Chelsea giert nach Barcelona
Von Marc-Oliver Robbers
München/London - Die Erinnerungen sind so frisch, als sei es gerade erst geschehen.
Nach dem 2:1-Sieg gegen Benfica Lissabon und dem Einzug ins Halbfinale leben beim FC Chelsea die Bilder eines einzigen Duells mit dem kommenden Gegner FC Barcelona wieder auf.:
Des Halbfinal-Rückspiel in der Königsklasse vor drei Jahren.
Damals waren die Londoner mit Michael Ballack an der heimischen Stamford Bridge erst in der Nachspielzeit und nach einigen äußerst zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen am späteren Champions-League-Sieger gescheitert. ( DATENCENTER: Champions League)
Rechnung offen mit Barca
"Wir haben noch eine Rechnung mit ihnen offen. Dieses Spiel ist noch immer in unserem Hinterkopf", sagte Mittelfeldspieler Frank Lampard: "Jetzt ist ein anderes Jahr, und wir sollten versuchen, sie in diesem Jahr zu schlagen."
Chelseas dürftige Leistung gegen Lissabon wird Barcelona allerdings kaum Angst eingeflößt haben. Trotz einer 1:0-Führung per Foulelfmeter durch Lampard (21.) und der Gelb-Roten Karte für Benficas Maxi Pereira (40.) geriet Chelseas Halbfinal-Einzug sogar noch durch den Ausgleichstreffer von Javi Garcia in Gefahr.
Erst Raul Mereiles' Tor in der zweiten Minute der Nachspielzeit sicherte endgültig das Halbfinalticket.
Kapitän Terry verletzt
Ein Wermutstropfen könnte die Verletzung von Abwehrchef John Terry sein. Der Kapitän der Blues musste in der zweiten Halbzeit aufgrund von Atemproblemen ausgewechselt werden.
Wie sich herausstellte, hatte sich Terry schon im Hinspiel zwei Rippen gebrochen. "Ich bekam keine Luft und meine Brust zog sich zusammen", sagte der 31-Jährige nach dem Spiel.
Ob und wie lange der Innenverteidiger ausfällt, ist noch unklar. Sein Fehlen kann Chelsea allerdings nur schwer kompensieren.
Ohne Terry, der Kapitän fiel mit einer Knieverletzung aus, strauchelten die Londoner Anfang des Jahres, was letztendlich das Aus für Trainer Andre Villas-Boas bedeutete.
Richtungsweisende Wochen
Chelsea steht vor einem richtungsweisenden Monat. Acht Spiele in 26 Tagen stehen auf dem Programm der "Blues", inklusive der Partien gegen Barcelona.
"Es ist eine große Leistung zum sechsten Mal in neun Jahren das Halbfinale zu erreichen, aber wir wollen bis zum Ende im Wettbewerb bleiben", rief Terry das Ziel aus und stellte nach sieben Siegen in den letzten neun Spielen das zurückgewonnene Selbstvertrauen zur Schau.
"Barcelona ist ein sehr gutes Team, aber auch wir sind zuhause wie auswärts ein sehr starkes Team."
Benfica hadert mit dem Schiedsrichter
Auf Seiten der Portugiesen regierte dagegen der Ärger auf Schiedsrichter Damir Skomina die Nachbetrachtung des Spiels.
Benficas Präsident Luis Felipe Vieira war nach dem Spiel außer sich und plant eine offizielle Beschwerde beim portugiesischen Verband einzureichen. Auslöser war die äußerst kleinliche Spielführung des Referees und der daraus resultierende frühe Platzverweis für Maxi Perreira.
"Wir waren das bessere Team und hätten es verdient gehabt in die nächste Runde zu kommen, aber andere Faktoren haben uns daran gehindert. Uns fehlte das Glück", sagte Vieira nach dem Spiel.
"Chelsea hat keine Chance"
Schon im Hinspiel fühlte sich Benfica vom Schiedsrichter benachteiligt, als ein Handspiel von Terry im Strafraum nicht geahndet wurde.
Auch Trainer Jorge Jesus blies ins gleiche Horn: "Wir wurden unglücklicherweise vom Schiedsrichter bestraft und ich fühle mich ungerecht behandelt, aber das ist Fußball."
Eine kleine Spitze gegen die Londoner konnte sich der Coach dabei auch nicht verkneifen. "Was schmerzt, ist, dass wir in diesem Jahr schon bessere Teams als Chelsea ausgeschaltet haben. Ich mag falsch liegen, aber ich glaube, dass Chelsea keine Chance gegen Barcelona hat."

