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Torben Hoffman (li.) und Erik Jendrisek - zwei der elf Gelbsünder © getty

"Löwen" und "Rote Teufel" sprechen in höchsten Tönen über das turbulente Spiel. Hadern aber mit dem Schiedsrichter und dem Ergebnis.

Von Jennifer Fischer und Jürgen Blöhs

München ? Dass die Fans eine innige Freundschaft pflegen und ein Pfälzer und bekennender Fan des 1. FC Kaiserslautern auf der Bank von 1860 sitzt, das alles sollte für 90 Minuten keine Rolle spielen.

"Fan-Freundschaft hin oder her, unser Ziel ist, dass nur die 'Löwen'-Fans Grund zum Feiern haben. Keiner wird dem anderen etwas schenken", hatte Benjamin Lauth in der Stadionzeitung "Löwen-News" die Richtung vorgegeben.

Am Ende hieß es fanfreundschaftlich 1:1 im 44. Aufeinandertreffen von 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern (Lautern stolpert bei den "Löwen") in Bundes- und Zweiter Liga.

"Wembley-Tor" sorgt für Gesprächsstoff

Es war kein Spiel für schwache Nerven. Für Gesprächsstoff bei den Verbrüderungen in den Münchner Biergärten und den Akteuren war gesorgt.

Die größten Aufreger: Ein nicht anerkannter Treffer durch "Löwen"-Stürmer Lauth, wegen vermeintlicher Torwart-Behinderung, ein Pfosten-Treffer bei einem Nachschuss von Team-Kollege Lars Bender nach einer Glanzparade von Keeper Tobias Sippel und ein Elfmeter-Geschenk in der 85. Minute für die Gäste, dass Anel Dzaka nicht zu nutzen vermochte.

Und die größte Fehlentscheidung: Ein "Wembley-Tor" für die Gastgeber nach einem Heber von Fabian Johnson, dem der Assistent von Schiedsrichter Manuel Gräfe, Markus Häcker, die Anerkennung versagte.

Aber im Gegensatz zum WM-Finale 1966 war dieser Ball hinter der Linie.

"Habe schon genug gezahlt"

"Ich habe mir eigentlich abgewöhnt, irgendetwas über Schiedsrichterentscheidungen zu sagen. Da hab' ich schon genug gezahlt. Heute ist das anders", sagte der Münchener Torben Hoffmann und vergaß damit seine guten Vorsätze.

"In der ersten Halbzeit zeigt der Linienrichter eine Ecke gegen mich an, wo er sagt, er kann das auf 50 Meter sehen. Hier ist der Ball hinter der Torlinie, das sieht er nicht".

Auch Lauth ärgerte sich über den Assistenten: "Wenn ein langer Ball unterwegs ist, sollte sich der Linienrichter vielleicht schon noch den Weg machen können, um zu sehen ob der Ball hinter der Linie ist oder nicht".

"Ein großes Spiel"

Und alle waren mit Kaiserslauterns Trainer einer Meinung, "ein großes Spiel" gesehen zu haben.

"Es gibt Gründe ins Stadion zu kommen. Heute war so ein Abend. Was wurde nicht alles geboten? Freud' und Leid lagen dicht beieinander", so Milan Sasic euphorisch. "Wenn man mich fragen würde, ob ich lieber drei Punkte mitnehmen oder so ein Spiel sehen darf, ich wüsste nicht, was ich vorziehen würde".

"Fußball-Herz, was willst Du mehr", pflichtet 1860-Coach Uwe Wolf seinem Kollegen bei, war aber "mit dem einen Punkt nicht zufrieden".

Hoffmann erinnert an Abstiegsjahr

Verständlich, denn das 1:1 hilft keinem weiter. Kaiserslautern verpasste die Chance, mit Mainz und Fürth nach Punkten gleichzuziehen, und die Löwen müssen weiterhin den Blick nach unten richten.

Zwar trennen 1860 sieben Punkte von Relegationsplatz 16, aber die verkorkste Saison abzuhaken, "würde heißen, dass wir aufhören Fußball zu spielen. Natürlich schauen wir nach unten. So naiv bin ich nicht", so Hoffmann.

"Wir haben zu Erstliga-Zeiten eine ähnliche Situation gehabt, wo wir gesagt haben, es sind noch genug Spiele und wir haben die Qualität", erinnert der Abwehrspieler Sport1.de ans Abstiegsjahr 2004 und fordert "vier Punkte" aus den anstehenden Partien bei den abstiegsgefährdeten Klubs Rot-Weiß Oberhausen und FC Augsburg.

Nerven liegen blank

Leicht gesagt: Seit fünf Spielen wartet der Klub, der jede Saison den Aufstieg als Ziel vorgibt, auf einen Sieg.

"Eine Platzierung auf Dauer im Mittelfeld - das wird hier keinen zufriedenstellen", weiß Hofmann und fordert für die kommende Saison Verstärkung.

"Wir brauchen gute Spieler, um nächstes Jahr wieder bestehen zu können."

Die Nerven in München liegen blank: "Die Herren von Presse hätte es sicher gewünscht, dass wir heute verlieren. Den Gefallen haben wir Ihnen nicht getan", so ein von der Kritik sichtlich angefressener Wolf auf der Pressekonferenz.

Kaiserslautern hofft weiter

Auch wenn der Aufstieg nach Meinung von 54er Weltmeister Horst Eckel für Kaiserslautern "zu früh" käme, so stirbt die Hoffnung in der Pfalz zuletzt.

"Wir hatten uns vorgenommen, auch auswärts Punkte zu holen. Da haben wir heute in der Statistik wieder etwas zugelegt", sagte Erik Jendrisek zu Sport1.de . Für Kaiserslautern war es das vierte Spiel ohne Niederlage auf fremdem Platz.

"Wir denken von Spiel zu Spiel. Jetzt müssen wir gegen Wehen nachlegen", gibt der Torschütze zum 1:1 für das kommende Heimspiel vor.

Auch Trainer Sasic gibt sich kämpferisch: "Jetzt greifen wir noch einmal richtig an."

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