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Thomas von Heesen ist seit Februar 2008 Trainer des 1. FC Nürnberg © getty

Nach der Pleite in Kaiserslautern spricht Nürnbergs Coach Klartext. FCK-Keeper Tobias Sippel formuliert ambitionierte Ziele.

Kaiserslautern - Nach dem Schlusspffif gab der "Böse Bube" Thomas von Heesen mehr Gas als seine Profis während des gesamten Spiels.

"Ich bin nicht nur enttäuscht, sondern richtig erbost. In der Kabine war ich der Bad Boy. So eine erste Halbzeit lasse ich mir nicht bieten", erklärte der Trainer des 1. FC Nürnberg im Anschluss an das 1:2 (0:2) beim 1. FC Kaiserslautern.

Er ließ seinem Ärger über die schwache Vorstellung des Aufstiegsfavoriten am zweiten Spieltag der 2. Liga freien Lauf. Die schlechte Laune des Club-Trainers kam nicht von ungefähr.

Wenige Minuten zuvor hatten sich neben von Heesen 34.677 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion verwundert die Augen gerieben.

Masic schaut nicht auf die Tabelle

Denn nicht der Bundesliga-Rekordabsteiger stellte die überlegene Mannschaft.

Es waren die in der vergangenen Saison nur knapp dem Abstieg entgangenen Gastgeber, die das Spiel dominierten, durch den Erfolg gemeinsam mit dem FSV Mainz 05 die Tabellenführung übernahmen.

"Ich habe von Februar bis Mai gegen die Tabelle gekämpft und wollte sie nicht sehen. Das will ich jetzt auch nicht. Die Tabelle hat noch keine Aussagekraft", meinte FCK-Trainer Milan Sasic und bremste die bei den Anhängern bereits aufkommende Euphorie.

"Erste Hälfte war das Optimum"

Dennoch kam der Kroate nich umhin, seinen Profis, die sich nach den Toren von Florian Dick (22.) und Erik Jendrisek (36.) auch nicht durch den Anschlusstreffer von Isaac Boakye (47.) aus der Ruhe bringen ließen, ein großes Lob auszusprechen: "Die erste Hälfte war das Optimum."

Sasic wird allerdings alle Hände voll zu tun haben, um seine Schützlinge auf dem Teppich zu halten.

Denn während der Coach nach außen Bescheidenheit predigt, haben die Spieler intern ganz offensichtlich andere Ziele vereinbart.

"Wir müssen am Ende da oben in der Tabelle stehen, dann sind die Leute zufrieden", verriet Torwart Tobias Sippel die Ambitionen des viermaligen deutschen Meisters.

Von Heesen fordert neuen Spieler

Zurück in die Bundesliga wollen auch die Franken. Doch von Heesen, der bei den eigenen Fans keinen Bonus genießt und auch intern durchaus kritisch gesehen wird, ist vom Potenzial seiner Truppe nicht überzeugt und fordert von Sportdirektor Martin Bader einen Ersatz für den verletzten Abwehrchef Andreas Wolf (Kreuzbandriss).

"Es muss etwas passieren. Ich brauche auf der Position einen Spieler, auf den ich mich verlassen kann. Eine interne Lösung ist nicht erkennbar. Ich muss noch mal mit Martin sprechen - auch wenn ich mich damit zum Bad Boy mache", betonte der Coach.

Kritik an Verteidigern

Doch auch mit der Verpflichtung eines Innenverteidigers wären für von Heesen, der neben Wolf-Vertreter Jacques Abardonado auch den in der 39. Minute ausgewechselten Außenverteidiger Mario Breska namentlich kritisierte, nicht alle Schwachpunkte beseitigt.

"Einige müssen sich schwer strecken, sonst reicht es für sie nicht", sagte der Trainer: "Wir müssen unsere Defizite schleunigst abbauen, um dem gerecht zu werden, was alle erwarten - und das ist nach wie vor der Aufstieg."

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