, schließlich ist der langjährige Bundesliga-Spieler ein Fan der einzigartigen Atmosphäre.

"Darauf sollte man sich doch freuen. Das macht den Fußball auch aus. Ich bin ja sowieso eher der emotionale Typ. St. Pauli und das Millerntorstadion sind einfach Kult", schwärmt Büskens.

"Levan ist ein Straßen-Fußballer"

Der gebürtige Düsseldorfer hofft, dass in seiner Mannschaft spätestens beim Einmarsch zu "Hells Bells" von AC/DC zuletzt vermisste Leidenschaft geweckt wird.

Als möglicherweise entscheidenden Trumpf für den Flutlichtkracher an der Kultstätte hat der frühere Schalker einen Edeltechniker mit königsblauer Vergangenheit im Auge: Levan Kenia.

"Er liebt den Fußball. Levan hat diese Spielfreude. Er ist noch ein richtiger Straßen-Fußballer. Den kannst du auch nachts wecken, dann zockt er los."

Bance als Stoßstürmer

Der Georgier soll auf dem Kiez den bulligen Stürmer Aristide Bance füttern. Denn in Konsequenz des ernüchternden Remis gegen Dresden ändert Büskens das System.

Statt zwei Spitzen versucht er es mit einer offensiven Dreierreihe hinter Bance. Dadurch erhofft sich der Coach mehr Stabilität, denn zuletzt "wurden in der Defensivarbeit nicht die weiten Wege gemacht."

Dazu kommt, dass die spät verpflichteten Angreifer Bance und Erwin "Jimmy" Hoffer keine richtige Vorbereitung hatten und noch keine 90 Minuten hohes Tempo gehen können.

Selbstvertrauen aus Testkick

Nachdem gegen Dynamo zuletzt die Angst vor dem Versagen im Stadion fast greifbar schien, musste Büskens vor allem im mentalen Bereich arbeiten, schließlich findet Fußball "auch viel im Kopf statt."

Zur Therapie gehörte ein Testspiel in Bottrop. Das 8:1 sollte die Torgeilheit vor dem Gang ins Freudenhaus der Liga wiedererwecken.

Zudem feierte Innenverteidiger Stelios Malezas sein Comeback nach der Knie-Operation im Mai und könnte im Hamburg im Kader stehen.

Respekt vor St. Pauli

So oder so gehen die Fortunen mit Respekt vor den Gastgebern in den Abschluss des 8. Spieltages. Drei von vier Heimpartien gewannen die ordentlich gestarteten "Kiezkicker". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Mit John Verhoek spielen sie mit einer tiefen Spitze. Die drei Spieler dahinter sind sehr variabel. Auf der Sechserposition agiert mit Fabian Boll ein echter Leader, der St. Pauli verkörpert", weiß Büskens.

Sein Team schaffte bisher auswärts nur einen mickrigen Punkt und kassierte bereits sieben Tore. Vor fast einem Jahr gelang in Fürth der letzte Dreier vor fremder Kulisse.

Frontzecks Team schaut nach oben

Beim letzten Montagsspiel in Hamburg gelang im Oktober 2011 dank zweier Tore von Kapitän Andreas Lambertz ein 3:1-Erfolg. (749962DIASHOW: Aufstiegstipps der Zweitliga-Trainer)

Diese Schmach wollen die Schützlinge von Coach Michael Frontzeck ausbügeln. Durch einen Erfolg könnte nach Punkten mit dem zweitplatzierten 1. FC Köln gleichgezogen werden.

"Es ist ein Spiel gegen attraktiven Gegner, auf das wir uns freuen können. Es wird eine Herausforderung für uns. Wir müssen uns steigern", sagt Frontzeck, der wohl wieder auf den offensivstarken Außen Bern Nehrig (nach Achillessehnenproblemen) zurückgreifen kann.

Der Kult-Faktor wir spätestens mit "Hells Bells" nicht nur auf dem Rasen für Gänsehaut sorgen.

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