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Andreas Zachhuber ist seit 34 Jahren bei Hansa Rostock tätig © imago

Im Sport1.de-Interview spricht Andreas Zachhuber über seine Aufgabe bei Hansa Rostock, harte Arbeit und Identifikation.

Von Daniel Rathjen undChristian Stüwe

München - Kaum jemand kennt Hansa Rostock so gut wie Andreas Zachhuber (Porträt).

Der neue alte Trainer trat bei den Hanseaten am Wochenende die Nachfolge von Dieter Eilts an und soll Rostock in der Zweitklassigkeit halten.

"Wir haben Trainer gesucht, die kompetent und erfahren sind und die Hansa-Kogge im Herzen tragen", sagte Manager Rene Rydlewicz.

Zudem schaffte Zachhuber bereits 1999 und 2000 den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Doch die aktuelle Herausforderung beim Tabellenvorletzten ist mindestens ebenso groß. (Ergebnisse und Tabelle)

Im Sport1.de-Interview spricht Zachhuber, dessen Vertrag sich beim Klassenerhalt über seine Aufgabe, harte Arbeit, fehlende Kommunikation und Identifikation.

Sport1: Herr Zachhuber, kam das Angebot von Hansa für Sie überraschend?

Andreas Zachhuber: Ja, natürlich kam das überraschend. Ich hatte gehofft, dass Dieter Eilts mit der Mannschaft bei St. Pauli die drei Punkte holt und dann den Klassenerhalt schafft. Das hätte ich ihm und auch dem FC Hansa gewünscht.

Sport1: Ist das nun eher eine undankbare oder eine dankbare Situation für Sie?

Zachhuber: Ich bin seit 1975 in diesem Verein und habe alle Stationen durchlaufen. Als Spieler in allen Jugendteams bis hin zur ersten Mannschaft. Ebenso als Trainer. Das sind jetzt 34 Jahre Hansa und dabei habe ich natürlich viel Emotionales erlebt, wie zum Beispiel die beiden Endspiele 1999 in Bochum und 2000 auf Schalke.

Sport1.de: Sie konnten also nicht nein sagen...

Zachhuber: Wenn der gesamte Aufsichtsrat und der Vorstand geschlossen auf mich zukommen und mich bitten, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen, dann hätte ich es mir zu einfach gemacht, wenn ich nein gesagt hätte. Also habe ich zugesagt, mit dem Ziel, bis zum letzten Tag hunderprozentige Arbeit abzuliefern, so dass ich mir am 24. Mai um 17.50 Uhr nichts vorzuwerfen habe. Und dann schauen wir mal, was dabei herumkommt.

Sport1: Wie wollen Sie den Klassenerhalt schaffen?

Zachhuber: Ich bin überzeugt, dass wir es auch diesmal wieder hinbekommen. Die Mannschaft ist von der Qualität der Einzelspieler okay, aber die Spiele zuletzt haben gezeigt, dass sie auf dem Feld nicht als ganzes funktioniert. Da haben sie immer wieder viele Gegentore bekommen und sich dadurch alles verbaut, wie in Aachen oder zuletzt bei St. Pauli. Da ist also irgendetwas definitiv nicht in Ordnung.

Sport1: Was stimmt also nicht?

Zachhuber: Es herrscht offenbar zu wenig Kommunikation auf dem Platz. Gerade im Abstiegskampf muss man als Mannschaft enger zusammenstehen. Wenn ich außerdem sehe, dass wir in Hamburg nur eine Gelbe Karte kriegen, und die geht an den Auswechselspieler Enrico Kern bei einem Gerangel im Tor, dann ist das ganz einfach zu wenig Biss.

Sport1: Sie haben Assani Lukimya und Benjamin Lense aussortiert, dafür Dexter Langen zurückgeholt. Was steckt dahinter?

Zachuber: Nach der Pressekonferenz am Samstag habe ich natürlich stundenlang Gespräche geführt und Videos angeschaut, um mir so schnell wie möglich einen Überblick zu verschaffen. Dabei bin ich gemeinsam mit dem Trainerteam und Manager Rene Rydlewicz zu diesen Entscheidungen gelangt.

Sport1: Denken Sie, die Mannschaft hat sich in dieser Saison unter Wert verkauft?

Zachhuber: Gute Ansätze sind ja da. Wenn ich daran denke, wie die Mannschaft in Aachen gespielt hat. Dort wurden 15 hochkarätige Chancen herausgespielt. Das zeigt ja, dass die Mannschaft es kann. Es fehlt allerdings ganz klar ein Erfolgserlebnis. Die Köpfe waren ja alle unten im gesamten Umfeld. Deswegen habe ich gesagt: Kopf hoch, Brust raus, das ist kein Grund hier rumzuheulen. Wir haben noch elf Spiele und jetzt müssen wir Gas geben.

Sport1: Versuchen Sie den Spielern die notwendige Identifkation mit dem Verein vorzuleben?

Zachhuber: Das versuche ich in jeder Minute, ja. Ich bin schon so lange hier und kenne alles.

Sport1: Kann die Wende schon gegen Ingolstadt eingeleitet werden?

Zachhuber: Darauf arbeiten wir hin. Ich habe die trainingsfreien Tage in dieser Woche gestrichen, wir haben neun Einheiten. Die ganze Woche ist von meinem Trainerteam und mir vollgepackt mit Dingen, die wir verbessern wollen. Und dann wollen wir uns am Sonntag auf die Bank setzen mit der Gewissheit, alles dafür getan zu haben, dass wir das Spiel gewinnen.

Sport1: Zuletzt haben Hansa-Fans für Negativschlagzeilen gesorgt. Beschäftigt Sie das in der täglichen Arbeit?

Zachhuber: Ich habe gesagt, was in der Vergangenheit war, interessiert mich nicht. Aber ich muss schon sagen, wenn man den Fernseher anmacht und solche Bilder sieht, das hat mit Fußball nichts zu tun. Da müssen wir alles versuchen, so etwas zu unterbinden.

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