0:1! Bayern rutscht noch tiefer in die Krise
Aus Basel berichtet Martin Volkmar
Basel - Der FC Bayern rutscht immer tiefer in die Krise.
Der große Favorit kassierte im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel eine 0:1 (0:0)-Niederlage und muss ums Weiterkommen bangen. ( DATENCENTER: Champions League)
Den von den 36.000 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park frenetisch bejubelten Siegtreffer erzielte der eingewechselte Valentin Stocker in der 86. Minute.
Traum vom Endspiel wackelt
Damit stehen die Münchner im Rückspiel am 14. März in der heimischen Arena gewaltig unter Druck und müssen sich enorm steigern, um ihren Traum vom Endspiel im eigenen Stadion am Leben zu halten.
"Es war ein ausgeglichenes Spiel. Beide Mannschaften hatten sehr gute Torchancen. Da muss man auch mal 1:0 in Führung gehen", bemängelte Bayern-Trainer Jupp Heynckes die Chancenauswertung.
"Haben es uns selber zuzuschreiben"
"Das ist ganz bitter für uns. Man kann nicht sagen, dass es unverdient war. Wir haben es uns selber zuzuschreiben. Wir müssen intern die Dinge ansprechen, die nicht stimmen", sagte Torhüter Manuel Neuer.
Franz Beckenbauer ergänzte: "Das ist kein gutes Ergebnis. Basel ist auch in der Lage, auswärts ein Tor zu schießen. Dann müsste man schon drei machen. Es ist schon bedenklich, was hier passiert ist, weil Basel das Spiel verdient gewonnen hat."
Defensiv nicht sattelfest, vorne ideenlos
Der Sieg Schweizer Meisters war alles andere als unverdient, denn das Team von Trainer Jupp Heynckes agierte wie schon während des Großteils der Rückrunde defensiv nicht sattelfest und offensiv meist ideenlos. (DIASHOW: Achtelfinal-Hinspiele der Champions League )
Die Baseler dagegen feierten einen der größten Triumphe des Schweizer Fußballs. Dass es ein besonderer Tag war, hatte man schon zuvor nicht nur wegen der Fahne des heimischen FCB an der Rathausfassade gemerkt.
Es lag eine angespannte Vorfreude über der gesamten Stadt, denn erstmals überhaupt hatte eine Schweizer Mannschaft die K.o.-Runde der Königsklasse erreicht.
Shaqiri im Blickpunkt
Trainer Heiko Vogel, der neun Jahre den Bayern-Nachwuchs gecoacht hatte, konnte seine stärkste Elf aufs Feld schicken. Im Blickpunkt stand dabei vor allem Shootingstar Xherdan Shaqiri, der im Sommer nach München wechselt.
Auch Heynckes hatte mit Ausnahme von Bastian Schweinsteiger alle Mann an Bord. Erwartungsgemäß kehrte Arjen Robben für Thomas Müller in die Startformation zurück.
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Etwas überraschender war der Verzicht auf Luiz Gustavo, für den Anatoliy Tymoshchuk auflief.
Ribery scheitert zweimal an Sommer
Schon nach drei Minuten besaßen die Münchner die erste Chance, als Franck Ribery nach Flanke des agilen Robben völlig freistehend am stark reagierenden Basel-Keeper Yann Sommer scheiterte.
Neun Minuten später kam Ribery diesmal nach Zuspiel von Philipp Lahm frei zum Schuss, scheiterte mit seinem zu unplatzierten Schuss aber erneut an Sommer.
Die Dominanz führte offenbar zu Konzentrationsschwächen in der Bayern-Defensive, die in der Folge binnen kürzester Zeit bei schnellen Angriffen der Gastgeber ganz alt aussah.
Neuer, Pfosten und Latte retten die Münchner
Erst lenkte Manuel Neuer einen Schuss des frei vor ihm auftauchenden Baseler Kapitäns Marco Streller gerade noch übers Tor.
Nach anschließender Ecke und herrlicher Shaqiri-Flanke konnte Neuer den Kopfball von Aleksandar Dragovic gerade noch mit einem Reflex an den Pfosten lenken, Holger Badstuber schlug den die Linie entlang trudelnden Ball aus der Gefahrenzone (17.).
Doch nur zwei Minuten darauf ließ sich die völlig unorganisierte Bayern-Abwehr erneut düpieren, doch der von Jo Hoo Park schön frei gespielte Ex-Dortmunder Alex Frei setzte den Ball aus zwölf Metern an die Unterkante der Latte.
Zu statisch in der Offensive
Danach beruhigten die Bayern die Partie etwas, wirkten bei Baseler Kontern aber weiter nicht sattelfest. Und nach vorne war das Spiel gegen die tief stehende Deckung der Gastgeber insgesamt erneut zu statisch.
So hatte David Alaba nach Vorlage von Robben die beste Chance durch einen Distanzschuss, bei dem Sommer gerade noch die Arme hoch reißen konnte (29.). Sechs Minute später zog Ribery von halblinks ab, Sommer klärte erneut, wie auch gegen Mario Gomez (42.).
Insgesamt aber war das Unentschieden zur Pause leistungsgerecht, was für den heimischen Underdog schon ein erster Teilerfolg war.
Ohne Wechsel ging es in die zweite Halbzeit, die lange Zeit ohne Höhepunkte blieb. Die Münchner besaßen zwar mehr Spielanteile, agierten aber in der Offensive ohne Ideen.
Kroos enttäuscht
Toni Kroos enttäuschte auf der Spielmacher-Position, auch der anfangs starke Robben tauchte ab und Gomez hing als einzige Spitze fast völlig in der Luft. Die Gäste standen zudem sicher und lauerten auf Konter.
Dementsprechend kam die beste Gästechance aus einer Einzelaktion zustande, doch Lahm scheiterte nach seinem Solo mit einem Schuss aus 20 Metern am fehlerlosen Sommer (68.).
Vier Minuten später tauchte Gomez plötzlich frei vor Sommer auf, doch auch diesmal blieb der Schweizer Torwart Sieger.
Stattdessen versetzte der eingewechselte Stocker nach Vorlage des ebenfalls eingewechselten Jacques Zoua den Münchnern den K.o-Stoß und damit den nächsten Rückschlag.



