FCB: Alte Fehler und neue Fallstricke
Die Seuche hatte Mitte der zweiten Hälfte sogar die besten Bayern-Spieler der letzten Wochen angesteckt: Franck Ribery spielte unsaubere Pässe, Thomas Müller schlug mehr als eine Flanke zum Haareraufen.
Dabei stand es zu dem Zeitpunkt nur 1:0 für Bate Borissow. Am Ende siegten die Weißrussen 3:1 ebenso überraschend wie verdient.
Um die Bedeutung dieses Ergebnisses deutlich zu machen: Der Etat des Außenseiters liegt unter zehn Millionen Euro und damit unter dem mancher deutscher Zweitligisten, mehr als 600.000 Dollar hat Bate übrigens noch nie für einen Spieler ausgegeben.
Die Bayern zeigten an diesem für sie vermaledeiten Champions-League-Abend all jene schlechten Eigenschaften, die sie schon abgeschüttelt geglaubt hatten.
Nach den ersten vergebenen Großchancen wurde die Startruppe fahrig und wankte in der Defensive wie Oktoberfestbesucher, die im Fahrgeschäft "Wilde Maus" übermütig ein paar Runden zu viel gedreht haben.
Nicht nur Holger Badstuber fehlte in einigen Situationen die nötige Konzentration.
Vor der Partie hatte zudem Coach Jupp Heynckes ein eigenwilliges Zeichen an seine Mannen gesendet: Leitwolf Bastian Schweinsteiger rotierte aus der Startelf, auf der Doppelsechs packte er erstmals in dieser Saison Javier Martinez und Luiz Gustavo zusammen.
Zwei Defensivstrategen sollten sich darum bemühen, das Spiel zu lenken, letztlich traten zwei Mann gemeinsam auf die Bremse.
Mit der Atempause für Schweinsteiger deutete Heynckes an, dass Bayern gegen Bate eben auch ohne den Leader auskommen könnte.
Doch so stabil, wie sich die Bosse das wünschen, sind die Münchner trotz zuvor neun Pflichtspiel-Siegen nicht.
Die bisher so starken Bayern verpassten den Startrekord, und es erfüllte sich nebenbei der Unkenruf von Sportvorstand Matthias Sammer, der den FCB ja schon in Bremen "nicht hellwach, nicht gallig" fand.
Heynckes echauffierte sich vor dem Spiel über diese aus seiner Sicht überzogene Kritik an seinem Team. Und intern hätte das Sammer äußern sollen, nicht in der Öffentlichkeit.
Dabei hatte der Sportvorstand selbst betont, sich am Samstag mit Heynckes abgesprochen zu haben.
Diese Absprache dürfte nicht allzu genau gewesen sein, anders ist die spitzzüngige Antwort des Cheftrainers nicht zu erklären.
In der Champions-League-Gruppe ist für Bayern trotz der Pleite in Weißrussland weiterhin alles möglich. Damit die Ziele erreicht werden, müssen die Münchner aber nicht nur am Auftritt der Mannschaft feilen.

