"Der große Verlierer könnte der FC Bayern sein"
Von Martin Volkmar
und Christian Stüwe
Basel/München - Der strahlende Sonnenschein über Basel liefert den passenden Rahmen für ein Ereignis, dem die ganze Schweiz entgegenfiebert.
"Es ist ein Festtag", sagte Basels Torjäger Alexander Frei über das "Jahrhundertspiel" im seit Wochen mit 36.000 Zuschauern ausverkauften St. Jakob-Park.
Und Shootingstar Xherdan Shaqiri ergänzte: "Die ganze Mannschaft freut sich auf das Spiel, die ganze Stadt, die ganze Region fiebert mit."
Historischer Erfolg
Erstmals überhaupt hat mit Meister FC Basel ein Schweizer Klub das Achtelfinale der Champions League erreicht, wo es im Hinspiel (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) zum mit Hochspannung erwarteten Duell gegen den FC Bayern kommt.
Und der "kleine FCB" fühlt sich pudelwohl in seiner Außenseiterrolle, das zeigte auch der letzte Auftritt vor der Presse am Dienstagabend.
"Für uns alle ist es eines der größten Highlights der Karriere", sagte Torwart Yann Sommer:
"Das heißt aber nicht, dass ich deswegen nervöser bin. Wir glauben an uns und wissen, was wir können - auch wenn Bayern München Favorit ist." (DIASHOW: Achtelfinal-Hinspiele der Champions League )
"Basel hat nichts zu verlieren"
Trotz der klaren Rollenverteilung räumt Ciriaco Sforza, Ex-Profi des FC Bayern und heute Trainer der Grasshoppers Zürich, seinen Landsleuten gute Chancen ein.
"Im Fußball ist immer alles möglich. Basel ist in der Gruppe mit Manchester United und Benfica Lissabon weitergekommen und in einer großen Euphorie", sagte Sforza im Gespräch mit SPORT1.
"Sie haben beide Spiele gegen Manchester United positiv gespielt und nichts zu verlieren. Der große Verlierer könnte der FC Bayern sein. Denn ich denke, die große Last liegt beim FC Bayern." ( DATENCENTER: Champions League)
Der 14-fache Schweizer Meister dagegen kann unterstützt von seinem fanatischen Anhang befreit aufspielen. Das Selbstbewusstsein nach einer bislang starken Saison ist groß.
Letzte Niederlage im Oktober
Im Oktober gab es gegen Benfica Lissabon die letzte Niederlage, national verlor der souveräne Spitzenreiter der Super League sogar seit August nicht mehr.
"Basel ist eine eingespielte Mannschaft", erklärte Sforza.
"Sie haben in Alex Frei und Marco Streller zwei Stürmer mit Bundesligaerfahrung, die nicht viele Chancen brauchen. Und sie haben mit Xherdan Shaquiri, Granit Xhaka und Valentin Stocker junge Spieler, die gute Techniker sind."
Shaquiri: "Schieße nicht daneben"
Dabei steht vor allem Shaquiri im Blickpunkt, der im Sommer für mehr als zehn Millionen Euro nach München wechseln wird. Doch daran denkt der 20-Jährige laut eigener Aussage noch nicht.
"Ich will natürlich für den FC Basel nochmal alles geben und eine gute Leistung zeigen", sagte der "Kraftwürfel" SPORT1.
"Wenn ich ein Tor schießen kann, dann probiere ich es und schieße natürlich nicht daneben."
Telefonat mit Heynckes
Das hat er auch in einem Telefonat seinem künftigen Coach Jupp Heynckes angekündigt, der mit einem top motivierten Shaqiri rechnet.
Dass er zur neuen Saison nach München wechselt, hält Sforza für den richtigen Schritt.
"Shaqiri ist ein sehr guter Techniker. Er ist noch jung, hat aber in den letzten Monaten in der Nationalmannschaft und beim FC Basel konstant gut gespielt", lobte der frühere Mittelfeld-Regisseur.
"Man muss ihm bei Bayern ein bisschen Zeit lassen. Aber ich glaube, wenn er konzentriert und klar im Kopf bleibt, kann er langfristig ein wichtiger Spieler für den FC Bayern werden."
Mit Shaqiri geht erstmals ein Baseler nach München, bisher lief es meist anders herum.
So wie bei Ex-Bayern-Star Thorsten Fink, der das Team als Coach zuletzt zu zwei Meisterschaften führte, und dessen ehemaligen Assistenten und Nachfolger Heiko Vogel.
Wiedersehen für Heiko Vogel
Der gebürtige Pfälzer, der in seinen neun Jahren als Nachwuchscoach der Bayern unter anderem Holger Badstuber und Thomas Müller trainierte, freut sich auf das Wiedersehen mit zahlreichen alten Bekannten.
Nervös macht ihn das aber keineswegs, wie er am Dienstag mit verschmitztem Lächeln hinter einem Berg von Mikrofonen deutlich zeigte.
"Wir freuen uns enorm, die Stimmung ist gut. Und wir verlassen uns auf unsere Stärke."
Seinen ersten Job als Chefcoach im Profi-Bereich bezeichnet der 36-Jährige als "Sechser im Lotto", doch die Begeisterung scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.
"Er macht mit den Jungs sehr gute Arbeit"
Sforza glaubt, dass Vogel in Basel gute Aussichten auf ein langfristiges Engagement hat.
"Die Mannschaft fühlt sich mit dem Heiko sehr wohl. Es ist ein sehr positiver Spirit da. Die Resultate zeigen es: Er macht mit den Jungs eine sehr gute Arbeit."
Eine Überraschung gegen seinen Ex-Klub würde in dieses Bild passen.


