Müller: "Habe dem Verein geschadet"
Aus Bordeaux berichtet Daniel Rathjen
Bordeaux - Ein Lächeln war nicht zu sehen beim Gang durch die Mixed Zone des Stade Chaban Delmas.
In den letzten Wochen strahlte Thomas Müller ansonsten über beide Ohren, wenn er aus der Kabine kam. Der 20-Jährige wurde in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit zum Stammspieler, Torjäger, Publikumsliebling.
Bundestrainer Joachim Löw stellte ihm sogar eine Nominierung für die Nationalmannschaft in Aussicht. Beim 1:2 (1:2) am schwarzen Abend in Bordeaux wurde Müllers Höhenflug gestoppt.
Der FC Bayern kassierte gegen Girondins eine bittere Pleite und muss nun um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League bangen. (DATENCENTER: Gruppe A)
Es war die erste Niederlage für das Team von Trainer Louis van Gaal im laufenden Wettbewerb.
Der Spielverlauf war kurios wie selten. Nachdem Michael Ciani per Eigentor die Führung für die Gäste von der Isar markierte (6.), schoss der Girondins-Verteidiger 21 Minuten später mit einem Hackentor den Ausgleich.
Partie kippt mit dem Ausgleich
Dann kippte das Spiel. Marc Planus erzielte die Führung für den plötzlich stark aufspielenden Gastgeber (40.).
Torhüter Jörg Butt parierte einen von ihm selbst verschuldeten Foulelfmeter gegen Yoann Gourcuff (66.).
Doch damit nicht genug: In der 87. Minute sah Daniel van Buyten die Rote Karte wegen einer Notbremse im Strafraum. Und Butt parierte auch diesmal den Strafstoß, der von Jussie geschossen wurde.
Nur noch Gruppendritter
Nach dem 3:0 bei Maccabi Haifa und dem 0:0 gegen Juventus Turin belegt der FC Bayern mit vier Punkten nur noch Platz drei in der Vorrundengruppe A hinter Bordeaux (7 Punkte) und Juventus Turin (5 Punkte).
Und ausgerechnet der in den letzten Spielen überragende Müller leitete mit seiner unnötigen Gelb-Roten Karte den Albtraum der kuriosen Begegnung ein. (Die Stimmen zum Spiel)
Er saß auf dem Boden, streckte die Hände in den Himmel und wollte es nicht fassen, als er in der 30. Minute seinen Gegenspieler Matthiau Chalme gelegt hatte. Im Interview spricht der Youngster offen über seinen Fehler, der den FC Bayern noch teuer zu stehen kommen könnte.
Frage: Herr Müller, Sie sind normalerweise ein besonnener Spieler. Warum sind Ihnen die Nerven durchgebrannt?
Thomas Müller: Ich habe der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Es tut mir sehr Leid für die Mannschaft, dass sie zu zehnt auskommen musste. Es war ein bitterer Abend.
Frage: Wie konnte es soweit kommen?
Müller: Ich bin selbst etwas verblüfft. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich mal eine Gelb-Rote Karte bekomme. Normalerweise tue ich mich schon schwer, eine Gelbe Karte zu bekommen. Es war schon alles scheiße.
Frage: Waren Sie nach dem Hype, der um Sie in den letzten Wochen geherrscht hat, vielleicht übermotiviert?
Müller: Nein. Es war kein Blackout. Ich war nicht übermotiviert. Für mich ist jedes Spiel gleich. Ich versuche immer meine Leistung zu bringen, egal, was rundherum passiert.
Frage: Warum gehen Sie denn dann so in den Zweikampf. Vorbelastet und in der gegnerischen Hälfte?
Müller: Beim zweiten Foul versuche ich einfach, den Ball zu erwischen. Ich wollte einfach nur den Zweikampf gewinnen. In der Situation wäre es aber sicherlich schlauer gewesen zurückzuziehen.
Frage: Gab es Vorwürfe von den Kollegen?
Müller: Nein, so etwas gab es nicht. Ich habe mich bei allen entschuldigt, weil ich mit meinem Verhalten der Mannschaft und dem Verein geschadet habe.
Frage: Insgesamt lief es nicht rund beim FC Bayern. Warum?
Müller: Uns ist sehr wenig gelungen und wir haben viele Fehler gemacht. Dabei hatten wir nach dem Geschenk zum 1:0 eigentlich eine hervorragende Ausgangsposition. Aber letztlich haben wir es selbst verschenkt.
Frage: Bordeaux war also nicht besser?
Müller: Nein, das glaube ich nicht. Wir hatten einfach zu viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Girondins war nicht besonders stark, aber wir erschreckend schwach.
Frage: Wie gehen Sie mit der für Sie neuen Situation jetzt um?
Müller: Ich muss ja auch noch lernen. Jetzt müssen wir in Frankfurt alles geben und drei Punkte holen.
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