Nach Nervenkrimi: Bayern steht im Viertelfinale
Aus Florenz berichtet Mathias Frohnapfel
Florenz - Der FC Bayern darf nach einem ebenso turbulenten wie nervenaufreibenden Spiel weiter von großen Zielen in Europa träumen.
Die Münchner erreichten dank eines 2:3 in Florenz das Viertelfinale der Champions League.
Damit verteidigten die Bayern ihren 2:1-Erfolg aus dem Hinspiel mit Geschick und auch einer Portion Glück.
Für Bayern trafen Mark van Bommel und Arjen Robben, während für Florenz Juan Vargas und Stevan Jovetic als Doppeltorschütze erfolgreich waren (die Bilder).
"Immer ein gutes Gefühl gehabt"
"Ich habe immer ein gutes Gefühl gehabt. Ich habe den Spielern in der Halbzeit gesagt, dass sie ruhig bleiben und Geduld haben müssen", sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal.
"Wir haben unter den Umständen auch ganz gut gespielt. Aber wir haben zuviele individuelle Fehler gemacht. Heute haben wir auch gesehen, was fehlte. Das müssen wir verbessern", meinte der Niederländer: "Wir sind im Viertelfinale, das ist wichtig." (Die Stimmen zum Spiel)
Jungspund Alaba beginnt
Van Gaal wagte bei der Aufstellung einen mutigen Griff und schickte David Alaba als Debütanten auf der linken Abwehrseite ins Rennen.
Die Umstellung in der Viererkette war nach den Verletzungen von Martin Demichelis und Diego Contento notwendig geworden.
Und zur Freude der Bayern-Anhänger meldeten sich auch die zuvor angeschlagenen Robben und Franck Ribery rechtzeitig wieder fit.
Bayerns Start missglückt
Doch in der ersten Hälfte gelang Ribery nur wenig, Robben war deutlich effektiver.
Allerdings hatten die Münchner wie im Hinspiel enorme Probleme mit dem dicht gestaffelten Florentiner Defensiverbund, der Bayerns Flügelspieler nach Möglichkeit zu zweit oder gar zu dritt attackierte.
In der Bayern-Abwehr machte Youngster Alaba seine Sache gut und war scheinbar wenig nervös. Seine Mitspieler leisteten sich dagegen immer wieder wie Daniel van Buyten (25.) oder Thomas Müller (20.) unnötige Ballverluste und Fehlpässe.
Mario Gomez hatte doppelt Pech: Erst wurde seine Hereingabe von der Strafraumkante geblockt (26.), später verletzte er sich und musste raus mit Verdacht auf Muskelfaserriss in der Wade (30.). Für ihn kam Miroslav Klose.
Butt mit schwacher Abwehr - Vargas eiskalt
Zu diesem Zeitpunkt lag Florenz bereits in Führung. Ein verunglückter Kopfball von Holger Badstuber landete bei Riccardo Montolivo, der aus 30 Metern brachial aufs Tor zimmerte, so dass Jörg Butt nur abklatschen konnte.
Juan Vargas stand nach Butts missratener Parade goldrichtig, van Buyten kam zu spät und der Angreifer verwertete eiskalt aus kurzer Distanz.
Die Bayern reagierten nun aufgeschreckt auf das drohende Ausscheiden und hatten prompt eine Riesenchance:
Ein Diagonalpass schlüpfte durch die ganze Toskaner Abwehr und landete bei Robben. Der zog aus acht Metern sofort ab, doch Sebastien Frey rettete mit einer wahren Glanztat (34.).
Reichlich Platz für Florenz
Die Münchner machten jetzt das Spiel, wurden aber bis zur Pause zu selten gefährlich.
Im zweiten Abschnitt mussten die Bayen nun ihr Spiel noch weiter öffnen. Daraus ergaben sich zwangsläufig Platz und Kontermöglichkeiten für Florenz.
Vargas setzte einen Warnschuss (48.), dann verpatzte Gilardino völlig freistehend aus fünf Metern das 2:0.
Dabei hatte Montolivo den italienischen Nationalstürmer von der Grundlinie mustergültig bedient. Butt konnte sich hier auszeichnen.
Doch kurz darauf musste der Bayern-Keeper frustriert den Ball aus dem Netz holen.
Jovetic hatte nach schönem Hakentrick von Gilardino zugeschlagen (54.).
Der Hexenkessel im mit 43.000 frenetischen Tifosi restlos ausverkaufen Stadion Artemio Franchi schien jetzt überzukochen. Die Florentiner Anhänger waren angesichts des greifbaren Viertelfinales völlig außer Rand und Band.
Zum ersten Mal in der Vereinshistorie könnte es Florenz unter die besten acht Teams in der Champions League schaffen, so die Aussicht.
Bayern schlägt zurück
Doch die Bayern wehrten sich, Kapitän Mark van Bommel beförderte mit Schmackes aus 18 Metern den Ball ins Tor (60.). Ribery hatte es zuvor auf der linken Seite mit drei Gegenspielern aufgenommen und perfekt den Niederländer freigespielt.
Kurze Zeit sah es nach einer Verlängerung aus.
Was dann geschah, war nahezu unglaublich!
Innerhalb von zwei Minuten ging zuerst die Fiorentina (64.) mit 3:1 in Führung - Jovetic traf nach einem Doppelpass mit Gilardino, van Buyten macht wieder eine unglückliche Figur - ehe Arjen Robben für Bayern mit einem wunderschönen Schuss aus 22 Metern den Ball im Tor unterbrachte. Spielstand: 2:3.
Bayern raus, Florenz weiter und jetzt wieder umgekehrt. Die 3.000 Münchner Fans konnten ihr Glück über diese Wendung kaum fassen.
Florenz versuchte nun wieder Druck aufzubauen, aber die Bayern hielten in dem nun offenen Schlagabtausch dagegen.
Und so jubelte am Ende nur der deutsche Rekordmeister, während die Fiorentina enttäuscht vom Platz schlich.
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