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FCA-Coach Jos Luhukay im Gespräch mit Sport1-Redakteur Mathias Frohnapfel © getty

Der neue Trainer des FC Augsburg Jos Luhukay spricht im Sport1.de-Interview über den Abstiegskampf und die Kaderplanung.

Von Mathias Frohnapfel

Augsburg - Ein gutes halbes hatte Jos Luhukay Zeit, um sich mit seinem Lieblingsthema ganz ohne Druck zu beschäftigen:

Der Niederländer war in seiner Heimat unterwegs und schaute Fußballspiele.

Eine Erkundungstour, deren Erkenntnisse der Ex-Trainer von Borussia Mönchengladbach jetzt beim FC Augsburg nutzen will.

Der 45-Jährige will mit dem FCA die Klasse sichern - und das möglichst rasch.

Sein Debüt glückte mit einem Sieg über Osnabrück, danach gab es eine 1:2-Niederlage bei Aufstiegsaspirant Greuther Fürth.

Dennoch: Das Polster auf die Abstiegsplätze erscheint für den Tabellenzwölften komfortabel: Sechs Punkte hat der FC Augsburg aktuell Abstand auf einen Relegationsplatz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am besten soll schon im Derby gegen 1860 München am Freitag (ab 17.45 Uhr LIVE) ein großer Schritt gelingen. Zumal bereits 20.000 Tickets für das Heimspiel gegen die "Löwen" verkauft sind.

Im Sport1.de-Interview spricht Luhukay über den Abstiegskampf und darüber, wie er die Mannschaft jetzt motivieren will. Dazu geht der Nachfolger von Holger Fach auf den bitteren Abschied aus Mönchengladbach ein.

Sport1.de: Herr Luhukay, ursprünglich sollte es für Sie ja erst im Sommer losgehen. Wie sehr haben Sie sich eigentlich vorher schon mit der Mannschaft des FC Augsburg beschäftigt?

Jos Luhukay: Nicht so intensiv. Ich wollte bewusst Abstand halten. Ich war sehr viel unterwegs, auch in Holland, um möglichst viele Fußballspiele und -spieler zu sehen, neue Eindrücke zu sammeln. Jetzt kann ich natürlich meine neuen Spieler viel besser kennen lernen.

Sport1.de: Ihre Sichtungsarbeit konnten Sie ja nicht wie geplant weiterführen. Ist es ein Nachteil, dass Sie schon jetzt anfangen mussten?

Luhukay: Das stimmt schon, mein Arbeitsbeginn in Augsburg war für den 1.7. geplant. Doch durch die gefährliche Tabellensituation kam es eben anders. Der Vorstand hat mich gefragt, ob ich schon früher kommen könnte und ich habe mich der Verantwortung gestellt.

Sport1.de: Der FCA hat in dieser Saison schon alle Höhen und Tiefen erlebt: Er war an den Aufstiegplätzen dran und ganz tief unten im Keller. Woran liegt aus Ihrer Sicht von außen diese Berg- und Talfahrt?

Luhukay: Dazu kann ich von außen kaum etwas sagen. Es kam für alle sehr unerwartet, die Mannschaft stand zur Winterpause auf einem komfortablen Tabellenplatz, hatte eine eindrucksvolle Serie hingelegt. Warum und was nicht gut gelaufen ist, dazu kann und möchte ich mich nicht äußern. Dafür war ich viel zu weit entfernt. Ich schaue nicht zurück. Das habe ich auch der Mannschaft gesagt. Wir müssen nach vorn schauen und die Sache positiv angehen.

Sport1.de: Am Saisonende laufen zehn Verträge aus. Wie geht der Klub mit dem Thema um, das die Spieler ja stark beschäftigt?

Luhukay: Vereinsintern hat man sich so entschieden, dass man die Gespräche aufnimmt, sobald der Klassenerhalt geschafft ist.

Sport1.de: Sie haben auch viele Spieler in den Niederlanden beobachtet. Gibt es womöglich bald einen holländischen Block beim FCA?

Luhukay: Nein, daran ist nicht zu denken. Es ging darum, für mich persönlich neue Eindrücke zu sammeln.

Sport1.de: Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Sie einen Profi aus Holland holen, wenn er Ihnen gefällt und auch finanzierbar ist?

Luhukay: Das ist eine Möglichkeit. Entscheidend ist aber, dass neue Spieler Qualität mitbringen und charakterlich passen. Darauf schauen wir.

Sport1.de: War das neue Stadion, das im Moment am Stadtrand entsteht, ein zusätzlicher Anreiz, um nach Augsburg zu kommen?

Luhukay: Ja, es war ein Aspekt. Denn so ein Stadion ist für die Mannschaft, aber auch die Fans und Sponsoren sehr wichtig. Es ist wichtig, ihnen was zu bieten.

Sport1.de: Birgt das neue Stadion Risiken, da es ja große Erwartungen weckt?

Luhukay: Klar, Erwartungen sind immer vor einer Saison da. Wir dürfen hier aber nicht den Blick für die Realität verlieren. Man hat in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag die Rettung geschafft. Wir müssen erstmal schauen, was in den nächsten sechs Wochen passiert. Dann werden wir sehen, wie wir die Mannschaft zusammenstellen und wie stark wir in die neue Saison gehen können.

Sport1.de: Mit Köln und Gladbach haben Sie bereits den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Ist das mittelfristig auch ein Ziel mit dem FCA?

Luhukay: Wir haben natürlich nichts dagegen. Jetzt müssen wir aber erstmal die Klasse sichern. Dann versuchen wir, strukturell weitere Schritte zu machen. Sicherlich wollen wir uns in den nächsten Jahren von der Abstiegszone fernhalten.

Sport1.de: Sie waren bis zum Herbst noch Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Wie sehr hat es Ihnen damals wehgetan, dass sie gehen mussten?

Luhukay: Es war sehr bitter und hat auch wehgetan, auch weil es so früh in der Saison passierte. Zwei Monate davor wurden wir noch von 100.000 Leuten gefeiert. Wir hatten eine fantastische Saison gespielt, wurden Meister. Dann haben wir leider nicht die Zeit und Geduld bekommen, um uns an die Erste Liga und die stärkeren Gegner zu gewöhnen.

Es ist schade, dass die Faktoren Zeit und Geduld heute nicht gegeben sind und so immer mehr Druck auf dem Trainer lastet. Dennoch bin ich froh, für Gladbach gearbeitet zu haben. Es bleibt ein fantastischer Verein mit einer tollen Fankultur.

Sport1.de: Drücken Sie also der Borussia im Abstiegskampf die Daumen?

Luhukay: Absolut. Ich habe auch noch mit dem einen oder anderen Spieler Kontakt über SMS. Jetzt hält man aber ein bisschen Abstand, denn jeder konzentriert sich bei Borussia - wie auch bei uns hier in Augsburg - auf den Kampf um den Klassenerhalt.

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