Schalke wirft Sieg weg und verliert Draxler
Gelsenkirchen - Bundesligist Schalke 04 hat in der Champions League eine Vorentscheidung um den Einzug ins Achtelfinale fahrlässig vergeben.
Die Königsblauen mussten sich trotz einer 2:1-Führung in Überzahl mit einem bitteren 2:2 (1:1) gegen den französischen Meister HSC Montpellier begnügen. ( DATENCENTER: Die Champions League)
Souleymane Camara (90.) bestrafte in der hektischen Schlussphase die Schalker Nachlässigkeit.
Zuvor hatte der tragische Held Julian Draxler die Königsblauen vom zweiten Sieg im zweiten Gruppenspiel träumen lassen. Der 19-Jährige erzielte nicht nur nach dem frühen Rückstand den Ausgleich (26.).
Huntelaar trifft vom Punkt - Draxler mit Bruch raus
Der Jung-Nationalspieler holte auch den Foulelfmeter heraus, den Torjäger Klaas-Jan Huntelaar zur zwischenzeitlichen Führung nutzte (53.). Zuvor hatte Karim Ait-Fana (13.) die Franzosen in Führung gebracht.
Draxler wurde aber zum tragischen Helden, nachdem er sich in den Strafraum gedribbelt hatte, erlitt er beim Foul durch Garry Bocaly einen Bruch am linken Unterarm. (DIASHOW: Bilder des 2. Spieltags)
Bocaly sah die Rote Karte, Draxler musste mit schmerzverzerrtem Gesicht und dick bandagiertem Handgelenk vom Feld getragen und ins Krankenhaus gebracht werden.
"Unser Problem war im Ballbesitz"
"Wir hätten das Spiel nach Hause bringen und unsere Chancen nutzen müssen. Unser Problem war im Ballbesitz, wenn wir die Situationen nicht gut zu Ende spielen. Es darf nicht sein, dass sich dann noch Konter für den Gegner ergeben. In einem Champions-League-Spiel wird so etwas bestraft", sagte Schalke-Coach Stevens.
Schalke-Kapitän Höwedes ärgerte sich über die verpasste Wiedergutmachung und das zweite unnötige 2:2 fünf Tage nach dem Remis gegen Fortuna Düsseldorf.
"Wir waren spieldominant. Wir kriegen es einfach nicht rein, dass wir Spiele vorzeitig entscheiden. Das tut weh", sagte der Abwehrspieler. Torschütze Huntelaar monierte: "Wir spielen zu ängstlich."
Unterdessen sorgte Montpellier-Trainer Rene Girard für einen Eklat. Der 58-Jährige, der während der Partie immer wieder mit Stevens aneinander geraten war, zeigte seinem Gegenüber nach Spielende den ausgestreckten Mittelfinger ( News).
Chancen weiter gut
Mit vier Punkten aus den ersten beiden Gruppenspielen haben die Königsblauen aber immer noch gute Chancen, zum dritten Mal in der Klubgeschichte das Achtelfinale in der Königsklasse zu erreichen.
In der nächsten Partie am 24. Oktober beim FC Arsenal geht es um die Tabellenführung.
Fünf Tage nach dem ärgerlichen 2:2 beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf begannen die Schalker extrem vorsichtig. Die Gäste kontrollierten das Spiel und ließen den Ball fast ungestört durch ihre Reihen laufen.
Schalke zu passiv
Das 1:0 durch Ait-Fana, der von der Strafraumgrenze in den Winkel traf, war die logische Folge der Schalker Passivität.
Erst danach wachten die Gastgeber auf. Draxler gab die ersten Schüsse aufs Tor ab, blieb aber erfolglos (15./19.). Torjäger Klaas-Jan Huntelaar übersah den mitgelaufenen Teemu Pukki (22.).
Besser klappte es vier Minuten später: Huntelaar setzte Draxler mit einem Steilpass in Szene, der Jungstar spielte Montpelliers Torwart Geoffrey Jourdren aus und erzielte mit seinem ersten Champions-League-Tor den Ausgleich.
Immer wenn Schalke das Tempo anzog, verlor der Tabellen-13. der Ligue 1 seine Ordnung - und die Gastgeber kamen zu Chancen. So scheiterte Pukki an Jourdren (47.).
Bocaly foult Draxler
Vor dem 2:1 dribbelte sich Draxler in den Strafraum und wurde von Bocaly von den Beinen geholt. Huntelaar, der beim 2:1 bei Olympiakos Piräus vom Elfmeterpunkt noch gescheitert war, traf diesmal sicher.
Es war im 22. Europapokalspiel für die Gelsenkirchener das 19. Tor des Niederländers.
Pech hatte Huntelaar mit einem Volleyschuss, den Jourdren glänzend parierte (65.). Trotz der Unterzahl blieb Montpellier in der Folge im Vorwärtsgang und drängte auf den Ausgleich.
Schalke wirkte in der Phase nach der Verletzung von Draxler hingegen geschockt - und wurde am Ende mit dem Ausgleich verdient bestraft.
Stevens krempelt Elf um
Huub Stevens, der seit einem Jahr wieder Trainer auf Schalke ist, krempelte seine Mannschaft gegenüber dem Düsseldorf-Spiel gleich auf vier Positionen um.
Innenverteidiger Joel Matip, Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta und Offensiv-Allrounder Ibrahim Afellay mussten auf die Bank, US-Nationalspieler Jermaine Jones fiel wegen einer Sprunggelenksverletzung aus.
In die Anfangself rückten Atsuto Uchida in der Abwehr, Marco Höger und Draxler im Mittelfeld sowie überraschend Pukki im Sturm.
Für den Finnen war es der erste Saisoneinsatz von Beginn an. Flügelflitzer Jefferson Farfan, der nach seinem Innenbandanriss im Sprunggelenk erst am Dienstag erstmals wieder trainiert hatte, saß zunächst auf der Bank, wurde aber in der 66. Minute aber für Pukki eingewechselt.