Revolution im Sch'ti-Land
Philippe ist Postbeamter und wird von Südfrankreich in den Norden versetzt, in die Region Nord-Pas-de-Calais.
Dort erlebt er, dass er mit all seinen Vorurteilen gegenüber dem ach so unwirtlichen und düsteren Norden danebenliegt. Herzlichkeit überall und jede Menge zupackender Hände, wenn es drauf ankommt.
Nur der Dialekt treibt den braven Philippe zum Wahnsinn.
Für die Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" haben die Filmemacher in der deutschen Übersetzung sogar einen eigenen Dialekt erfunden: Das "Häh!?" für "Wie bitte?" ist dabei besonders schrill und einprägsam.
In Lille, Zentrum von Nord-Pas-de-Calais, mache ich mich auf Spurensuche, ein Postamt befindet sich auf einem der großen Plätze der Stadt, samt Opernhaus und Glockenturm.
Einige Bayern-Fans umkreisen auch den Platz, wie ich sind sie plötzlich mitten in einer Demo.
Gut 500 Demonstranten haben sich auf die Treppenstufen der Oper gesetzt und skandieren "Un papa, une maman" ("ein Papa, eine Mama"), der Protest richtet sich dagegen, dass Homosexuelle heiraten und Kinder adoptieren dürfen.
Auf der anderen Seite, getrennt von einer Reihe gut ausgerüsteter Gendarmen, protestieren Homosexuelle und Liberale gegen den Protest und für die Homo-Ehe.
Das Ganze läuft äußerst lautstark ab, Fernsehteams sammeln Interviews. Die Stimmung ist - sagen wir - meinungsfreudig.
Und die Bayern-Fans schauen verdutzt angesichts der Mini-Revolution im Sch'ti-Land. "Häh!?"
Zeigt sich der OSC Lille genauso kämpferisch, wird die Champions-League-Partie am Dienstagabend jedenfalls eine harte Nuss für die Roten.