Ratloser Heynckes sucht "Schweini"-Ersatz
Aus Basel berichtet Martin Volkmar
Basel - Irgendwie ist beim FC Bayern im Moment der Wurm drin.
Jedenfalls passte es trefflich ins Bild, dass der deutsche Rekordmeister am Dienstag erst mit reichlich Verspätung den Weg vom Flughafen Basel/Mulhouse ins noble Teamhotel "Le Plaza" antreten konnte, weil das Gepäck zunächst fehlte.
Und so wie die Münchner diese kleine Panne nicht verhindern konnten, so ratlos stehen sie offenbar auch der sportlichen Krise gegenüber.
Konkrete Antworten, wie nach dem schwachen Rückrundenstart im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) die Wende herbeigeführt werden soll, blieb Jupp Heynckes jedenfalls schuldig.
Vor fast 100 Journalisten im voll gestopften Hotelsaal bei der Pressekonferenz fand der Trainer jedenfalls nur eine äußerst dünne Begründung für den Unterschied gegenüber der starken Hinrunde.
"Schweini ist der Stratege und Kopf"
"Da war auch ein Weltklassespieler wie Bastian Schweinsteiger dabei. So ein Ausfall macht sich natürlich auch beim FC Bayern bemerkbar. Schweini ist der Stratege und Kopf der Mannschaft, deswegen ist das nicht so einfach", meinte Heynckes.
"Gegen defensive Gegner hat Schweini eine ganz wesentliche Rolle gespielt. David Alaba ist zwar gut drauf, aber Schweini war mit 20 Jahren auch noch nicht so weit wie heute."
Und dann nannte der 66-Jährige seine einstigen Mitspieler Franz Beckenbauer und Günter Netzer als Beweis seiner These.
Alternativen zum verletzten Schweinsteiger als Antreiber aber scheint Heynckes im Münchner Starensemble nicht zu finden, was der Coach zumindest zwischen den Zeilen deutlich machte.
Mannschaft ist zu ruhig
"Ich denke, dass die erfahrenen Spieler den Taktstock schwingen müssen. Aber das ist abhängig vom Charakter, extrovertierte Spieler hat der FC Bayern nicht mehr so in der Fülle wie früher", sagte er.
Zwar wies Heynckes die SPORT1-Nachfrage, ob dem FCB Spielertypen wie die früheren Kapitäne Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg fehlen würden, als "populistisch" zurück.
Gleichzeitig gab er aber zu, dass es gerade in kritischen Situation zu ruhig auf dem Platz zugehe: "Ich denke, dass muss im Kollektiv geschehen. Meines Erachtens muss mehr dirigiert und geredet werden."
Keine Systemumstellung - Robben in Startelf
Doch genau das fehlt der Mannschaft derzeit und auch Heynckes wirkt ratlos, mit welchen Mitteln er das Problem beseitigen könnte.
Und trotz der Vorhersehbarkeit des Bayern-Offensivspiels schloss er eine Systemumstellung auf zwei Stürmer kategorisch aus.
Stattdessen dürfte Heynckes auf Arjen Robben in der Startelf setzen. Mit dem Niederländer machten es die Münchner in Freiburg in der zweiten Halbzeit besser als im blutleeren ersten Abschnitt. Thomas Müller droht dagegen die Bank.
Das alleine dürfte aber kaum reichen, um gegen die heimstarken Basler eine böse Überraschung zu vermeiden, wie es Manchester United beim 1:2 in der Vorrunde erlebte ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Deshalb hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Montag auch vehement an die Spieler appelliert, mehr Engagement in der entscheidenden Phase der Saison zu zeigen.
Heynckes: Rummenigge-Ansprache "mit mir abgestimmt"
"Die Ansprache habe ich begrüßt, es war mit mir abgestimmt. Es ist ganz wichtig, dass alle in eine Richtung gehen", sagte Heynckes dazu.
Toni Kroos und Mario Gomez versuchten jedenfalls auf der Pressekonferenz den Eindruck zu vermitteln, als habe das Team die Botschaft der Vereinsführung verstanden.
"Freiburg muss die letzte Warnung gewesen sein"
"Freiburg muss uns die letzte Warnung für die kommenden Wochen gewesen sein. Wir müssen jetzt in jedem Spiel topkonzentriert und motiviert sein", forderte Gomez.
"Man hat bei Manchester United erlebt, dass man sein blaues Wunder erlebt, wenn man es zu locker angeht. Gerade mit den Fans im Rücken ist Basel eine sehr starke Mannschaft."
Dennoch werde man sich durchsetzen, "wenn wir unser Potenzial abrufen", meinte Gomez.
Heynckes bleibt Optimist
Und auch Heynckes sagte, er sei "nach wie vor zuversichtlich, dass wir ein gutes Spiel machen werden. Eins sollte man nicht machen: Den FC Bayern unterschätzen".
Er weiß aber auch, dass es sonst sehr ungemütlich werden wird: "Es ist klar, dass der FC Bayern nicht ausscheiden darf."
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Basel: Sommer - Degen (Park), Abraham, Dragovic, Steinhöfer - Huggel, Xhaka - Shaqiri, Stocker - Streller, Alexander Frei
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Alaba - Robben, Kroos, Ribery - Gomez
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)



