Retter Messi jagt Raul und kaschiert Barcas Schwächen
Barcelona/London - Lionel Messi strich sich immer wieder schüchtern durch seine Strubbelhaare und sprach mit leiser Stimme.
Natürlich spielte der Superstar seine herausragende Leistung herunter, natürlich stellte er seine Mannschaft in den Vordergrund.
Der Glamour-Faktor ist bei Messi eben gleich null, doch auf dem Platz überstrahlt der 1,69 m kleine Argentinier alles.
Beim 3:2-Zittersieg des FC Barcelona gegen Spartak Moskau ( Bericht) trumpfte der Weltfußballer wieder einmal groß auf.
Der Dribbelkünstler bewahrte sein Team mit einem späten Doppelpack (71. und 80.) vor einem Fehlstart in die neue Champions-League-Saison und der ersten Europacup-Heimniederlage seit drei Jahren.
Superlative gehen aus
Die erneute Messi-Gala brachte die Zeitungsschreiber aber ins Schwitzen, denn ihnen gehen so langsam die Superlative aus. (DIASHOW: Die Spiele am Mittwoch)
"Über Messi zu schreiben bedeutet, sich zu wiederholen. Aber was der Kerl auf die Beine stellt, ist einfach nicht normal", schrieb die "AS".
Konkurrenzblatt "Sport" versuchte es zumindest mit einem Wortspiel und adelte den Ausnahmekicker mit einem russischen Herrschertitel: "Zar Messi lässt Spartak erfrieren."
Rekordjäger betont bescheiden
Es ist bekannt, dass der Gepriesene auf derlei Lobhudeleien wenig bis gar nichts gibt.
"Meine Tore sind nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Mannschaft ihren Weg fortsetzt, und dass wir weiter gewinnen", sagte Messi hinterher gewohnt unspektakulär.
Mit seinen Champions-League-Toren Nummer 52 und 53 machte er aber weiter an Boden gut zum Rekordtorschützen Raul (71).
Pique-Aus verschärft Defensiv-Probleme
Messis Offensivfeuerwerk konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Barca in der Defensive Probleme hat.
Die Abwehr wirkte gegen den russischen Vizemeister ein ums andere Mal unsortiert, zudem verletzte sich Innenverteidiger Gerard Pique am Fuß.
Der 25-Jährige fällt zwei bis drei Wochen aus. Sein Einsatz im "Clasico" gegen Real Madrid am 7. Oktober ist ebenso gefährdet wie der von Abwehrkollege Carles Puyol.
Borissow überraschend Spitze
In der Gruppe F überraschte der nächste Gegner des deutschen Rekordmeisters Bayern München.
Der weißrussische Titelträger BATE Borissow setzte sich bei OSC Lille mit 3:1 durch - und steht an der Tabellenspitze. (DATENCENTER: Champions League)
"Es war unser erster Sieg, ein historischer also, und das gegen ein sehr starkes Team", sagte der ehemalige Bundesligaprofi Alexander Hleb.
Er warnte jedoch vor zu viel Euphorie: "Das war nur der erste Schritt. Wir müssen jetzt Spiel für Spiel angehen."
Ferguson wettert trotz Sieg
Überhaupt nicht in Feierlaune war Sir Alex Ferguson, obwohl der Teammanager mit Manchester United beim 1:0 gegen Galatasaray Istanbul den 100. Sieg in der Champions League eingefahren hatte.
"Wir haben die Bälle leichtfertig verloren. Es sieht uns gar nicht ähnlich, dass wir so leichtsinnig spielen", wetterte Ferguson.
Sauer war der 70-Jährige vor allem auf den Portugiesen Nani, der in der 53. Minute einen Foulelfmeter verschoss, obwohl er gar nicht als Elfmeterschütze vorgesehen war.
Kritik an Schiedsrichter Stark
Einen Strafstoß hätten die Türken auch gerne gehabt, eigentlich sogar zwei.
Doch der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark zeigte bei den Fouls an Umut Bulut und Aydin Yilmaz nicht auf den Punkt, wofür der Ergoldinger in der türkischen Presse scharf kritisiert wurde. "Wolfgang Stark klaut Galatasaray den Lohn", schrieb "Fotomac".
Chelsea leichtfertig
Während sich das Team um den ehemaligen Dortmunder Shinji Kagawa aber zumindest über drei Punkte freuen durfte, musste sich Ligarivale FC Chelsea mit einem 2:2 gegen Juventus Turin begnügen.
Dabei hatte der Titelverteidiger gegen den italienischen Meister zwischenzeitlich mit 2:0 geführt.
Der überragende Oscar, 32-Millionen-Einkauf von Internacional Porto Alegre, hatte mit einem Doppelpack (31. und 33.) ein famoses Champions-League-Debüt gefeiert.
Oscar debütiert mit Traumtor
"Er hat einen perfekten Job gemacht. Das zweite Tor war wunderschön", sagte Chelseas Teammanager Roberto Di Matteo.
Bei der Ballannahme hatte Oscar zwei Gegenspieler genarrt und aus der Drehung von der Strafraumgrenze in den Winkel geschossen.
Allerdings war Juve durch Treffer des Ex-Leverkuseners Arturo Vidal (38.) und von Fabio Quagliarella (80.) noch zum Ausgleich gekommen.