Van Gaal fürchtet nur die Bierdusche
Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen
München - Louis van Gaal benutzt After Shave.
Er trägt "immer korrekte Kleidung", wie er selbst beim Pressetalk am Freitag an der Säbener Straße feststellt.
Und er komme gut an "bei älteren Frauen", wie seine Frau Truus sagt.
Wenn aber für den FC Bayern am späten Samstagnachmittag nach dem Spiel bei Absteiger Hertha BSC (Sa., ab 15 Uhr LIVE-TICKER) die 22. Deutsche Meisterschaft perfekt ist, droht dem Trainer die obligatorische Weißbierdusche.
"Ich liebe das nicht, sonst stinke ich den ganzen Abend nach Bier", weiß der Niederländer. Außerdem brenne es in den Augen.
Einen zweiten Anzug will er aber auch nicht mit nach Berlin nehmen. "Dann würde ich die Spieler ja einladen."
Die Profis können es tatsächlich kaum erwarten, ihren Coach zu begießen. "Ich bin gespannt, wer bei der Bierdusche das Heft in die Hand nimmt", schmunzelt Thomas Müller.
Und Keeper Jörg Butt fügt an: "Auf die Bierduschen freue ich mich schon. Die Feiern sind der verdiente Lohn für eine lange Saison und viel harte Arbeit."
Konzentration hoch halten
Es spricht insgesamt für van Gaal und sein Team, dass die Furcht vor den feierwütigen Spielern das einzige vor dem 34. Spieltag ist, das beim Trainer Unbehagen hervorruft.
Sportlich ist die Ausgangslage sowieso klar: "Jetzt sind wir Meister, da habe ich keine Sorgen mehr", betont van Gaal.
Der 58-Jährige bemüht sich dennoch, die Konzentration im Triple-Endspurt hochzuhalten.
Kampf um die beste Offensive
"Wir haben noch drei Ziele: Wir wollen unseren Flow wahren, die beste Abwehr bleiben und der beste Sturm werden", sagt er.
Zu Ziel Nummer drei fehlt den Münchnern im Moment ein Tor auf Bremen, das gegen den Hamburger SV antritt.
Mit Blick auf die Endspiele im DFB-Pokal gegen Werder (15. Mai) und in der Champions League gegen Inter Mailand (22. Mai) ist den Bayern ein Erfolgserlebnis wichtig.
"Mit halber Kraft spielen werden wir nicht. Es ist besser, wenn wir jetzt den Fuß auf dem Gaspedal lassen", sagt Kapitän Mark van Bommel.
Er wird am Sonntag die "Salatschüssel" erstmals als Bayern-Kapitän in entgegen nehmen.
Ehre für van Bommel
"Für mich wird das ein besonderer Moment. In Eindhoven durfte ich dreimal als Kapitän den Titel in Empfang nehmen, aber bei Bayern als ausländischer Kapitän ist das schon was anderes. Es ist schön und macht mich sehr stolz."
Nach der ersten Sause mit der Meisterschale in Berlin steht am Samstagabend nach der Rückkehr nach München eine kleine teaminterne Feier an.
Am Sonntag wird trainiert, um 14 Uhr startet dann ein Autokorso durch die Stadt in Richtung Marienplatz, wo die Helden eine Stunde später erwartet werden.
Ein wenig skurril: In den Bayern-Jubel und den Konfettiregen im Berliner Olympiastadion werden sich auch Tränen über einen hausgemachten und so besonders bitteren Hertha-Abstieg mischen.
Seit dem 8. August des Vorjahres hat Hertha auf eigenem Geläuf nicht mehr gewonnen - es ist ein Hauptgrund für das Desaster.
Und nun droht auch noch ein zusätzlicher trauriger Rekord: Gelingt auch gegen die Bayern kein dreifacher Punktgewinn, würde Hertha mit 16 Heimspielen nacheinander ohne Sieg die Negativ-Marke von Tasmania aus der Saison 1965/66 (15) toppen.
Olympiastadion ausverkauft
Dennoch werden 75.420 Fans erwartet. Das WM-Endspiel-Stadion von 2006 wird erstmals in dieser Saison ausverkauft sein.
"Wir wollen uns nochmals für die außergewöhnliche Unterstützung bedanken und die Fans an uns binden", betont Manager Michael Preetz.
Für Hertha-Trainer Friedhelm Funkel wird es wohl die Abschieds-Vorstellung sein.
Sein Vertrag hätte sich nur nach einer erfolgreichen Rettung verlängert, die Zeichen stehen auf Abschied.
Während in der Hauptstadt die Lichter ausgehen, strahlt der "Stern des Südens" womöglich heller als je zuvor.
"Wir können mit dem Gewinn von drei Titeln Geschichte schreiben. Diese Chance bietet sich einem Spieler wohl nur einmal in der Karriere. Dessen müssen wir uns allen bewusst sein", merkt van Bommel an.
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