Erfolgreicher Neustart mit alten Schwächen
Vom FC Bayern berichten Matthias Becker und Martin Volkmar
München - Bastian Schweinsteiger verzichtete darauf, sich den Ball zu nehmen.
Er hatte seine persönliche Teufels-Austreibung beim 2:1-Erfolg des FC Bayern gegen den Valencia schon hinter sich. ( Spielbericht)
Der schwache türkische Schiedsrichter Firat Aydinus hatte den Gastgebern in der Nachspielzeit doch noch einen Elfmeter gewährt.
Der Ball lag vor dem rechten Tor bereit, jenem, auf das die Bayern auch beim Final-Drama gegen den FC Chelsea exakt vier Monate zuvor gezielt hatten.
Doch nicht Schweinsteiger, sondern Mario Mandzukic lief an - und scheiterte.
Es war die passende Schlusspointe unter einem gelungenen aber nicht perfekten Abend für die Bayern. (DIASHOW Bilder des Spiels)
Bayern behalten die Geduld
Offensichtlich sind keine Champions-League-Spätfolgen zurückgeblieben beim Rekordmeister, der erstmals wieder in der Königsklasse an dem Ort spielte, wo der große Traum vom Titel im Mai zerplatzte. (DATENCENTER: Champions League)
Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes war von Beginn an hellwach.
Sie ließ sich von den geschickt verschiebenden Spaniern nicht in die Konter-Falle locken und wartete geduldig auf die Gelegenheit, zuzuschlagen.
"Besonders in der ersten halben Stunde war es ein Geduldsspiel, weil Valencia in der Defensive erstklassig organisiert war. Das 1:0 hat uns beflügelt", sagte Heynckes.
Schweinsteiger und Kroos als Antreiber
Vor allem Toni Kroos und Schweinsteiger glänzten im Mittelfeld als Taktgeber und Torschützen, die Erinnerung an seinen fatalen Elfmeter-Fehlschuss aus dem Mai verblasst langsam.
"Das ist Schnee von gestern. Dass man es nie vergessen wird, ist klar. Aber es hat nichts mit dem Auftreten gegen Valencia zu tun", sagte er im "ZDF".
"Man merkt, dass er wieder Spaß am Fußballspielen hat. Er fühlt sich fit und gesund und das zeigt sich auf dem Spielfeld", sagte Heynckes über sein Ex-Sorgenkind.
Kroos hatte gleich mehrere gute Chancen und nutzte die dritte zum vorentscheidenden 2:0.
Schweinsteiger lobt Martinez
Dass er auf seiner Lieblingsposition zentral offensiv wirbeln durfte, hatte der Nationalspieler vor allem Neuzugang Javi Martinez zu verdanken.
Musste Kroos in der Vorsaison noch häufig in der defensiven Zentrale aushelfen, durfte dort nun erstmals der spanische Neuzugang von Beginn an seine Qualitäten andeuten.
"Ich denke, dass es schon gut war. Javi ist ein intelligenter Spieler, man merkt das. Er macht sehr viele Dinge richtig", lobte Schweinsteiger seinen Nebenmann.
Heynckes sieht allerdings noch Luft nach oben:
"Er war sehr vorsichtig und wollte keine Fehler machen. Ich weiß, was er zu leisten im Stande ist. Da können wir noch viel mehr erwarten."
Rotation ohne Qualitätsverlust
Der Coach genoss den Luxus sichtlich, den ihm der breitere Bayern-Kader bietet. Mit Franck Ribery, Arjen Robben, Claudio Pizarro und Martinez rotierte er gleich vier Spieler in die Startelf.
"Das Leben wäre ja langweilig, wenn man nicht irgendwann eine Überraschung einbaut", erklärte Heynckes.
"Wir haben ein Riesenpensum bis Dezember. Ich denke, jetzt haben wir den qualitativ guten Kader, um zu rotieren."
Nachlässigkeiten in Halbzeit zwei
Alles eitel Sonnenschein also in München? Nicht ganz. Denn ein paar Gespenster aus dieser verfluchten Nacht gegen Chelsea schauten dann doch noch vorbei.
Wie schon im Finale gegen die Blues verpassten es die Bayern lange Zeit, ihre Dominanz angemessen in Tore umzusetzen.
Kurz vor Schluss kassierten sie dann nach einer Standardsituation zudem noch ein völlig überflüssiges Gegentor durch den Eyx-Dortmunder Nelson Valdez.
"Am Ende machen wir es uns selbst ein bisschen schwierig", analysierte Robben korrekt.
"Das Gegentor zum Schluss war unnötig, und wir hätten früher das zweite Tor erzielen müssen", pflichtete ihm Kapitän Philipp Lahm bei.
Rummenigge warnt vor Final-Träumen
Diese Unkonzentriertheiten müssen die Bayern abstellen, wenn die "Road to Wembley" zum Finale in London am 25. Mai 2013 bis zum Ende gegangen werden soll.
Doch "Sky"-Experte und Ex-FCB-Kapitän Stefan Effenberg ist sich sicher: "Wer den Titel will, muss Bayern aus dem Weg räumen."
Für Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge kommen solche Gedanken aber noch viel zu früh.
"Die Champions League ist wie ein Marathonlauf", stellte er fest: "Wir haben gerade mal 1,2 Kilometer hinter, aber noch 40 vor uns."