Galaktische mit irdischen Problemen
Am Tag nach dem frühzeitigen Champions-League-Aus von Real Madrid teilt sich die Fußballwelt in zwei Teile.
Die Fans von Real Madrid trauern. Die meisten anderen lehnen sich zufrieden zurück und freuen sich schelmisch, dass sich die beliebte Binse bestätigt hat: "Erfolg kann man halt nicht kaufen."
Zumindest nicht mit schneller Liefergarantie.
260 Millionen Euro hatte Real-Boss Florentino Perez im Sommer in neue Spieler investiert - darunter zwei Weltfußballer.
Der Baulöwe wollte mit noch mehr Geldeinsatz anknüpfen an die Ära der "Galaktischen", als er nacheinander Figo, Zidane, Ronaldo (Version 1) und David Beckham in Spaniens Hauptstadt lotste.
Es ist ein Rückgriff auf ein Konzept, das aber bei näherem Hinsehen mehr ein wirtschaftliches als ein sportliches Erfolgsmodell war.
An den Champions-League-Triumph 2002 konnte Real auf internationaler Ebene nichts mehr folgen lassen.
Beckhams Ankunft 2003 - die vermeintliche Vollendung des Teams - war stattdessen der Beginn einer Dürrezeit von 40 Monaten ohne Titel.
Und der Entzauberung der Idee, dass aus der schlichten Addition großer Stars auch eine große Mannschaft entsteht.
Aus elf Einzelspielern eine funktionierende Einheit zu basteln, ist eine komplizierte Aufgabe.
Und eine große Anhäufung von Stars mit all ihren durch ihre Beraterstäbe multiplizierten Egos erschwert die Aufgabe ab einem gewissen Punkt, statt sie zu erleichtern.
Reals gegenwärtiger Coach Manuel Pellegrini hat in kleinerem Rahmen bei Villarreal gezeigt, dass er ein fachmännischer Teamarchitekt ist.
Ob er auch der richtige Mann für einen Startrupp mit überhitztem Umfeld ist, hat er noch nicht beweisen können.
Und ob er eine faire Chance hat, das nachzuholen, ist fraglich.
Nach sechs verpassten Champions-League-Viertelfinals in Folge sollte nun vielleicht auch ein gewisser Franck R. aus M. darüber nachdenken, ob er mit einem Wechsel zum Arbeitsplatz Real wirklich gut beraten wäre.
Klar, die Lage sähe anders aus, hätte Real am Mittwochabend ein paar seiner Großchancen genutzt.
Aber das ist in diesem Geschäft das Problem, von dem sich kein Team freikaufen kann.
Nicht mal für 260 Millionen Euro.
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