Gross: Mehr als ein Wiederholungstäter?
Vom VfB Stuttgart berichtet
Christian Paschwitz
Stuttgart/Barcelona - Unterm Strich kann sich Christian Gross davon nichts kaufen. Bis heute nicht.
Das Aus in der Königsklasse war für den damaligen Trainer des FC Basel eben doch nicht mehr zu verhindern.
Wie denn auch nach diesem 0:5-Hinspiel in der Saison 2008/2009?
Einen Wert hatte das darauf folgende 1:1 der Eidgenossen im Camp Nou gegen den großen FC Barcelona dennoch für Gross. Und hat es noch immer.
Hoffen auf eine Wiederholungstat
Dem Schweizer, inzwischen Coach beim VfB Stuttgart, war es schließlich gelungen, der weltbesten Klub-Mannschaft in deren Festung ein Remis abzuringen.
Nur wenige schaffen das. Geschweige denn mehrfach oder gar siegreich wie in der diesjährigen Champions-League-Gruppenphase Rubin Kasan.
Zu übermächtig agieren die Katalanen doch in der Regel. Vor allem daheim.
In Stuttgart hofft man trotzdem darauf, dass Gross am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE) nun zum Wiederholungstäter wird.
Mehr noch als das: Gross soll mit einem Sieg das vollenden, was ihm in Barcelona einst versagt bliebt. (DIASHOW: Die Bilder der Rückspiele)
Das perfekte Spiel
Nach dem 1:1 in der Stuttgarter Arena reift der Traum von Sensation und Weiterkommen gegen das Star-Ensemble von Trainer Pep Guardiola.
"Wir brauchen das perfekte Spiel", dämpft Gross im Ländle zwar die Erwartungen auf das Wunder vom Weiterkommen im Achtelfinal-Rückspiel. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)
Dass der 55-Jährige aber weiß, wie Barca zu verwunden ist, dürfte Fußball-Europa spätestens seit dem Unentschieden vor drei Wochen bekannt sein.
Der VfB-Chefstratege ließ sein Team bedingungslos pressen, hatte es auf leidenschaftliche Offensive vergattert - und die Gäste um Superstar Messi schon an den Rand einer Pleite gedrängt.
Hätte Cacau mehr als einmal getroffen
Und hätte Torschütze Cacau vor der Pause auch seine übrigen Chancen zu nutzen gewusst, womöglich wäre Barca nicht mehr zum schmeichelhaften Ausgleich durch Zlatan Ibrahimovic gekommen.
Nicht zuletzt ist es das Überraschungsmoment und eine schon verloren geglaubte Leidenschaft, die Gross seinen Schützlingen mittlerweile eingeimpft hat.
Blockade gelöst, Disziplin wiederbelebt
Aus einem unter Markus Babbel blockierten Haufen hat der Mann mit der markanten Glatze seit Dezember eine taktisch wieder disziplinierte Einheit geformt.
Möglich macht's auch Gross' eigene Qualität:
Der multilinguale Schweizer, der deutsch, französisch, italienisch und spanisch beherrscht, redet die ausländischen Spieler auch schon mal in ihrer Muttersprache an, schenkt ihnen so noch mehr Vertrauen.
Hierarchie neu entfacht
Und: Gross trifft offfenbar auch zwischenmenschlich den richtigen Ton - und kitzelt so das Maximum heraus.
Auf Jens Lehmanns regelmäßige Eskapaden und provokante Aussagen wirkte Gross beruhigend ein, indem er dem Keeper "einen Karriere-Abschied zum Genießen" in Aussicht stellt.
Auch vor dem Barca-Rückspiel kitzelt Gross den 40-Jährigen noch mal: "Ich habe Jens gesagt, dass er in Barcelona das Spiel seines Lebens machen muss."
Geräuschlose Personal-Entscheidungen
Generell beweist Gross bei kniffligen Personalien viel Gespür:
Die Trennung von Alexander Hleb zum Saisonende ging ebenso fast geräuschlos über die Bühne wie der Abgang von Ex-Kapitän Thomas Hitzlsperger zu Lazio Rom.
Gross siezt und lässt sich siezen, hat im Team auch dadurch eine wieder von allen akzeptierte Hierarchie geschaffen.
Elfmeterschießen geübt
Für die große Sensation in Barcelona ist für die Stuttgarter ein Sieg oder ein Unentschieden mit mindestens zwei Toren vonnöten. Und eine Einstellung, die deutlich couragierter ist als zuletzt beim 1:2 in der Liga auf Schalke.
Dass den VfB im Camp Nou aber das gleiche Schicksal ereilt wie im Vorjahr den FC Bayern beim 0:4-Viertelfinalhinspiel, scheint Gross gleichwohl nicht zu glauben.
Der Schweizer hätte vor dem Abflug nach Spanien sonst wohl kaum Elfmeterschießen üben lassen.
Anders als in Basel sind Gross' Chancen auf einen wirklichen Husarenstreich diesmal keineswegs von vornherein zum Scheitern verurteilt.
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