Stuttgart verschenkt Auftaktsieg
Aus Stuttgart berichtet Matthias Becker
Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat den perfekten Start in die neue Champions-League-Saison leichtfertig verschenkt.
Gegen die Glasgow Rangers musste sich die Schwaben vor heimischem Publikum mit einem 1:1 begnügen und konnten nach ihrem schwachen Liga-Start nicht den erhofften Befreiungsschlag landen.
Neuzugang Pavel Pogrbnyak hatte den VfB in einer starken ersten Hälfte in Führung gebracht (18.).
Nach einer schwachen Vorstellung in der zweiten Hälfte mussten die Gastgeber in der 77.Minute aber noch den Ausgleich durch Madjid Bougherra hinnehmen.(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
"Nur noch reagiert"
"Wir hatten alles kontrolliert", stellte Thomas Hitzlsperger am Ende frustriert fest: "Aber dann haben wir nur noch reagiert und nicht mehr agiert."
Ein Satz, den auch Trainer Markus Babbel fast wortgleich zu Protokoll gab.
"In der zweiten Halbzeit haben wir das Heft aus der Hand gegeben und sind permanent hinterhergelaufen", so die Analyse des Coachs.
Hleb rechtzeitig fit
Dabei hatte der Abend mit einer guten Nachricht für den VfB begonnen:
Teamchef Markus Babbel konnte den bis zuletzt fraglichen Spielgestalter Alexander Hleb aufbieten.
Arthur Boka ersetzte links in der Viererkette den verletzten Ludovic Magnin. Zudem rückte Cacau für Timo Gebhart in die Startelf, wodurch der VfB wieder mit zwei echten Spitzen agierte.
Cacau mit der ersten Chance
Und in dieser Aufstellung legten die Gastgeber vier Tage nach der 1:3-Pleite beim Hamburger SV vor 39.000 Zuschauern in der Baustelle Mercedes-Benz-Arena los wie die Feuerwehr.
Cacau hatte schon nach 50 Sekunden auf Zuspiel von Roberto Hilbert die erste große Chance, scheiterte aus 13 Metern aber an Rangers-Keeper Allan McGregor. Hitzlspergers Nachschuss flog weit über das Tor.
Hleb (5.) aus zu spitzem Winkel und wieder Cacau (10.) mit einem Fernschuss boten sich weitere gute Gelegenheiten.
Papac ermöglicht VfB-Führung
Der 52-malige schottische Meister konnte sich aus der Umklammerung der Stuttgarter nicht befreien.
Nach einem katastrophalen Abwehrfehler von Rangers-Verteidiger Sasa Papac schnappte sich Cacau den Ball und marschierte alleine aufs schottische Tor zu.
Im Strafraum legte er die Kugel mustergültig zurück auf Pogrebnyak zurück, und der Neuzugang von Zenit St. Petersburg vollendete aus elf Metern mit einem trockenen Flachschuss zur VfB-Führung.
Rangers zu bieder
Als Weckruf wirkte das Gegentor für den bieder agierenden Tabellenführer der schottischen Premiere League aber nicht.
Der VfB hatte, angetrieben vom aufmerksamen Mittelfeld-Duo Sami Khedira/Thomas Hitzlsperger und vom quirligen Cacau, keine Probleme, den UEFA-Cup-Finalisten von 2008 unter Kontrolle zu behalten.
Cacau bot sich nach Zuspiel von Hleb noch vor der Pause (38.) die Chance, die Führung zu erhöhen.
Die Defensive bekam kaum etwas zu tun. Die stimmgewaltigen Rangers-Fans, die sich tagsüber noch in der Stuttgarter Innenstadt warm gesungen hatten, verstummten sehr bald.
2007 vergessen machen
Anders der VfB-Anhang, denn der sah, wie sich sein Team an der Vorgabe von Kapitän Hitzlsperger orientierte. "Diesmal wollen wir uns für das Achtelfinale qualifizieren", hatte der angekündigt.
Der bislang letzte Auftritt auf der großen europäischen Bühne sollte vergessen gemacht werden. In der Saison 2007/08 hatte der VfB als Deutscher Meister nach fünf Niederlagen und einem 3:2-Sieg gegen die Rangers nur drei Punkte einfahren können.
Chance durch Rothen
Dieser Ausbeute näherten sich die Stuttgarter auch in der zweiten Hälfte zunächst souverän.
Zwar legten die Rangers nach der Pausen-Ansprache von Trainer-Legende Walter Smith zu Beginn der zweiten 45 Minuten zumindest etwas mehr Aggressivität an den Tag und hatten durch eine verunglückte Flanke von Jerome Rothen (65.) ihre erste Chance.
Spielerisch kam von den Gästen aber vorerst weiterhin wenig.
Bougherra gleicht aus
Allerdings konnte der VfB Tempo der ersten Hälfte nicht weitergehen. In der 67. Minute musste Babbel den entkräfteten Hleb durch Gebhart ersetzen, die Gastgeber zogen sich in der Folge immer weiter zurück.
Die logische Konsequenz: Die Rangers entdeckten die Lust am Offensivspiel und glichen aus.
Bougherra wurde auf der rechten Angriffsseite von Boka nicht entschlossen genug am Doppelpass mit Rothen gehindert und schloss den ersten gelungenen Spielzug der Gäste mit einem Schuss ins kurze Eck ab (77.)
Und um ein Haar wäre es für die Stuttgarter sogar noch schlimmer gekommen. Steven Davis kam eine Minute vor Schluss aus 20 Metern frei zum Abschluss, der Pfosten rettete aber für den geschlagenen Jens Lehmann.
So konnte sich der VfB am Ende zumindest über einen Punkt freuen (DATENCENTER: Die Gruppe G). Gut möglich, dass die vergebenen zwei Punkte in dieser internationalen Spielzeit noch weh tun werden.
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