Vereinspräsident Dieter Schneider vom 1860 München ist im Machtkampf mit Investor Hasan Ismaik auf Konfrontationskurs gegangen.

Auf der ersten Delegiertenversammlung seit dem Einstieg des Jordaniers bei den "Löwen" warf der Präsident dem Geldgeber vor, sich nicht an die Absprachen des Kooperationsvertrages zu halten und nach mehr Macht zu streben.

"Der Vertrag war sicher dadurch geprägt, dass beide Seiten nicht ihre Idealvorstellungen durchbringen konnten und Kompromisse machen mussten. Aber wenn ich einmal einen derartigen Vertrag abgeschlossen habe, dann muss ich dazu stehen", sagte Schneider im Rahmen seines Präsidentenberichts:

"Nach den Vorstellungen unseres Investors sollen unsere Rechte, die uns per Vertrag und Satzung zustehen, teilweise außer Kraft gesetzt werden."

Der Vereinspräsident erklärte, dass er nicht einfach nur die Wünsche Ismaiks abnicken werde. Er habe eine "hohe Fürsorgepflicht" und laut Vertrag "Mitsprache- und Kontrollrechte", so Schneider. Wenn er seinen Aufgaben und Pflichten nicht nachkomme, mache er sich sogar "schadensersatzpflichtig".

Konkret geht es in der Auseinandersetzung um die Finanzierung möglicher Spielerverpflichtungen im Winter. Ismaik ist offenbar nicht bereit, dem deutschen Meister von 1966 Geschenke zu machen, sondern will Transfers nur indirekt mittels Kreditverträgen finanzieren.

Ein solches Modell lehnte Schneider ab: "Da wären wir in kürzester Zeit stärker verschuldet als je zuvor." Stattdessen müssten Investitionen in neue Spieler, da sie den Wert des Anteils erhöhen, "an Erfolg oder Misserfolg dieser Investition gekoppelt werden."

Neben Ismaik, der seit Mai 2011 49 Prozent der Anteile an der KGaA des Vereins hält, musste sich auch Geschäftsführer Robert Schäfer deutliche Kritik des Präsidenten anhören. Die Geschäftsführung habe ihn "vom Informationsfluss abgeschnitten", Informationen seien ihm erst nach "sehr genauem Nachfragen gegeben worden", sagte Schneider:

"Von einem Eingreifen ins Tagesgeschäft, aber auch von einer irgendwie gearteten Kontrollmöglichkeit kann seitdem nicht die Rede sein."

Ismaiks Münchener Statthalter Hamada Iraki, der wie Schäfer mit gehöriger Verspätung zur Versammlung erschienen war, hatte Schneider zuvor in einer Rundmail unverblümt zum Rücktritt aufgefordert. "Der Verein braucht frisches Blut", schrieb Iraki in der E-Mail, die der Abendzeitung "aus Vereinskreisen" zugetragen worden war.

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