Dank Duracell-Dante: Kein Einkauf nötig
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München - Den Physiotherapeuten des FC Bayern möchte Jupp Heynckes nicht zur Last fallen.
Die eigenen Spieler haben Vorrang, also greift der Münchner Trainer in der Winterpause auf einen Phyiso von Borussia Mönchengladbach zurück.
Und bei ihm auf der Liege entwickeln sich oft ertragreiche Gespräche für Heynckes.
"Wenn ich zuhause bin, werden meine Knochen durchgewirbelt", berichtete der 67-Jährige von den Trips an den Niederrhein und verriet: "Ich wusste daher über den Charakter von Dante Bescheid."
Eben jener Ex-Gladbacher lässt die Bayern den mehrmonatigen Ausfall von Holger Badstuber um einiges leichter ertragen.
Viererkette im Check
Dabei ist vor dem letzten Gruppenspiel in der Champions League gegen Bate Borissow (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) dem Klub durchaus anzumerken, dass Badstubers Kreuzbandriss etwas anderes ist als eine der Verletzungen, die eben zum Knochengeschäft Bundesliga gehören.
Immerhin sind die Münchner schon fürs Achtelfinale qualifiziert, mit einem Sieg wären sie es auch als Gruppenerster und dürfen für die K.o.-Runde auf eine bessere Ausgangsposition hoffen. ( DATENCENTER: Champions League)
Nach dem Schock beim 1:1 im Ligagipfel gegen Dortmund hat Heynckes seine Viererkette begutachtet und für weiterhin sehr gut befunden.
"Wir sind gut bestückt"
"Ich bin der Meinung, wir sind da gut bestückt", sagte er auf SPORT1-Nachfrage und ergänzte, dass in bestimmten Fällen eben auch defensive Mittelfeldspieler wie Javier Martinez in der Abwehrzentale aushelfen können.
Bewusst postierte Heynckes den Spanier vor Dortmunds Torjäger Robert Lewandowski und stellte zufrieden fest: "Lewandowski hat kein einziges Kopfballduell gewonnen."
Auf dem Transfermarkt ist aus Heynckes' Sicht zudem im Winter kein Innenverteidiger zu finden, der zum internationalen Spitzenniveau des FC Bayern passt.
"Stand heute sind da überhaupt keine Überlegungen in Sicht", erklärte Heynckes - und widerspricht damit auch SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold, der Bayern einen Verteidiger-Einkauf im Winter empfiehlt ( Kolumne).
Dante "als Volltreffer"
Auch dank Abwehrchef Dante ist Heynckes' Lust auf einen defensiven Neuzugang ungefähr so groß wie auf einen Bummel über einen proppenvollen Münchner Christkindlmarkt am Wochenende.
"Dante hat bisher gezeigt, dass er ein Volltreffer ist als Einkauf", schwärmte der Coach.
"Er ist bis auf ganz wenige Ausnahmen ein Garant für die Sicherheit, die der Defensivverband ausstrahlt, er ist ruhig und gelassen und überträgt das auf die Mannschaft."
Und dann sprach Heynckes dem unermüdlichen Musterschüler, der bislang bei jedem seiner Einsätze durchspielte, noch eine Stammplatzgarantie aus. "Wenn er gesund ist, spielt er."
Dante machte angesichts dieser Kompliment-Lawine das, was er zuletzt immer in solchen Fälle machte: Er blieb gelassen.
"Es läuft super positiv"
Ob das die beste Phase seiner Karriere sei? "Könnte man so sagen", meinte der Brasilianer. "Es läuft super positiv."
Und den ehrgeizigen Lockenkopf wurmt noch immer die 1:3-Pleite Anfang Oktober bei Borissow. "Wir wollen eine Revanche", sagte er, ehe er von sich und dem Team einen Sieg forderte, um Platz eins zu sichern.
Im Achtelfinale habe man es dann etwas leichter, Barcelona oder Manchester United sind als mögliche Gegner dann ausgeschlossen.
Heynckes warnt vor Borissows Arbeitsbienen
Heynckes hat gegen Borissow bis auf Badstuber, Arjen Robben, Emre Can, Luiz Gustavo und den erkälteten Claudio Pizarro alle Spieler zur Verfügung.
Der Trainer wies sein Team fürsorglich darauf hin, wie viel Arbeit es gegen den Drittplatzierten erwartet.
"Sie sind sehr zweikampf- und laufstark", sagte er und rechnete vor, dass im Hinspiel die Bate-Spieler 128 Kilometer insgesamt runterrissen, die Bayern-Profis dagegen nur 120.
Die einzige Niederlage in der Königsklasse bislang nutzte Heynckes sogar noch als Motivationstrumpf.
Nicht auf Wolfsburgs Spuren
Gut gelaunt kommentierte er denn auch die für ihn haltlose Spekulation, ob Inter-Profi Wesley Sneijder ein Kandidat für Bayern sei.
"Wenn wir alle verpflichtet hätten, die mit uns in Verbindung gebracht wurden, würden wir jetzt Wolfsburg übertrumpfen!"
Und da er schon in Geberlaune war, verriet er auch noch seinen Lieblingsgegner für die K.o.-Runde. "Unser Ziel ist, als Gruppenerster abzuschließen. Es wird im Achtelfinale so oder so schwierig werden", betonte er.
Obendrein spiele sein Wunschgegner sowieso nicht mit in der Champions League.
Den Namen nannte er unter reichlich Gelächter im Raum: "Schneeweiß Bethlehem."
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Müller, Kroos, Ribery - Gomez
Borissow: Gorbunow - Poljakow, Radkow, Simic, Bordatschew - Olechnowitsch, Lichtarowitsch, Wolodko - Hleb, Bressan - Rodionow