Nach Derby-Kater: BVB baut auf Manchester-Effekt
Von Jakob Gajdzik und Matthias Becker
München - Zeit zum Luftholen bleibt keine.
Nur vier Tage nach der Derby-Pleite gegen Schalke 04 (1:2) steht Borussia Dortmund der nächste Kracher bevor.
Am 3. Spieltag der Gruppe D kommt Real Madrid mit den beiden Nationalspielern Mesut Özil und dem wiedergenesenen Sami Khedira sowie Superstar Cristiano Ronaldo ins Ruhrgebiet (Mi., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und testet das junge BVB-Team auf ihre internationale Tauglichkeit.
Neben dem angekratzten Selbstvertrauen plagen Trainer Jürgen Klopp gegen die Spanier weiterhin große Personalsorgen, denn die gegen Schalke fehlenden Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer und Mario Götze drohen auch gegen Real auszufallen.
Hoffen auf Götze-Einsatz
Die größte Hoffnung besteht bei Mario Götze, der nach seiner Muskelverhärtung im Oberschenkel wieder Sprinttraining absolviert.
Gegen Ronaldo und Co. wird Klopp nach der "schwächsten Saisonleistung" (BVB-Boss Hans-Joachim Watzke) wohl wieder auf das bewährte 4-2-3-1-System zurückgreifen, nachdem seine Radikal-Umstellung auf das 3-5-2 gegen Schalke gründlich danebengegangen war.
Trotz der ungünstigen Ausgangslage bleibt Sportdirektor Michael Zorc vor der Partie optimistisch.
Zorc erwartet Trotzreaktion
"Ich glaube, dass wir zu Hause eine sehr gute Chance haben", blickt der 50-Jährige bei SPORT1 auf das Spiel voraus und ergänzt:
"Real könnte genau der richtige Gegner sein. Ich erwarte eine Trotzreaktion."
Dabei schöpft "Susi", wie die BVB-Ikone von Dortmunds Fans genannt wird, seine Hoffnung vor allem aus dem letzten Auftritt in der Königsklasse.
"Die Mannschaft hat in Manchester gezeigt, dass sie auf höchstem Niveau spielerisch mithalten und ihr Spiel durchsetzen kann", sagt Zorc:
"Wir müssen uns vor niemandem verstecken, auch wenn Real Madrid und Barcelona vielleicht das Nonplusultra des europäischen Fußballs darstellen."
Beim englischen Meister stand der BVB nach einer bärenstarken Leistung kurz vor dem Sieg, bevor Mario Balotelli kurz vor Schluss einen fragwürdigen Handelfmeter zum 1:1-Ausgleich verwandelte.
Selbstvertrauen aus Manchester
"Das Spiel in Manchester hat dem Selbstvertrauen in der Tat gut getan. Gerade unsere jungen Spieler haben noch nicht so viele Erfahrungswerte und haben gemerkt, dass wir durch eine sehr gute Leistung mit den besten Mannschaften der Welt konkurrieren können", hofft Zorc trotz der vergebenen Punkte zumindest auf einen Lerneffekt.
Das Spiel gegen Real ist für ihn sogar noch eine Stufe höher einzuschätzen als gegen City.
"Es ist natürlich ein absolutes Highlight, gegen Real Madrid zu spielen. Das durfte ich als Aktiver auch. Das ist der Lohn für die Jungs, für solche Begegnungen haben sie viele Jahre gearbeitet", so der BVB-Manager zu SPORT1.
Dreifach-Belastung kein Thema
Dass seiner Mannschaft durch die Dreifachbelastung die Kräfte schwinden, glaubt er nicht:
"Die Mannschaft hat auch in den vergangenen zwei Jahren schon bewiesen, dass sie damit gut umgeht."
Der Gegner aus Madrid kommt mit sechs Punkten aus zwei Spielen, aber auch einer Menge Respekt nach Dortmund. ( DATENCENTER: Die Champions League)
Trainer Jose Mourinho warnte im Vorfeld besonders vor Nationalspieler Marco Reus, der gegen Manchester mit dem Führungstreffer glänzte, und der Kopfballstärke von Robert Lewandowski.
Der Portugiese weiß auch, dass sein Team mit einer Horror-Bilanz nach Deutschland reist.
Horror-Bilanz für Real
Von bisher 23 Spielen bei Bundesligisten konnten die Königlichen sage und schreibe erst ein einziges gewinnen. Am 27. September 2000 feierte Real in der Vorrunde der Champions League einen 3:2-Erfolg bei Bayer Leverkusen. Dazu gab es sechs Unentschieden und 16 Niederlagen.
Ändern soll das Reals Offensive. Mit sieben Treffern in zwei Spielen sind die Königlichen bisher in der Champions League am gefährlichsten.
"Ein anderes Gesicht zeigen"
Das Dortmunder Motto kann also nur sein, die Spanier mit einer offensiven Marschroute vom eigenen Tor wegzuhalten und die zuletzt wackelige Defensive zu entlasten.
Das bedeutet für Lewandowski, Reus und Co. viel Laufarbeit und Disziplin, denn sonst droht gegen Real der zweite Nackenschlag binnen einer Woche.
Abwehrchef Mats Hummels glaubt nicht daran: "Wir wollen gegen Real ein ganz anderes Gesicht zeigen."
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Großkreutz (Löwe) - Bender, Kehl - Reus, Götze, Perisic - Lewandowski
Real Madrid: Casillas - Sergio Ramos, Varane, Pepe, Essien - Khedira, Xabi Alonso - di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo - Higuain (Benzema)