Drogba trifft Barca und Messi tief ins Mark
London - Der FC Barcelona hat auf seinem Weg zu einer erfolgreichen Titelverteidigung in der Champions League einen herben Rückschlag erlitten.
Der spanische Meister unterlag zum Auftakt seiner Woche der Wahrheit an der Stamford Bridge dem FC Chelsea im Halbfinal-Hinspiel 0:1 (0:1) und steht nun beim Rückspiel am kommenden Dienstag im heimischen Camp Nou unter enormen Druck (DATENCENTER: Champions League).
Didier Drogba erzielte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+2) den goldenen Treffer für den Finalisten von 2008.
"Nah dran am perfekten Spiel"
Chelseas Interimstrainer Roberto di Matteo schwärmte anschließend in den höchsten Tönen von der Leistung seiner Mannschaft.
"Das war sehr nah dran am perfekten Spiel. Die Mannschaft hat erneut gezeigt, mit wie viel Leidenschaft sie spielen kann. Sie haben großen Mut bewiesen und eine überragende Qualität gezeigt", sagte der Schweizer.
Guardiola: "Wir waren besser"
Barca-Coach Pep Guardiola war trotz der Niederlage nicht ganz unzufrieden.
"Wir haben besser gespielt, aber Chelsea hat eine erfahrene Mannschaft und stand mit zehn Mann hinten drin", meinte Guardiola und ergänzte: "Jetzt müssen wir eben nächste Woche wieder 24 Chancen erspielen und das Tor machen."
Letztmals hatte Barcelona am 16. Februar 2011 ein Spiel in der Königsklasse verloren (1:2 beim FC Arsenal), anschließend blieben die "Blaugrana" 16 Mal in Folge unbesiegt.
Spanier vor den Rückspielen in der Pflicht
"Der Teamgeist hat heute den Ausschlag gegeben. Wir waren mental stark und hatten auch das nötige Quäntchen Glück", sagte Chelsea-Torwart Petr Cech, der die Chancen auf den Finaleinzug bei "Sky" zunächst mit "50:50" bezifferte - dann aber schnell "40:60" hinterherschob.
Nach dem 2:1 von Bayern München gegen Barcelonas Erzrivalen Real Madrid ist das Traumfinale aus deutscher Sicht zwischen dem deutschen Rekordmeister und Barca am 19. Mai in München nach wie vor eine wackelige Angelegenheit.
Clasico am Samstagabend
Am Samstag muss Barca im Clasico gegen Tabellenführer Madrid den Rückstand von vier auf einen Punkt verkürzen - ansonsten dürfte der Traum von der Titelverteidigung zumindest schon in der Liga ausgeträumt sein.
Barcelonas Mittelfeldspieler Andres Iniesta empfand die Niederlage als äußerst unglücklich: "Wir fahren vor dem Tor nicht kaltschnäuzig genug und Chelsea hatte genau ein Chance. Jetzt müssen wir eben im Rückspiel alles klar machen."
"Chelsea wird sich wieder hinten reinstellen"
Für das Rückspiel erwartet der spanische Nationalspieler von Chelsea die identische Spielweise. "Sie werden sich auch in Barcelona hinten reinstellen. Aber im Rückspiel haben wir einen Vorteil - unsere Fans", zeigte sich Iniesta zuversichtlich.
Vor ausverkauftem Haus mit 38.039 Zuschauern machten die Hausherren von Beginn an Druck und kamen in Person von Drogba dem Tor der Katalanen auch gefährlich nahe.
Die erste richtig gute Chance hatten aber die Gäste in der neunten Minute nach toller Vorarbeit von Iniesta durch Alexis Sanchez. Der Ball prallte nach einem gekonnten Lupfer des Chilenen über Cech aber nur an die Latte (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).
Kurz darauf hatte der Chelsea-Keeper Glück, als er den Ball nach einem Schuss von Iniesta nur nach vorne abwehren konnte, Cesc Fabregas aber den Abpraller nicht verwerten konnte.
Cech ist bei Messis Kopfball zur Stelle
Die Spanier hatten nun wesentlich mehr Spielanteile, fanden aber zunächst kein Durchkommen gegen die massierte Deckung der Blues. Superstar Lionel Messi konnte immerhin in der 28. Minute durch einen Kopfball auf sich aufmerksam machen, den Cech aber problemlos entschärfte.
Chelsea, in der englischen Meisterschaft abgeschlagen, konnte sich nach starkem Beginn offensiv kaum noch in Szene setzen.
Die ehemalige Mannschaft von Michael Ballack, der 2009 mit Chelsea nach zwei denkwürdigen Halbfinalspielen gegen Barcelona ausgeschieden war, hatte Glück, dass Ashley Cole in der 43. Minute nach einem Schuss von Fabregas für seinen bereits geschlagenen Keeper auf der Linie klären konnte.
Treffer in der Nachspielzeit
In der Nachspielzeit der ersten Hälfte nutzte dann Drogba einen Fehler der Gäste gnadenlos zur glücklichen Führung von Chelsea aus.
Für den Ivorer war es der fünfte Treffer in der aktuellen Europacup-Saison. Nach dem traumatischen Spiel 2009 zeigte sich der Stürmer diesmal sehr zufrieden: "Wir haben gelernt, denn im Gegensatz zu dem Spiel vor drei Jahren, haben wir diesmal kein Tor kassiert. Das 1:0 ist ein super Resultat."
Nach der Pause verstärkte Chelsea noch mehr die Defensive, sodass es für Barcelona ein Jahr nach dem Triumph von London gegen Manchester United (3:1) immer schwieriger wurde. Doch Adriano (50.) hatte frühzeitig die Chance zum Ausgleich, fand aber in Cech seinen Meister.
Pedro trifft nur den Pfosten
Sechs Minuten später vergab Fabregas aus kurzer Distanz. Auch in der Folgezeit mühte sich der Favorit nach Kräften, konnte das Bollwerk der Engländer aber nicht knacken. In der 87. Minute war Cech erneut auf dem Posten, als er einen Kopfball von Barca-Verteidiger Carles Puyol zur Ecke parierte.
In der Nachspielzeit prallte der Ball nach einem Pfostenschuss von Pedro zurück ins Feld. Busquets setzte die Kugel aber freistehend weit über das Tor.

