vergrößernverkleinern
Thorsten Fink gewann 2001 mit dem FC Bayern die Champions-League © getty

Nach der Trainerentlassung in Ingolstadt übernimmt der bisherige Co-Trainer übergangsweise. Drei Nachfolger sind im Gespräch.

Ingolstadt - Am Freitag saß Thorsten Fink noch mit seiner Mannschaft in der Katapultachterbahn "Blue Fire" im Europapark Rust.

Was als Maßnahme zur Förderung des Teamgeistes gedacht war, endete vier Tage später mit dem Rauswurf des Trainers beim Zweitligisten FC Ingolstadt.

Der Ausflug in die Vergnügungswelt sei angesichts der prekären Lage im Abstiegskampf "jenseits meiner Vorstellung", motzte Aufsichtsrat Andreas Schleef - und der Klub zog Konsequenzen.

Die junge, aber vielversprechende Trainerkarriere des früheren Bayern-Profis Fink erhielt durch den Crash nach der Achterbahnfahrt einen empfindlichen Dämpfer.

Mission Klassenerhalt

Und auch der hochambitionierte FCI muss seine Zukunftspläne nun wohl zumindest überdenken. Zunächst geht es ums nackte Überleben, der Tabellenvorletzte hat bereits drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer.

"Gewinnen wir die restlichen vier Heimspiele und holen dazu ein Unentschieden, haben wir die 40 Punkte, die wir benötigen", sagte Aufsichtsratschef Peter Jackwerth.

Diese Mission erfüllen sollen der bisherige Co-Trainer Heiko Vogel und Michael Wiesinger, zuvor Coach der zweiten Mannschaft in der Bayernliga. Kandidaten für Finks Erbe sollen Klaus Augenthaler, Reinhard Stumpf und Rudi Bommer sein.

"Weichspüler" nichts für Abstiegskampf

Bis in den Abend hinein hatte der Aufsichtsrat am Dienstag über Fink debattiert. Chef Jackwerth, derzeit auf Kreuzfahrt vor Spanien, war telefonisch zugeschaltet - und senkte fernmündlich den Daumen.

Fink wurde die Serie von elf Spielen ohne Sieg zum Verhängnis, aber auch Aktionen wie ein Kochkurs mit der Mannschaft oder der Rust-Trip vor dem 2:3 am Sonntag bei Tabellenführer SC Freiburg.

Vor allem bei Schleef, als früherer Generalbevollmächtigter von Hauptsponsor Audi kein normales Aufsichtsratsmitglied, ist Fink wohl schon lange unten durch.

Dem Coach gehe es nur um den persönlichen Ruhm, kritisierte Schleef, und warf Fink die "Kuschelathmosphäre" im Team vor. Fink sei ein "Weichspüler" und "Schönredner", und somit im Abstiegskampf nicht zu gebrauchen, ätzte der 65-Jährige.

Zweite Liga Pflicht

Ein Scheitern des jungen Fusionsvereins aus MTV und ESV "hätte wohl den endgültigen Niedergang des leidgeprüften Fußballs in der Schanz zur Folge", schrieb die Lokalzeitung Donaukurier besorgt.

Ein Abstieg wäre finanziell "hart, aber machbar", sagte Schleef. Bald soll der Spatenstich für den neuen Audi-Sportpark erfolgen, wenn das Stadion fertig ist, müsse der Klub in der Zweiten Liga spielen.

Langfristig wollte Ingolstadt sogar in die Bundesliga, und mit dem renommierten Autobauer im Rücken schien Träumen erlaubt. Nach dem ersten Spieltag war Finks Elf Tabellenführer, Freiburg und Mainz wurden in der Hinserie geschlagen.

Schlechtestes Rückrundenteam

In der Rückrunde sind die Bayern bis jetzt die schlechteste Mannschaft. Keins der bislang elf Spiele im Jahr 2009 wurde gewonnen und man holte nur sechs Punkte.

Am 17. Spieltag war man immerhin noch Zwölfter - dann stürzte Ingolstadt, das mit Fink erstmals seit 1981 wieder in die Zweite Liga aufstieg, bis auf Platz 17 ab.

Dass der Sinkflug in der Dritten Liga endet, glaubt zumindest Fink nicht. "Mit mir wäre die Mannschaft sicher nicht abgestiegen. Aber sie steigt auch so nicht ab", sagte er.

Zehnte Entlassung der Saison

Die Trennung von Fink ist die 340. Trainerentlassung seit Einführung der eingleisigen Zweiten Liga in der Saison 1981/82.

In dieser Saison waren zuvor Thomas von Heesen (1. FC Nürnberg), Rudi Bommer (MSV Duisburg), Frank Pagelsdorf (Hansa Rostock), Marco Kurz (1860 München), Christian Wück (Rot-Weiß Ahlen), Dieter Eilts (Hansa Rostock), Wolfgang Frank (SV Wehen Wiesbaden) und Holger Fach (FC Augsburg) entlassen worden.

Zurück zur Startseite

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel