Berthold: "VfB braucht Eier in der Hose"
Von Felix Götz und Andreas Messmer
München - Das erste Spiel unter dem neuen Trainer Christian Gross ist direkt eines der Wichtigsten der ganzen Saison für den VfB Stuttgart.
Die Aufgabe scheint gar nicht so schwer zu sein: Um zum zweiten Mal nach 2004 ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen, müssen die Schwaben gegen Unirea Urziceni (ab 20.15 Uhr LIVE) "nur" gewinnen. (DATENCENTER: Gruppe G)
Thomas Berthold, der 191 Pflichtspiele für den VfB absolviert hat, weiß, wie es funktioniert.
"Die Spieler müssen rausgehen, sich den Hintern aufreißen und zeigen, dass sie Eier in der Hose haben", sagte der Weltmeister von 1990 gegenüber Sport1.de.
Und weiter: "Gegen Urziceni wird es ein Geduldsspiel, der VfB darf nicht ins offene Messer laufen."
Schluss mit den Ausreden
Nach der Entlassung von Markus Babbel gibt es keine Ausreden mehr, nun rücken die Spieler wieder in die Verantwortung.
In drei Tagen kann der neue Trainer ohnehin nicht allzu viel bewirken, glaubt auch Berthold.
"Gross muss den Druck rausnehmen, damit die Spieler befreit und selbstbewusst auflaufen. Sie dürfen keine Angst haben", weiß der frühere Verteidiger.
"Überzeugung und Willenskraft"
Angesichts der katastrophalen Bilanz in der Bundesliga dürfte dieses Vorhaben gar nicht so einfach werden.
"Überzeugung, Willenskraft und Spielfreude", fordert Gross deshalb von seinen Schützlingen.
Der Schweizer hofft, dass ein Weiterkommen "auch einen Schub für die Bundesliga geben würde".
VfB mit Personalproblemen
Allerdings plagen die Stuttgarter ausgerechnet jetzt Personalprobleme. Thomas Hitzlsperger (Muskelfaserriss) fällt definitiv aus.
Beim zuletzt stark aufspielenden Zdravko Kuzmanovic und bei Sami Khedira stehen die Chancen auf einen Einsatz bei 50 Prozent.
Zudem sind auch noch Cacau und Artur Boka angeschlagen, die aber aller Voraussicht nach beide auflaufen können.
Die Rumänen reisen dagegen mit breiter Brust an den Neckar. Am Wochenende siegte Urziceni in der Liga 3:2 bei Aufsteiger Ceahlaul Piatra Neamt und bleibt punktgleich mit Spitzenreiter Cluj auf Rang drei.
VfB-Probleme "hausgemacht"
Während sich der VfB auf die "Mission Achtelfinale" konzentriert, wird im Umfeld des Klubs noch immer heftig darüber gestritten, ob es denn überhaupt richtig war, Babbel zu entlassen.
"Von solchen Entschlüssen mitten in der Saison halte ich grundsätzlich nichts", sagt Berthold, für den die Probleme beim VfB "zum Teil hausgemacht" sind.
"Nach dem Weggang von Mario Gomez hat man keinen Torjäger verpflichtet, in der Mannschaft mangelt es an einer Hierarchie", glaubt der 45-Jährige, der 1997 mit dem VfB den DFB-Pokal holte.
Rettet Gross den VfB?
Nichtsdestotrotz traut Berthold dem neuen Coach zu, mit dem VfB einen erfolgreichen Weg einzuschlagen.
"Ich kenne ihn. In Basel war er lange Jahre lang erfolgreich. Man muss jetzt sehen, ob er beim VfB Ähnliches umsetzen kann wie in Basel."
Denn auch der 62-malige Nationalspieler weiß, dass Gross außerhalb der Schweiz noch keine großen Erfolge vorzuweisen hat: "Sein kurzer Abstecher nach England zu Tottenham ging in die Hose."
Sieg als erster Schritt
Nun gilt es in Stuttgart zu beweisen, dass er auch im Ausland erfolgreiche Arbeit abliefern kann.
Das Erreichen der Runde der letzten 16 in der Champions League wäre dazu ein erster Schritt.
Sport1.de zeigt die voraussichtlichen Aufstellungen:
Stuttgart: Lehmann - Osorio, Tasci, Delpierre, Magnin - Träsch - Rudy, Elson (Gebhardt) - Hleb - Pogrebnjak, Cacau
Urziceni: Arlauskis - Galamaz, Mehmedovic, Bruno Fernandes - Bordeanu, Apostol, Ricardo Gomes, Brandan - Frunza, Bilasco, Varga
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
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