"Ich wollte mit dem Besten arbeiten"
Von Martin van de Flierdt
München - Das Interesse an seiner Person war riesengroß.
"Ich bin froh, hier zu sein und mich weiterentwickeln zu können", sagte Mesut Özil am Mittwochnachmittag, als er einer beträchtlichen Schar von Journalisten im Presseraum des Estadio Santiago Bernabeu offiziell als neuer Spieler von Real Madrid vorgestellt wurde.
"Real hat zwar viele Stars, aber ich habe keine Angst."
Die braucht er vorerst wohl auch nicht zu haben, denn Trainer Jose Mourinho hält große Stücke auf den deutschen Nationalspieler, der nach Angaben der über Werder Bremen gewöhnlich gut informierten Syker "Kreiszeitung" für 15,5 Millionen Euro plus mögliche 1,5 Millionen Euro erfolgsabhängige Zusatzzahlung die Seiten wechselte.
"Özils Verpflichtung war auf der Proiritätenliste des Trainerstabs ganz oben", bestätigte Reals Generaldirektor Jorge Valdano, der neben dem Spielmacher Platz genommen hatte. "Er ist nun für die kommenden sechs Jahre an den Verein gebunden."
Geht es nach Mourinho, dann verdingt sich Özil sogar noch länger in der spanischen Hauptstadt. "Er kann zehn Jahre lang für Real Madrid spielen", meinte der Portugiese schon nach dem dürftigen 1:1 am Dienstagabend im Testspiel bei Standard Lüttich.
"Preis weit unter Marktwert"
"Einen Spieler wie ihn durften wir uns nicht entgehen lassen. Wir haben ihn für einen Preis bekommen, der weit unter seinem wahren Marktwert liegt."
Özil sei ein kreativer Spielertyp. "Es ist gut, ihn in den eigenen Reihen zu wissen", ergänzte der Coach.
"Meine Aufgabe ist es nun, ihm zu helfen, sein ganzes Potenzial auszuschöpfen." Özil gab die Blumen gleich zurück. "Ich wollte unbedingt mit dem Besten zusammenarbeiten", sagte er. "Und für mich ist Mourinho der Beste. Er hat mich angerufen und mich überzeugt. Ich bin hergekommen, um Titel zu gewinnen."
Der Real-Zug "fährt nur einmal"
Er sei glücklich, dass der Wechsel zustande gekommen ist.
"Der Real-Zug fährt nur einmal im Leben vorbei. Ich wollte ihn nicht verpassen", erklärte Özil. "Andererseits bin ich traurig, einen Klub wie Werder Bremen zu verlassen. Dort habe ich die Möglichkeit erhalten, einen sehr wichtigen Qualitätssprung in meiner Karriere zu machen."(DIASHOW: Özils Karriere in Bildern)
Für die spanische Presse kommt Özil "gerade rechtzeitig" ("As"). Denn in Lüttich fehlte Real jeglicher Esprit.
Nur Rafael van der Vaart, der das Tor per Freistoß erzielte, wusste sich zu empfehlen. Pikant, denn der Niederländer gilt als derjenige, den die Verpflichtung Özils am empfindlichsten treffen dürfte.
Van der Vaart bleibt gelassen
"Für mich ist es kein Problem, dass er kommt", stritt van der Vaart diese Sichtweise ab.
"Aber in Madrid zu spielen, ist schwierig. Mit der gesteigerten Konkurrenz umso mehr. Doch ich werde um meinen Platz kämpfen."
Damit erfüllt er Mourinhos Mindestanforderung.
Mourinhos kalte Seite
"Wenn Rafa oder irgendjemand anderes dem Konkurrenzkampf psychologisch nicht gewachsen ist, weil für ihn kein Platz in der Mannschaft bleibt", sagte er, "dann ist das sein Problem, nicht das des Klubs oder meines."
Man darf gespannt sein, wann Özil auch diese kalte Seite Mourinhos kennenlernt.
Özils Ex-Klub Werder Bremen bemüht sich vor dem wichtigen Hinspiel der Champions-League-Playoffs gegen Sampdoria Genua (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) um die Rückkehr zur Normalität.
Frings: Endlich Ruhe
"Es ist gut, dass jetzt Ruhe einkehrt", sagte Kapitän Torsten Frings und richtete den Blick demonstrativ nach vorne: "Das Leben geht weiter." Auch Torhüter Tim Wiese bezeichnete den Verlust Özils als "nicht so tragisch":
"Die Spieler, die bei der WM waren, sind erst vor kurzem in die Vorbereitung eingestiegen, so dass sich die Mannschaft die meiste Zeit ohne sie einspielen musste." Es sei im Fußball eben so, dass "der eine geht, der andere kommt". "Jeder ist ersetzbar", sagte er "ran.de", "auch Mesut."
Gegen Sampdoria soll es noch die alte Belegschaft richten.
Allofs setzt sich nicht unter Druck
"Dass Mesut nicht mehr bei uns ist, bedeutet zwar, dass man neu investieren muss", räumte Geschäftsführer Klaus Allofs ein. "Allerdings irgendwann und nicht unmittelbar."
Als Diego vor Jahresfrist Bremen verlassen habe, sei ja auch nicht in eine neue Nummer zehn investiert worden.
"Die war in Mesut ja schon da", erinnerte der Geschäftsführer. "Jetzt haben wir die gleiche Einstellung. Wir müssen niemanden aus dem Hut zaubern. Marko Marin und Aaron Hunt haben gezeigt, dass es mit ihnen auch sehr gut funktioniert."
Acht Millionen für Ben Arfa?
Die französische Sportzeitung "L'Equipe" geht allerdings davon aus, dass der in Frankreich bestens vernetzte Allofs einen Teil des Geldes in Hatem Ben Arfa von Olympique Marseille investieren möchte.
Wer ist der Verlierer der Saison?
Sie schreibt, dass Werder acht Millionen Euro für Ben Arfa biete, der zuletzt bei Newcastle United heiß gehandelt wurde. Über die Vertragsdauer von vier Jahren bestehe zudem schon Einigkeit.
"Wenn Ben Arfa und seine Berater sich mit Bremen verständigt haben, hat das noch gar nichts zu sagen", zitiert die "L’Equipe" allerdings Marseilles Präsidenten Jean-Claude Dassier.
"Generell denken wir aber, dass die deutsche Liga besser zu ihm passen würde als die englische."
Hängepartie Wesley
Dazu gibt es in Bremen ja noch die Hängepartie um den Brasilianer Wesley, für den zuletzt 7,5 Millionen Euro Ablöse im Gespräch waren.
Özil braucht das nicht mehr zu kümmern. Doch in Kürze wird er noch einmal ins Weserstadion zrückkehren.
"Das Verhältnis zu Mesut ist auch während der Verhandlungen immer völlig in Ordnung gewesen", meinte Allofs. "Er ist bei uns immer willkommen, und wir werden ihn auch noch gebührend verabschieden."
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