"Im positiven Sinne grenzwertig"
Aus Manchester berichtet Daniel Rathjen
Manchester - Sie klatschten, scherzten, plauderten und aßen. Wie eine große Familie.
Es waren beinahe rührende Szenen, die sich da in der Nacht zum Donnerstag abspielten (DATENCENTER: Champions League).
In der Worsley Suite des Teamhotels in Manchester lud der FC Bayern zum Mitternachtsbankett.
Sponsoren, Freunde, Verantwortliche und die Mannschaft saßen an den großen runden Tischen. Und allesamt strotzten sie vor Stolz, Freude und Glückseligkeit. Sie träumen den Traum vom Titel-Triple. (DIASHOW: Die Bilder der Rückspiele)
Erstmals seit 2001 im Halbfinale
Zugegeben, der Abend rechtfertigte das. Schließlich zog der deutsche Rekordmeister erstmals wieder nach 2001 ins Halbfinale der Champions League ein.
Im ehrwürdigen Old Trafford hatten die Münchner vor wenigen Stunden die Sensation perfekt gemacht und den großen Favoriten Manchester United tatsächlich aus dem Rennen geworfen.
Dank der Tore von Ivica Olic (43.) und Arjen Robben (74.) wurde das Wunder möglich.
Und das obwohl die "Red Devils" überraschend mit dem eigentlich verletzten Wayne Rooney von Beginn an agierten und obwohl die Hausherren zuvor durch Treffer von Darron Gibson (3.) und Nani (7., 41.) mit 3:0 führten.
"Leistung der Mannschaft ist großartig"
In der Runde der letzten Vier wartet nun Olympique Lyon.
"Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen. Was sie momentan leistet, ist im positiven Sinne grenzwertig", sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zu Beginn seiner Rede.
Er lobte weiter: "Die Leistung in der Champions League in dieser Saison ist großartig, wir haben unsere alten Freund aus Manchester in großartiger Manier ausgeschaltet."
Erinnerungen an 2001
Das aktuelle Team erinnere ihn von der Leidenschaft her an das Jahr 2001. Zur Erinnerung: Damals gewannen die Bayern die Champions League mit Spielern wie Stefan Effenberg und Oliver Kahn.
"Der Wille ist da, der Kampfgeist ist da und die Leidenschaft", stellte er beeindruckt fest.
Sinnbild Olic
Sinnbildlich dafür steht wohl Ivica Olic. Der Kroate ist nicht der beste Fußballer, doch besticht er durch permanente Hartnäckigkeit und Lauffreude. Damit erarbeitet er sich seinen Erfolg.
Trainer Louis van Gaal kommt bei der Auswahl der Startelf nicht an ihm vorbei.
"Es war ein Traum. Ich bin sehr glücklich, das war bislang der größte Tag meiner Karriere", sagte Olic selbst. Von der Gesellschaft in der Worsley Suite bekam er einen Extra-Applaus.
"Durch das Tor zum 1:3 haben wir wieder Mut gefasst und in der zweiten Halbzeit hat United Angst bekommen", blickte Rummenigge zurück.
Van Gaal nicht überschwänglich
Auch van Gaal teilte die Freude, mit einem Siegerlächeln stieß er mit Ehrenpräsident Franz Beckenbauer mit einem Glas Rotwein an.
Überschwänglich wurde der Niederländer aber nicht. "Nach dem 0:3-Rückstand war es unglaublich, was wir geleistet haben. Aber in so einem Spiel muss man von Beginn an konzentriert sein, das war bei uns nicht so", bemerkte er.
Van Gaal fügte an: "In der ersten Halbzeit haben wir keine Aggressivität gezeigt. In der Pause haben wir es geschafft, die Spieler zu überzeugen, dass noch etwas möglich ist.In der zweiten Halbzeit haben wir dann überragend gespielt. Wir haben schon in Turin und Florenz gezeigt, dass wir immer Tore machen."
Kugelschreiber für Ribery
Auch für den Trainer gab es in der Worsley Suite übrigens einen Extra-Applaus.
Danach stimmte Rummenigge ein "Happy Birthday" an, um den 27. Geburtstag von Franck Ribery zu feiern (die Bilder).
Präsident Uli Hoeneß persönlich brachte dem Franzosen eine Torte und einen Kugelschreiber als Präsent: "Damit er in Kürze seinen neuen Vertrag bei uns unterschreiben kann", erklärte Rummenigge.
"Warum sollte ich jetzt nicht bleiben?"
Die Chancen, dass der Dribbel-Filou seinen Vertrag vorzeitig verlängert, sind nach dem Einzug ins Halbfinale sicher nicht schlechter geworden.
"Warum sollte ich jetzt nicht bleiben?", fragte Ribery rhetorisch bei "Sky".
Zusammen richteten sie dann den Blick auf die nahe Zukunft. In den "Tagen der Wahrheit" steht am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) das Top-Spiel bei Bayer Leverkusen an.
"Es gilt nun, die Spannung hochzuhalten. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Und wenn wir weiter Leidenschaft an den Tag legen, dann kann das eine Saison werden, die wir so noch nicht erlebt haben."
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