"Niemand ist besser als ich"
Von Michael Schulz
München - Jose Mourinho pflegt den Ruf eines divenhaften Trainers.
"Ich bin nicht der beste Trainer der Welt, aber niemand ist weltweit besser als ich", tönte er 45-Jährige im Vorfeld der Partie in der Champions League gegen Werder Bremen (ab 20.15 Uhr LIVE).
Dabei hat der Portugiese gerade mit seinem neuen Verein Inter das Mailänder Derby beim AC Milan mit 0.1 verloren. Seine Reaktion: "Oft gewinnt die Mannschaft das Derby, die gerade in der Krise steckt."
Werder unter Zugzwang
Daher wagte er viel lieber den Blick nach vorne in die Königsklasse: "Dies wird das schwerste Gruppenspiel für uns."
Jedoch sieht er die Bremer nach deren 0:0 bei Anorthosis Famagusta unter Zugzwang: "Für Werder ist das Spiel wichtiger, während es für uns nicht so entscheidend ist."
Lob für Bremen
Respekt hat Mourinho vor dem Team von Trainer Thomas Schaaf aber und lobt die Mannschaft für den "großen Offensivdrang und Torhunger".
Der Portugiese schränkte aber ein: "Die Champions League ist nicht die Bundesliga, in der man viel offensiver spielen könne, ohne dafür kritisiert zu werden."
In seinem eigenen Team werden "80 Prozent der Spieler auflaufen, die im Derby gespielt haben".
100 Heimspiele ohne Niederlage
Im Giuseppe-Meazza-Stadion verteidigt Mourinho eine beeindruckende Bilanz. Seit 2002 hat er mit seinen jeweiligen Klubs FC Porto, FC Chelsea und Inter 100 Heimspiele in Folge nicht mehr verloren.
Dazu gehört auch das Spiel mit Chelsea in der Königsklasse im September 2006 gegen Bremen (2:0), aber nicht das 4:2 im Viertelfinale im April 2005 an der Stamford Bridge gegen Bayern München. Dort war Mourinho wegen Schiedsrichter-Kritik mit einer Platzsperre belegt worden.
Dem Star-Trainer, der mit Porto den UEFA-Pokal (2003) sowie die Champions League und den Weltpokal (2004) gewann, geht es gegen den Bundesligisten aber nicht nur um seine Serie.
Mourinho scheut keinen Streit
Schließlich kann Inter mit einem Sieg nach dem 2:0 bei Panathinaikos Athen (2:0) den zweiten Dreier folgen lassen.
"Je früher man sich in der Gruppenphase in ruhigen Gewässern befindet, desto mehr Energien kann man sparen", erklärte er.
Weniger ökonomisch geht der zweimalige Welt-Klubtrainer in punkto Konflikte um. Er scheut keinen Streit, sei es mit Journalisten, Funktionären oder Fans.
"The special one"
In England bekam er den Spitznamen "The special one", weil er beim seinem Amtsantritt im Sommer 2004 beim FC Chelsea mit den Worten präsentierte: "Bitte nennen Sie mich nicht arrogant, doch ich bin Sieger der Champions League und ich denke, ich bin ein Besonderer."
Aber Mourinho ließ den arrogant wirkenden Worten Taten, sprich Titel folgen. Zweimal (2005 und 2006) wurde er auf der Insel Meister beziehungsweise Pokalsieger (2005 und 2007).
Zudem erreichte er mit dem Klub des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch zweimal das Halbfinale (2005 und 2006). Nach Zerwürfnissen mit dem Vereinseigner musste der Portugiese im September 2007 gehen.
"In die Fresse hauen"
Nun ist er Trainer bei Inter, gewann schon den Supercup gegen AS Rom, und wird in Italien schon als "großer Provokateur" bezeichnet. Den Geschäftsführer von Catania, Pietro Lo Monaco, reizte er nach einem 2:1-Sieg derart, dass dieser forderte: "Mourinho muss man einfach nur in die Fresse hauen."
Und vor dem Spiel bei Milan reagierte das Enfant terrible der Trainergilde auf seine Weise auf die Kritik, dass er sich bislang weigert, Journalisten Rede und Antwort zu stehen.
"Ich dachte, dass die Italiener den Fußball wirklich lieben. Dabei sind sie mehr in TV-Shows und in Profis verliebt, die sich wenig um die Qualität des Fußballs kümmern", sagte Mourinho und ergänzte: "Alle denken an Fußball als Show und nicht an den Sport, der der schönste der Welt ist."
14 Millionen Euro Jahresgehalt
Außerhalb Italiens, so der 45-Jährige, spiele die Serie A keine Rolle und könne nicht mit der englischen Premier League verglichen werden.
Dennoch erklärte Mourinho: "Das ist eure Welt und ich habe sie akzeptiert. Ich liebe meine Arbeit hier." Immerhin wird ihm diese Tätigkeit, wie er vor dem Bremen-Spiel zugab, mit einem Jahresgehalt inklusive Sponsoreneinahmen von 14 Millionen Euro versüßt.
Und daher sieht er auch keinen Grund, von seiner provokanten Linie abzuweichen: "Ich bin so. Ich war immer so und ich werde mich nicht mehr ändern."
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