Starker Alaba kaschiert nicht alle Abwehrsorgen
Aus Florenz berichtet Mathias Frohnapfel
Florenz - Drei Gegentore, Fehlpässe und auch schon mal ein Luftloch hier und da: Die Bayern-Abwehr wurde bei der 2:3-Pleite in Florenz kräftig durchgeschüttelt.
Und auch wenn die Münchner dank des 2:1-Hinspielerfolgs ihre Champions-League-Aufgabe gelöst haben, viel Arbeit bleibt. (DATENCENTER: Das Achtelfinale)
Dabei hat ausgerechnet der, dem sie noch am meisten beibringen wollen, eine starke Partie gemacht: David Alaba.(DIASHOW: Alaba im Wunderland - die jüngsten Bayern-Debütanten)
Der Österreicher spielte im Achtelfinale der Königsklasse mit, als ob es für den 17-Jährigen so selbstverständlich wäre wie eine Discotour mit Altersgenossen.
Alaba ganz cool
In weißen Schuhen bearbeitete Alaba die linke Außenseite. Doch er wirkte nur selten unschuldig und naiv, sondern meist cool und mit einiger Spielübersicht.(die Bilder)
Und dazu hatte er auch keine Scheu, den Superstar Franck Ribery lautstark zusammenzustauchen, als der ihm in einer Szene zu lange mit dem Schiedsrichter diskutierte.
Als Alaba nachher den Reportern von seinem ersten Einsatz auf Europas höchster Fußballbühne berichtete, tauchte sehr oft das Wort "Spaß" auf.
Keine Silbe von Stress oder Anspannung. (EXKLUSIV: Christian Nerlinger im Sport1.de-Interview)
"Es war ein Traum für mich. Mir wurde von der Mannschaft viel geholfen", erklärte der Debütant. Und er verwies auch auf seinen Kreativpartner auf der Position vor ihm im Mittelfeld:
"Ribery und ich haben super zusammengearbeitet." (Die Stimmen zum Spiel)
Badstuber: "Er wird seinen Weg machen"
"Es scheint, als ob er 30 wäre", urteilte die gewöhnlich sehr penible "Gazzetta dello Sport" über Alabas guten Auftritt.
Und Teamkollege Holger Badstuber sagte im Gespräch mit Sport1.de über den neuen Nebenmann: "Der Junge ist 17 Jahre alt, er hat ein super Spiel gemacht, er wird auf jeden Fall seinen Weg machen."
Auch Hilfe bot Badstuber an, schließlich sei er ja selbst vor der Saison in der gleichen Situation gewesen, "als ich ins kalte Wasser geworfen wurde".
Bastian Schweinsteiger lobte Alaba gleichfalls für seinen Auftritt, zumal der ja gewöhnlich im Mittelfeld spiele: "Hut ab, er hat seine Sache gut gemacht."
Schwacher Auftritt von van Buyten
Weniger gut lief es für die Bayern-Viererkette insgesamt.
Abwehrchef Daniel van Buyten, gemeinhin Turm in der Schlacht, hatte einen schwachen Tag erwischt und damit wieder die Diskussion um seine Tauglichkeit für das höchste internationale Niveau befeuert.
Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass der Belgier sich auch noch mit den Folgen seines gerade überwundenen Muskelfaserriss plagt.
Badstuber versuchte im Rückblick das Positive zu sehen: "Wir haben immer weiter gemacht, wussten, dass wir noch ein Tor schießen müssen. Wir sind diesmal die Glücklicheren."
Von Ribery und Robben abhängig?
Letztlich erlöste Robben die Bayern, als Florenz noch halb ungläubig den Zwischenstand von 3:1 bestaunte.
"Das ist die Qualität von großen Mannschaften, dass sie auch Einzelspieler wie Arjen haben, die Spiele entscheiden können", meinte Badstuber.
Doch die gesamte Bayern-Mannschaft verlässt sich eben, so der aktuelle Eindruck, zu sehr auf die Ausnahmekönner Robben und Ribery - wobei Letzterer mit seinem nicht direkt ausgeprägten Drang, nach hinten zu arbeiten, auch zu den Defensivproblemen beiträgt.
Am Dienstagabend hatten Stevan Jovetic, Juan Vargas und Alberto Gilardino mehr als einmal mit schnellen Kombinationen aufgezeigt hatten, wie die FCB-Defensive auszuhebeln ist.
Bisweilen genügte ein Doppelpass.
Butt patzt erneut
Dass Torhüter Jörg Butt nach dem Fehler gegen Köln nun auch in Florenz mehr Schwierigkeiten als erwünscht hatte, fügt sich ins Bild einer nicht sicheren Defensive.
Seinen eigenen Missgriff beim Führungstreffer der Italiener räumte Butt ohne größere Umschweife ein. "Ich sehe da schlecht aus, weil der Ball vor mir aufsetzt, eine hohe Geschwindigkeit hat. Solche Tore passieren unter normalen Umständen nicht."
Der starke Wind, der umgekehrt wohl auch Bayerns Fernschusstore begünstigte, hatte gleichfalls seinen Anteil an Vargas' Abstaubertor.
Trainer Louis van Gaal erkannte Licht und Schatten in der FCB-Abwehr, in der Philipp Lahm zumindest einen passablen Tag erwischte.
Abwehrschulung ist angesagt - nicht nur für Alaba
"Ich habe eine Partie mit vielen Fehlern in unserer Verteidigung gesehen", wertete der Niederländer streng.
Die Viererkette musste van Gaal allerdings im vergangenen Monat nach den Verletzungen von van Buyten, Martin Demichelis und Diego Contento immer wieder umbauen.
Trotz der Freude über die gute Premiere von Alaba: Weitere mögliche Ersatzkandidaten sind entweder verliehen (Braafheid) oder nicht hoch angesiedelt in der Gunst des Fußballlehrers (Görlitz).
Die Abwehrschulung wird an der Säbener Straße gewiss intensiv weitergehen - und das gilt nicht nur für Nesthäkchen Alaba.
Zum Forum - hier mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite


