"Das Endspiel wäre schon klasse"
Vom FC Bayern berichtet
Mathias Frohnapfel
München - Neun Jahre ist das Bild alt, doch Holger Badstuber ist ohne Weiteres zu erkennen.
Mit Lausbubengrinsen und durchgedrückten Schultern ziert der heutige Bayern-Verteidiger das FCB-Mannschaftsfoto des U-15-Jahrgangs 2003.
Rechts steht Heiko Vogel im Trainingsanzug mit ineinandergeschlagenen Armen.
Mittlerweile ist Badstuber Stammspieler in München sowie Nationalspieler und Vogel coacht den FC Basel, Gegner des FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).
Badstuber lernte ebenso wie Thomas Müller unter Vogel das Fußball-Einmaleins und will sich jetzt gegen seinen alten Coach beweisen.
Der Stotterstart in die Bundesliga-Rückrunde - nur acht Punkte aus fünf Spielen - soll dabei vergessen gemacht werden.
Im SPORT1-Interview spricht der 22-Jährige über Vogel, den Traum vom Finale in München und die schwierigste Zeit in seiner Karriere.
SPORT1: Herr Badstuber, in der Champions League spielen Sie mit dem FC Bayern in Basel gegen Ihren früheren C-Jugend-Trainer Heiko Vogel. Wie erinnern Sie sich an die Zeit unter Vogel zurück?
Holger Badstuber: Wir waren eine sehr gute Mannschaft, hatten viele Erfolge. Heiko Vogel hat uns als Team sehr viel beigebracht. Er hat eine ganz spezielle Art, mit der ich persönlich sehr gut zurechtgekommen bin. Man konnte viel Spaß mit ihm haben, aber er hatte auch seine ernsten Seiten. Die Mischung fand ich sehr gut.
SPORT1: Und wie ist es jetzt, gegen seinen alten Jugendcoach anzutreten?
Badstuber: Ganz so neu ist es ja nicht mehr, wir haben schon gegen Basel gespielt, als er noch Co-Trainer war. Letztlich geht es für uns nur um das Erreichen der nächsten Runde.
SPORT1: Ist es für Bayern ein großer Vorteil, zuerst auswärts anzutreten?
Badstuber: Natürlich ist es immer besser, zuerst auf fremdem Platz zu spielen. Aber Basel hat schon bewiesen, dass sie in der Champions League gut in Form sind und darum glaube ich, dass es für uns nicht so einfach wird, wie viele es hinstellen. Es wird definitiv kein Selbstläufer.
SPORT1: Hat die Mannschaft denn das Champions-League-Finale in München schon im Kopf?
Badstuber: Im Kopf nicht, aber es ist natürlich ein Ansporn für uns. Das Endspiel im eigenen Stadion wäre schon klasse.
SPORT1: Der ganze Verein träumt vom Endspiel im eigenen Stadion, doch Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß halten sich öffentlich mit Forderungen an die Mannschaft zurück.
Badstuber: Ich denke, unsere Bosse machen das sehr gut. Prognosen oder Forderungen abzugeben, ist in der Champions League sehr schwer. Da gehört auch immer etwas Glück und Tagesform dazu. Aber bis zum Finale ist es noch ein weiter Weg. Jetzt müssen wir uns zunächst auf Basel konzentrieren und die Schweizer schlagen.
SPORT1: Sie selbst tragen durch Ihr überaus präzises Passspiel zur Stabilität der Verteidigung bei. Gibt es fußballerische Fähigkeiten, die Sie noch verbessern möchten?
Badstuber: Ich will mich in allen Bereichen verbessern. Niemand ist mit 22 schon perfekt. Dementsprechend habe ich noch einige Jahre Zeit und die will ich nutzen.
SPORT1: Vor gut einem Jahr kehrten Sie nach überstandener Schambeinentzündung ins Team zurück, in den ersten Spielen danach gab es häufiger Kritik. War das eine der schwierigsten Phasen Ihrer Karriere bisher?
Badstuber: Es war auf jeden Fall sehr schwierig für mich, weil ich vorher noch nie eine Verletzung hatte. Mir war von vornherein klar, dass ich nicht gleich im zweiten Spiel wieder auf dem Niveau von vorher sein würde. Aber viele verstehen das eben nicht und dann folgt gleich Kritik. Man darf sich mit so etwas nicht allzu sehr beschäftigen. Aber im Nachhinein war diese Phase vielleicht sogar ganz gut für mich, weil ich einiges an Erfahrung hinzu gewonnen habe.
SPORT1: Was hat Ihnen damals Kraft gegeben?
Badstuber: In solchen Phasen sind natürlich die Leute im engsten Umkreis sehr wichtig, aber auch die mentale Stärke von einem selbst. Ich habe an mich geglaubt und hart an mir gearbeitet und letztlich wurde es dann auch wieder besser.


