Nach "Kopfwäsche" hofft Rummenigge auf die Wende
Von Martin Volkmar
und Mathias Frohnapfel
München/Basel - Graue Anzüge, angespannte Mienen:
Nimmt man das Auftreten des FC Bayern vor dem Abflug zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) als Maßstab, so ist sich der Rekordmeister offenbar des Ernstes der Lage bewusst.
"Wir müssen weiterkommen, das ist sehr wichtig", sagte Ivica Olic auf SPORT1-Nachfrage und versprach: "Die Champions League ist ein anderer Wettbewerb als die Bundesliga, das wird ein anderes Spiel als in Freiburg."
Derweil wollte Karl-Heinz Rummenigge die sportliche Krise gar nicht mehr bestreiten.
"Wir haben die Tabellenführung verloren, auswärts haben wir aus drei Spielen nur zwei Punkte geholt", legte der Vorstandsvorsitzende am Münchner Flughafen den Finger in die Wunde:
"Wir müssen auswärts besser spielen und die Ergebnisse holen, damit wir unsere Ziele erreichen." ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Sehr konzentriert
zu Werke gehen"
Deshalb müsse man in Basel "sehr konzentriert zu Werke gehen", um eine Pleite beim Außenseiter wie die von Manchester United in der Vorrunde zu verhindern:
"Wir werden sie nicht unterschätzen, wir werden nicht arrogant zu Werke gehen. Wir werden eine andere Gangart zeigen als gegen Freiburg."
Dabei hofft Rummenigge, dass seine klare Ansage an die Mannschaft im St. Jakobs-Park Wirkung zeigen wird.
"Kopfwäsche" hinter verschlossenen Türen
Seine "Kopfwäsche" hinter verschlossenen Türen am Montag wollte der FCB-Boss zwar nicht bestätigen, dementierte sie aber auch ausdrücklich nicht.
Rummenigge, der dabei von Sportdirektor Christian Nerlinger und Vorstandskollege Karl Hopfner begleitet wurde, hatte im Auditorium an der Säbener Straße mehr als 20 Minuten Tacheles geredet.
Appell an Ehre und Charakter
Dabei soll er ruhig, aber sehr bestimmt an die Ehre der Profis appelliert und vor allem mehr Einsatz als beim enttäuschenden 0:0 in Freiburg gefordert haben.
Denn eine weitere Spielzeit ohne Titel wäre der Super-GAU für den Rekordmeister. "Im letzten Saisondrittel müssen wir Vollgas geben, um nicht wie im Vorjahr mit leeren Händen dazustehen", forderte Rummenigge im "kicker".
"Wir brauchen eine stabile Form, gerade an nicht so guten Tagen. Und die Charaktereigenschaft, dass die Mannschaft bereit ist, sich zu quälen."
Fehlende Einstellung
Fehlende Einstellung und mangelndes Engagement sind die Kernvorwürfe gegen die Mannschaft angesichts der blutleeren Vorstellung von Freiburg und den weiteren schwachen Auftritten in der Rückrunde.
"Leidenschaft, Einstellung, Aggressivität, Laufbereitschaft" hatte Nerlinger in Freiburg schmerzlich vermisst.
Der frühere Kapitän Stefan Effenberg sprach bei "Sky" sogar von "Fußball aus dem Stand" und meinte:
"Die Bayern leben von der Dominanz, aber die ist verschwunden. Und mit der Dominanz verliert man auch an Selbstbewusstsein."
Lahm: "Dann haben wir in Basel keine Chance"
Das wurde besonders deutlich an den für Münchner Verhältnisse völlig ungewohnten Aussagen von Philipp Lahm in Freiburg.
"Mit dem größten Selbstvertrauen fahren wir da natürlich nicht hin", sagte der Kapitän. "Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit, haben wir in Basel keine Chance."
Ein K.o. im Achtelfinale gegen den krassen Außenseiter wäre ein Desaster – vor allem vor dem Hintergrund des großen Ziels, dem Finale am 19. Mai in der heimischen Allianz Arena. (DIASHOW: Achtelfinal-Hinspiele der Champions League )
Das weiß auch Rummenigge: "In der Champions League darf man sich Spiele wie in Mönchengladbach und Freiburg nicht erlauben. Das K.o.-System verzeiht solche Spiele nicht. Da bist du weg."
Kleine Dinge machen Hoffnung
Angesichts der tristen Stimmung machen da schon kleine Dinge Hoffnung. Etwa die wenig optimistischen Aussagen von Basels Sportdirektor Georg Heitz.
"So ehrgeizig wir auch sind. Wir sind nahe am Maximum. Viel weiter nach oben geht es nicht", erklärte er.
Oder die Ansetzung von Schiedsrichter Nicola Rizzoli. Denn der Italiener pfiff die Bayern zuletzt vor zwei Jahren beim 2:3 bei Manchester United, durch das der FCB nach dem 2:1 im Hinspiel das Halbfinale - und später auch das Finale - erreichte.
"Unsere Verpflichtung ist, alles zu tun, um den Traum der Fans vom Finale lange aufrechtzuerhalten. Topfavorit waren wir auch 2010 nicht - und dennoch im Finale", sagte Rummenigge.


