Mit dem Traumduo auf den Spuren von 1997
Von Christian Paschwitz
München - In der Bundesliga ist Borussa Dortmund nach der Gala gegen Bayer Leverkusen (3:0) wieder voll in der Spur.
In der Königsklasse wollen die Westfalen nun auch endlich erfolgreich loslegen und an den glorreichen Triumph von 1997 anknüpfen.
Der Erfolgscoach von damals, Ottmar Hitzfeld, macht dem BVB vor dem Aufgalopp gegen Ajax Amsterdam (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) bei SPORT1 Mut: "Dortmund ist klarer Favorit. Sie haben mehr individuelle Klasse, sind in Form und ein Sieg ist Pflicht."
Die Voraussetzungen für den von Hitzfeld geforderten Sieg sind gut.
Wiedergutmachung ist angesagt
Denn sein Nachfolger auf der Trainerbank, Jürgen Klopp kann womöglich erstmals Mario Götze und Marco Reus gemeinsam in die Startelf beordern - "Reutze" zum Ersten.
Doch ungeachtet seines Zauber-Duos will der BVB vor allem seine Lektion gelernt haben aus dem blamablen Vorrunden-Aus im Vorjahr. Wiedergutmachung lautet die Botschaft: "Wir dürfen nicht mehr so naiv sein und versuchen, den Gegner zu beherrschen", sagt Ilkay Gündogan bei SPORT1.
Hummels glaubt: "Einen Tick klüger"
Mats Hummels sieht die junge Mannschaft inzwischen "einen Tick klüger", auch für Kapitän Sebastian Kehl hat das Team "die Lehren gezogen, wir sind einen Schritt weiter".
Und Coach Jürgen Klopp zieht großen Optimismus aus der "Rolle, die Bayern München in der Champions League gespielt hat, wie wir dann gegen die Bayern gespielt haben und wie stabil das war. Das verschafft Einschätzungshilfen".
Das Selbstvertrauen in die eigenen Strärken ist groß - der öffentliche Druck jedoch mindestens genauso.
Gruppe mit Real und City
Denn sollten die Westfalen - nun immerhin zweimal hintereinander deutscher Meister und zudem DFB-Pokalsieger - in der Champions-League-Gruppenphase erneut derart früh scheitern, würde das wohl traumatische Spuren hinterlassen.
Ungeachtet der Tatsache, dass die Dortmunder neben Amsterdam mit Manchester City und Real Madrid in einer so genannten Hammergruppe spielen. ( SERVICE: Die Gegner von Dortmund)
Es sei die Herausforderung des BVB, "in der Champions League zumindest zu überwintern", sagt denn auch Sportdirektor Michael Zorc. Zumal sich die Schwarz-Gelben 2010 auch schon aus der Europa League sang- und klanglos veranschiedet hatten.
"Erfahrung wird nicht in Flaschen abgefüllt"
Die Reife fürs Weiterkommen glauben sie in Dortmund nun zu haben. "Wir haben vorher nie geglaubt, dass Erfahrung so wichtig ist", erklärt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.
Klopp philosophiert dazu gar: "Erfahrung wird nicht in Flaschen abgefüllt und ausgeteilt, die muss man machen. Die Champions League hat ein bisschen verloren von der Besonderheit, die einen hemmt."
Jetzt aber "fühlen wir uns absolut dazugehörig. Es kann losgehen."
Reus und Götze gemeinsam?
Nicht auszuschließen, dass der Coach dafür auch erstmals Reus und Götze gemeinsam aufbietet. In den bisherigen drei Liga-Partien durften die Ausnahmekönner im offensiven Mittelfeld insgesamt erst 30 Minuten gemeinsam wirbeln.
Nach auskurierter Schambeinentzündung kommt Götze aber immer besser in Fahrt, könnte wie zuletzt gegen Leverkusen, als 17-Millionen-Euro-Einkauf Reus zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, wieder als Zehner agieren.
Wie auch immer: Ausweichen müsste einer der beiden Ballkünstler dann wohl auf die linke Angriffsseite, wo Klopp dann Kevin Großkreutz rausnehmen müsste. Rechts ist der zuletzt überragende Jakub Blaszczykowski unentbehrlich.
Lewandowski warnt
"Wir alle wissen, dass Mario ein Klassekicker ist und werden noch viel Spaß an ihm haben. Er braucht jetzt Spielpraxis", macht sich sogar Reus stark für seinen kongenialen Offensivpartner stark.
Über allen Personalspekulationen steht aber auch für den Nationalspieler, die "Gruppenphase zu überstehen. Dafür werden wir für den Verein und die Fans alles geben."
Ein erfolgreicher Start in die Gruppe mit der Qualität von vier aktuellen Meistern und drei ehemaligen Champions-League-Siegern ist quasi Pflicht.
"Wenn wir nicht Dritter oder wieder Vierter werden wollen, müssen wir dieses Spiel gewinnen", warnt Torjäger Robert Lewandowski.
Erinnerungen an 1997
Wobei ein Unentschieden oder gar eine Niederlage noch lange nicht das Ende aller Träume bedeuten muss.
Zur Erinnerung: In der Saison 1996/97 verloren die Dortmunder zu Hause unter anderem gegen Atletico Madrid, spielten zudem Remis gegen Widzew Lodz - um als Gruppenzweiter doch noch weiterzukommen.
Am Ende war der BVB, auch damals als zweimaliger Meister ins Rennen gegangen, Champions-League-Sieger und reckte nach einem 3:1-Finalsieg gegen Juventus Turin den Henkelpott in die Höhe.