Der ratlose Herr Heynckes
Die Inschrift auf den Trainingsanzügen der Bayern könnte momentan kaum unpassender wirken.
"Mia san mia" steht dort eingestickt - doch von diesem so sprichwörtlichen Selbstbewusstsein der glorreichen Vergangenheit ist der deutsche Rekordmeister derzeit Lichtjahre entfernt.
Es wirkt fast, als laufe die Mannschaft in der Rückrunde sehenden Auges in den sportlichen Untergang.
Zwar hat anscheinend jeder erkannt, dass das eigene Spiel offensiv wie defensiv zu statisch und vorhersehbar ist und dass das Team kämpferisch und läuferisch nicht an seine Grenzen geht.
Doch Konsequenzen daraus bekam man nach der Winterpause seit der Auftaktniederlage in Mönchengladbach nicht zu sehen.
So appellierte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach dem peinlichen 0:0 beim Schlusslicht Freiburg vehement an Ehre und Charakter des Teams und die Spieler erklärten folgsam, sie hätten diese "letzte Warnung" verstanden.
Doch die Leistung bei der 0:1-Pleite beim FC Basel war dann aber eine Fortsetzung der blutarmen Auftritte der vergangenen Wochen - ohne Durchschlagskraft, Esprit und Stabilität.
Es ist ein Armutszeugnis für das Star-Ensemble, dass es ohne den verletzten Bastian Schweinsteiger selbst gegen den Underdog aus der Schweiz führungslos und ohne Antrieb über den Platz schlich.
Verantwortlich dafür sind die Bosse, die in den letzten Jahren unter anderem fast 40 Millionen Euro für Mitläufer wie Luiz Gustavo, Anatoliy Tymoshchuk und Rafinha ausgegeben, gleichzeitig aber einen Anführer wie Mark van Bommel nicht adäquat ersetzt haben.
Verantwortlich ist aber vor allem Jupp Heynckes, der trotz dieser Defizite nach wie vor den mit Abstand hochkarätigsten Kader der Bundesliga zur Verfügung hat.
Doch der Trainer-Routinier, anfangs für seine beruhigendes Auftreten nach den vielen Verletzungen der Ära Louis van Gaal zurecht gelobt, wirkt in der Krise immer ratloser.
Wie ein Konzept von modernem Fußball aussehen kann, zeigten zuletzt nur die Gegner wie Dortmund, Gladbach und auch die taktisch vom früheren Bayern-Nachwuchscoach Heiko Vogel glänzend eingestellten Baseler.
Heynckes dagegen hält trotz Dreifachbelastung und sportlicher Talfahrt stur an seiner Stammformation und seinem vor allem gegen defensive Gegner zu passiven 4-2-3-1-System fest.
Einer hat den Ball, alle anderen schauen zu - so sah nicht nur in Basel das Bayern-Spiel aus, weshalb das Umschalten nach vorne und vor allem bei Ballverlust nach hinten nicht funktioniert.
Der verweigerte Handschlag von Franck Ribery im St. Jakob-Park passte da ins Bild, offenbar scheinen auch die Spieler nicht mehr restlos überzeugt von ihrem Coach.
Heynckes steht nun wie der gesamte Verein am Scheideweg: In den nächsten vier Wochen kann der FCB in Meisterschaft, Pokal und Champions League alles verspielen.
Der 66-Jährige kann und muss jetzt beweisen, dass er nicht nur vom Ruhm seiner erfolgreichen Vergangenheit lebt. Sonst wird die schon leise aufkommende Trainerdiskussion in München nicht mehr aufzuhalten sein.

