Ribery gesperrt - Bayern ist entsetzt
Von Daniel Rathjen und
Mathias Frohnapfel
München - Es ist ein Schock.
Der FC Bayern muss im Endspiel der Champions League am 22. Mai in Madrid auf Franck Ribery verzichten.
Die UEFA hat den Franzosen nach dessen Roter Karte im Halbfinal-Hinspiel gegen Olympique Lyon (1:0) für drei internationale Begegnungen gesperrt.
Sein Foul an Lisandro Lopez wurde als Tätlichkeit ausgelegt. Die erste Partie hatte Ribery bereits am Dienstagabend verpasst (Bilder des Spiels). Das zweite Spiel wäre das Finale der Champions League am 22. Mai in Madrid.
Sollten die Münchner gewinnen, müsste Ribery - sofern er beim FC Bayern bleibt - beim Spiel um den Supercup gegen den Gewinner der Europa League zuschauen.
Im Falle einer Pleite im Estadio Santiago Bernabeu wäre er beim ersten Champions-League-Spiel der Münchner in der kommenden Saison gesperrt.
Nerlinger in Rage
In München reagierten die Verantwortlichen darauf mit Entsetzen.
"Die Strafe ist zu hoch", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger in einer ersten Stellungnahme.
Nur kurz danach ließ der Verein mitteilen: "Der FC Bayern und Franck Ribery werden die Entscheidung nicht akzeptieren, dagegen Berufung einlegen und sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen."
"Wir können die Entscheidung der UEFA in keiner Weise nachvollziehen und halten sie für absolut falsch", hieß es weiter.
Vor allem den Vorwurf der Tätlichkeit findet der deutsche Rekordmeister absurd.
"Dem Spieler Ribery kann man sicherlich nicht vorwerfen, seinen Gegenspieler absichtlich verletzt haben zu wollen. Lisandro Lopez konnte das Spiel unverletzt fortsetzen", heben sie hervor.
Die dreiköpfige, vom Österreicher Thomas Prantl geleitete, Kontroll- und Disziplinarkommission sah das anders.
Angreifer Olic, der die Münchner mit drei Toren nach Madrid geschossen hatte, ergänzte: "Das ist ein hartes Urteil, das ist schade für Franck und die Mannschaft. Er ist ein wichtiger Spieler für uns."
Der Ausfall des Dribblers trifft die Crew von Trainer Louis van Gaal sicherlich hart. Doch dass der FCB diesen auch kompensieren kann, hat er in dieser Saison einige Male gezeigt.
Wie stark ohne Ribery?
Die Mannschaft überzeugt mit Willensstärke, Ordnung und Cleverness. Sie strotzt vor Selbstvertrauen - auch ohne Ribery (DIASHOW: Die Einzelkritik).
Nach dem Coup gegen Lyon sprachen die Verantwortlichen schließlich schon von "Fußball in Vollendung" und von einer "Demonstration".
"Besser geht es nicht. Ich muss dem Trainer ein riesiges Lob machen. Was diese Mannschaft noch am Ende einer Saison zeigt, ist unglaublich", schwärmte Präsident Uli Hoeneß.
Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sprach bei seiner Bankett-Rede von einer "großen Familie, die seit Monaten eng zusammengerückt ist" (REAKTIONEN: Stimmen zum Spiel).
Die Ausgewogenheit ist da
"Die Saison kann historisch werden, jetzt ist alles möglich. Wir alle sind sehr stolz auf euch. Diese Mannschaft verdient es, die Champions League zu gewinnen", rief er van Gaal und den Spielern zu.
Er hat Vertrauen in eine Mannschaft, in der gegen Olympique sechs Eigengewächse standen.
Ist die Ribery-Sperre gerecht?
Arjen Robben kann - ebenso wie ein Ribery - den Unterschied in einem Spiel ausmachen. Olic wurde mit seinen Toren zum Mann des Tages.
Aber auch ein Hamit Altintop, der für Ribery auf der für ihn ungewohnten linken Mittelfeldseite aushelfen musste, machte ein Klassespiel.
"Team funktioniert"
"Es zeichnet uns aus, dass wir jeden ersetzen können und sehr ausgeglichen sind", meinte Altintop.
"Das Team funktioniert, es ist leicht, reinzukommen", fügte der Türke an. "Es ist unser Plus, dass wir nicht nur abhängig von ein zwei Spielern sind - wie Barca von Messi oder Manchester United von Rooney - wir sind ausgeglichener", weiß Altintop.
"Wir haben eben nicht nur ein, zwei starke Spieler, sondern eine starke Mannschaft", lobte auch Robben das Münchner Kollektiv.
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