Losgelöste Vorfreude, keine Revanche für Ballack
Aus Leverkusen berichtet Thorsten Mesch
Leverkusen - In der Bundesliga hinkt Bayer Leverkusen weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück.
Dazu überschattet die Personalie Michael Ballack immer wieder das sportliche Geschehen.
Doch die Mannschaft und ihr Trainer Robin Dutt wollen den grauen Liga-Alltag und alle Querelen hinter sich lassen und freuen sich vielmehr auf den Champions-League-Kracher gegen den FC Barcelona (Di, ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).
Taktisch keine Veränderung
Auf die SPORT1-Frage, ob seine Mannschaft mit Michael Ballack, der zuletzt dreimal nicht berücksichtigt worden war und sich am Sonntag im Training einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, gegen Barca taktisch anders auftreten würde, antwortete Dutt: "Vermutlich hätten wir gleich gespielt" und ergänzte, "Ballack werde drei bis vier Wochen ausfallen."
Heißt: Ballack, der durchaus Chancen auf einen Einsatz gehabt hätte, wird aller Voraussicht nach auch im Rückspiel am 7. März nicht dabei sein.
Der 35-Jährige, der 101 Spiele in der Champions League absolviert hat, kann somit keine Revanche an den Spaniern nehmen, gegen die er mit Chelsea 2009 unglücklich im Halbfinale gescheitert war.
Ob er überhaupt noch einmal an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen wird, steht in den Sternen.
Trainer und Spieler schwärmen
Ballacks Kollegen blicken derweil voller Vorfreude auf die Partie gegen den Titelverteidiger.
"Barcelona ist mit Sicherheit ein Traumlos für jeden von uns. Auch, wenn wir vielleicht gern erst eine Runde später auf sie getroffen wären", sagte Kapitän Simon Rolfes auf der Pressekonferenz am Montag.
"Es ist auch für das Trainerteam ein besonders Spiel", ergänzte Bayer-Chefcoach Dutt. "Die Vorbereitung macht sehr viel Spaß und bereitet eine gewisse Vorfreude."
Trainer, Spieler, Fans - trotz Schneefalls im Rheinland und Temperaturen um den Gefrierpunkt sind alle sind heiß auf Barcelona.
Großer Ansturm auf die Karten
Die Arena wird mit 29.342 Zuschauern ausverkauft sein, Bayer hätte gut und gerne 100.000 Karten absetzen können.
"Die Fans freuen sich riesig, dass sie Karten bekommen haben. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass es ein sehr stimmungsvoller Abend wird", meinte Rolfes. Wichtig sei aber, "dass es für uns nicht nur ein schönes Spiel ist, sondern auch eine Herausforderung."
Obwohl Barca der eindeutige Favorit ist, glauben die Leverkusener an ihre Chance.
"Die Geschichte des Spiels muss erst geschrieben werden. Wir haben speziell in der Champions League unsere Stärken gezeigt", verbreitete Dutt Optimismus. (DATENCENTER: Champions League)
"Wir waren in der Lage, absoluten Top-Mannschaften Schwierigkeiten zu bereiten und sie zu schlagen", führte der Trainer die Siege in der Gruppenphase gegen den FC Valencia und den FC Chelsea an: "Wir haben eine Moral, an einem Spieltag alles zu erreichen, was wir erreichen wollen."
Barcas Schwächephase kein Thema
Dass Barcelona trotz der Schwächephase in der Meisterschaft ein größeres Kaliber als Valencia oder Chelsea ist, weiß Dutt. Dennoch sei er "sehr davon überzeugt, dass alles so kommen wird, wie wir es uns vorstellen."
Er gab zumindest einen kleinen Einblick in seine taktischen Überlegungen.
Barcelona habe "immer zwischen 65 und 70 Prozent Ballbesitz. Deshalb müssen wir bei den 30 bis 35 Prozent, in denen wir den Ball haben, effektiv spielen und mit Moral dagegen halten."
Keine Sonderbewachung für Messi
Barca auf seinen Lionel Messi zu reduzieren sei der falsche Ansatz, genauso wenig könne der Argentinier durch Sonderbewachung ausgeschaltet werden.
"Selbst wenn man mit zwei, drei Mann gegen Messi" spielte, würde dies woanders "eine gewisse Unterzahl nach sich ziehen."
Im Gegensatz zu Barcelonas Trainer Pep Guardiola, der am Wochenende bei der 2:3-Niederlage bei CA Osasuna die drei Weltmeister Xavi, Andres Iniesta und Cesc Fabregas geschont hatte, werde es bei Bayer "nicht so viele Veränderungen geben wie beim Gegner", ließ Dutt durchblicken.
"Sicheres 5:0"
Viel mehr wollte er nicht verraten. "Wir lassen uns überraschen und wollen uns nicht in die Karten schauen lassen", meinte der Trainer.
Er wäre "zufrieden mit einem sicheren 5:0", scherzte der Coach, schob aber gleich nach: "Das Ergebnis sollte nicht so sehr das Thema sein. Es wäre schön, wenn wir im Rückspiel noch eine offene Situation hätten."
Selbst ein Kantersieg gegen Barcelona hätte keine Auswirkungen auf seine und Bayers Situation in der Meisterschaft, betonte Dutt: "Man muss das Spiel losgelöst sehen es hat keine Auswirkungen. Am Samstag ist wieder Liga-Alltag."


