Veh: "Für Besiktas ist das die letzte Chance"
Von Mathias Frohnapfel
Wolfsburg - Trainer Armin Veh ist beim VfL Wolfsburg ein schweres Erbe angetreten. Nach der überragenden Meistersaison sind die Erwartungen an den Nachfolger von Felix Magath hoch.
Der Saisonstart in der Liga verlief holprig. Dennoch stehen die Niedersachsen nach dem 9. Bundesliga-Spieltag auf Platz fünf und haben Anschluss zu den vorderen Plätzen.
Auch in der Champions League hat der VfL trotz der knappen Niederlage bei Manchester United bisher einen guten Eindruck hinterlassen. (DATENCENTER: Gruppe B)
Im Sport1.de-Interview spricht Veh über seine schwierieg Aufgabe, seine Ziele in Meisterschaft und Champions League, die Sorgenkinder in Abwehr und Angriff sowie das wegweisende Gruppenspiel gegen Besiktas Istanbul (ab 20.15 Uhr LIVE).
Sport1.de: Herr Veh, was macht die Arbeit besonders, wenn man eine Meistermannschaft übernimmt?
Armin Veh: Im Jahr danach ist es immer relativ schwer, das zeigt nicht nur das Beispiel Wolfsburg, sondern auch das anderer Klubs, die relativ überraschend Meister geworden sind. Das ist die Herausforderung, dass wir trotzdem eine richtig gute Rolle spielen. Das ist meine Herausforderung. Und das wollte ich auch so.
Sport1.de: Worauf müssen Sie achten, damit Ihre Mission gelingt?
Veh: Das sind viele Kleinigkeiten. Die wesentlichen Faktoren sind sehr stark im mentalen Bereich zu suchen. Wenn man es auf einen einfachen Punkt bringen will: Vorher hattest du etwas zu gewinnen, jetzt hast du etwas zu verteidigen und zu verlieren.
Sport1.de: Entsteht also eine Angst vor dem Misserfolg?
Veh: Nein. Aber bis auf Bayern München haben es bisher nur ganz wenige Klubs geschafft haben, langfristig oben zu bleiben. Es ist unser Ziel, in der Liga unter die ersten Fünf zu kommen. Das wird schwer genug.
Sport1.de: Zur Champions League: Welche Bedeutung hat die Partie gegen Besiktas?
Veh: Das ist ein ganz wichtiges Spiel - sowohl für uns als auch für Besiktas. Für Istanbul ist das ja mehr oder weniger die letzte Chance. Nach zwei Niederlagen muss Besiktas bei uns was holen, wenn die Mannschaft in der Gruppe weiterkommen will. Sonst wird es für sie schwer.
Sport1.de: Wie schätzen Sie Lage in Ihrer Gruppe ein?
Veh: Manchester United ist der Favorit, die anderen drei Mannschaften sind recht ausgeglichen und kämpfen um den zweiten Platz.
Sport1.de: Was würde es Ihnen persönlich bedeuten, ins Achtelfinale einzuziehen?
Veh: Das würde ich mir sehr wünschen, und es wäre für uns auch ein schöner Erfolg. Den Anspruch haben wir, unsere Fußballnation gut zu vertreten. (Tippen Sie die Spiele im Sport1.de-Champions-League-Rechner!)
Sport1.de: Werden Sie aus diesem Grunde in den nächsten Wochen verstärkt rotieren?
CL: Wer schneidet am besten ab?
Veh: Das möchte ich nicht ausschließen. Aber wir werden das auch nicht aus Aktionismus tun. Wir haben es jetzt auch nicht getan, haben fast immer mit der gleichen Mannschaft gespielt. Ich muss da situativ reagieren.
Sport1.de: Sie haben zuletzt den bisherigen Abwehrchef Andrea Barzagli auf die Bank gesetzt. Warum?
Veh: Ich habe vier Innenverteidiger und alle vier können spielen. Jeder Spieler bietet mir im Training etwas an. Andrea Barzagli hat die Leistung nicht gezeigt, dich ich mir vorgestellt habe. Jetzt ist er sehr engagiert im Training, das verlange ich auch - von allen Spielern.
Sport1.de: Für eine zügige Rückkehr in die Startelf reicht das also nicht?
Veh: Fußball ist sehr schnelllebig, ein Wochengeschäft. Ricardo Costa hat am Anfang gar nicht gespielt, dann sehr gut trainiert und die Spiele, die er gemacht hat, waren sehr ordentlich. Und wenn einer ordentlich spielt, habe ich keinen Grund, ihn rauszunehmen. Allerdings beobachten wir den Markt, gerade auf dieser Position.
Sport1.de: Im ersten Champions-League-Spiel gegen Moskau hat Grafite dreimal getroffen. Danach kam nicht mehr viel. Warum tut er sich aktuell so schwer?
Veh: Die meisten Torschützenkönige konnten ihre Marke im zweiten Jahr nicht wiederholen. Als Stürmer ist es auch der schwierigste Job überhaupt, du brauchst Selbstvertrauen und die Tore dazu. Dann machst du dir Druck, weil du im Vorjahr erfolgreich warst. Da muss er lockerer bleiben.
Sport1.de: Edin Dzeko hingegen hat seine Top-Form gehalten und wird mit Juventus in Verbindung gebracht. Werden Sie ihn halten können?
Veh: Es wurde ja schon in der Vorsaison spekuliert, Dzeko würde gehen und er ist immer noch da. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass Dzeko eine Ausstiegsklausel für 2010 hat.
Sport1.de: Gibt es eine Schmerzgrenze?
Veh: Nein, denn es ist alles klar geregelt. Die Ausstiegsklausel ist an eine gewisse Summe gekoppelt, sonst macht das ja auch keinen Sinn.
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