München - Das Führungschaos bei 1860 München nimmt kein Ende:

Interimspräsident Hep Monatzeder ist auf der außerordentlichen Delegiertenversammlung nicht im Amt bestätigt worden.

130 Delegierte votierten gegen den Grünen-Politiker und Münchens dritten Bürgermeister, der nur 66 Ja-Stimmen bekam.

Das dreiköpfige Präsidium bleibt jedoch im Amt, bis ein neues bestellt ist. Als Favorit auf das Präsidentenamt gilt nun Erich Meidert, ehemaliger Vize-Präsident der "Löwen".

Bemerkenswert: Monatzeder war erst Mitte März als Nachfolge für den zurückgetretenen Dieter Schneider installiert worden, hielt sich damit nur 25 Tage im Amt.

Das Aus des 61-Jährigen kommt zugleich einem Erfolg für Hasan Ismaik gleich, der Monatzeder ablehnte und Meidert auf dem Präsidentenstuhl sehen will

Der Investor aus Jordanien ließ bei der Versammlung einen Brief unter den Delegierten verteilen und verlesen.

Darin erhebt Ismaik schwere Vorwürfe gegen die Vereinsführung: Ismaik sieht sich als Opfer einer "perfekten Verschwörung", mit der der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Otto Steiner den nun wieder abgesägten Monatzeder ins Amt hieven wollte.

Er sei überdies "tief besorgt, was seine persönlichen und die Ziele von 1860" angeht, den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Bei den "Löwen" seien "Spiele gespielt" worden, "seit das erste Geld in den Verein kam". Ismaik sprach zudem von einer Komödie.

Wie ein weiterer konstruktiver Umgang miteinander aussehen soll, bleibt demnach höchst fraglich:

Ismaik hat im Machtkampf bei 1860 drei Darlehensverträge in Millionenhöhe gekündigt, weil der Klub unter Monatzeder gegen seinen Willen an Geschäftsführer Robert Schäfer festhält und die Verträge mit Sportdirektor Florian Hinterberger und Trainer Alexander Schmidt verlängerte.

Ismaik beklagt seit längerem, von der Vereinsführung ignoriert zu werden, kündigte zugleich weiteren Gegenwind an: "Ich bin nicht bereit, wegzutreten und nur zuzuschauen."

Für weiteren Wirbel gesorgt hatte der teilweise Ausschluss der Medien von der Versammlung.

"Ich bin sprachlos. Ich dachte, hier sollte es um mehr Demokratie gehen. Das überrascht mich völlig", kommentierte Erich Meidert, ehemaliger Vize-Präsident der "Löwen" und Ismaiks Favorit auf das Präsidenten-Amt, das Vorgehen.

Beschlossen wurde zudem eine neue Satzung: Die Delegierten stimmen dabei für eine Rückkehr zum Mitgliedersystem und schafften sich damit de facto selbst ab.

Die neue Satzung wurde mit 180 Ja-Stimmen bei 17-Nein-Stimmen und zwölf Enthaltungen mit großer Mehrheit beschlossen.

Damit wird es zukünftig wieder Mitgliederversammlungen wie zuletzt 1974 geben.

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