Mit Bravour: Klopp-Schüler lernen im Eiltempo
Aus Dortmund berichtet Thorsten Langenbahn
Dortmund - Den ersten Teil seiner Königsklassen-Reifeprüfung hat Borussia Dortmund mit Bravour abgeschlossen.
Das 1:0 gegen Manchester City ( Spielbericht) krönte eine sensationelle Vorrunde in der Champions League, auch wenn der englische Meister eine schwache Vorstellung ablieferte ( DATENCENTER: Champions League).
"Wir haben es wesentlich besser gemacht als in der vergangenen Saison. Dass wir hier jetzt mit 14 Punkten stehen, ist der absolute Wahnsinn", sagte BVB-Torhüter Roman Weidenfeller.
Den Vorwurf, die Engländer hätten die Partie und damit die Europa Leauge vorsätzlich abgeschenkt, um den Fokus auf die Meisterschaft zu legen, konnten die Dortmunder allerdings nicht bestätigen.
Klopp: "Der hat richtig unter Strom gestanden"
Auf die Frage, warum Dortmund im Gegensatz zu ManCity immer Lust habe, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp bei "Sky": "Ich weiß nicht, ob sie so wenig Lust hatten. Wir waren unangenehm zu spielen, haben es taktisch gut gemacht. Das hat nichts mit Lust zu tun." (DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)
Der 45-Jährige ergänzte: "Hätten wir ihnen mehr Raum gegeben, wäre ManCity heute bereit gewesen. Ich habe meinem Kollegen (Roberto Mancini, Anm. d. Red.) heute ein bisschen zugeschaut, der hat richtig unter Strom gestanden."
Und wenn das einer beurteilen kann, dann Jürgen Klopp als europaweit bekannter Starkstromexperte an der Seitenlinie.
Robuste City-Stars im Griff
Im Vergleich zum 1:1 drei Tage zuvor gegen Bayern hatte der Meistertrainer seine Startelf auf sechs Positionen umgebaut.
Zwangsläufig passte die Abstimmung nicht so exakt wie sonst, dennoch kamen die Dortmunder gegen die körperlich robusten City-Stars von Beginn an gut in die Zweikämpfe.
"Dass war eines unserer besten Spiele. Wir haben als Mannschaft ein tolles Spiel gezeigt und uns viele Chancen herausgearbeitet", sagte Innenverteidiger Mats Hummels.
Balotelli für die Fans der Buhmann
Das 1:0 brachte nicht nur den Einzug ins Achtelfinale als Gruppenerster mit 14 Punkten, sondern auch einen Volltreffer bei der Weihnachtsgeschenksuche.
Hummels sicherte sich das Trikot von Mario Balotelli, der bei seiner Einwechslung in der 65. Minute von einem höllisch lauten Pfeifkonzert empfangen wurde.
"Das gehört halt dazu", sagte Marco Reus. "Sie haben sicherlich wegen der Halbfinalniederlage gegen Deutschland bei der EURO gepfiffen."
Beim 2:1 für Italien hatte Balotelli beide Tore erzielt und sich mit der kraftprotzenden Jubelpose nach seinem zweiten Treffer ins Gedächtnis der Fans eingebrannt.
Hummels: "Ein schönes Weihnachtsgeschenk"
Das konnte Hummels nicht davon abbringen, den ebenso umstrittenen wie exzentrischen Star-Stürmer um sein himmelblaues Trikot mit der Nummer 45 zu bitten.
"Ich finde, er ist ein geiler Typ und guter Fußballer", sagte Hummels. "Ich habe schon seit zwei Jahren den Auftrag, ein Trikot von ihm zu holen, aber bisher hatte es nicht geklappt. Nach dem Halbfinale, wo er uns zwei eingeschenkt hat, musste ich nicht unbedingt hin."
"Das wird auf jeden Fall ein schönes Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder. Der weiß eh, dass er das kriegt", so der 23-Jährige.
Schieber: "Ich habe
lange darauf gewartet"
Julian Schieber reichte seine Ausbeute während des Spiels völlig aus.
Das spielentscheidende 1:0 war für den Neuzugang aus Stuttgart, der ansonsten im Schatten von Torjäger Robert Lewandowski steht, erst der zweite Pflichtspieltreffer für die Schwarzgelben.
"Ich habe lange darauf gewartet, nachdem ich in der Bundesliga schon die eine oder andere Möglichkeit liegengelassen habe", sagte Schieber.
Großkreutz wünscht sich Celtic
Als Gruppenerster besitzt die Borussia nun die vermeintlich bessere Ausgangsposition bei der Auslosung fürs Achtelfinale am 20. Dezember am UEFA-Hauptsitz in Nyon.
Für Kevin Großkreutz heißt das Traumlos Celtic Glasgow, doch der Barcelona-Bezwinger kämpft heute noch im Fernduell mit Benfica Lissabon ums Weiterkommen.
"Mir ist es recht herzlich egal, gegen wen wir spielen", sagte dagegen Marco Reus auf SPORT1-Nachfrage.
"Jeder Gegner weiß, dass er mit uns zu rechnen hat. Ich freue mich schon auf die Auslosung."
Von den Lobeshymnen und dem Favoritengerede lässt sich Deutschlands Fußballer des Jahres nicht blenden.
"Es ist schön, wenn Europa davon spricht, wie wir Fußball spielen", sagt Reus. "Aber wir lassen uns davon nicht beeinflussen."
Hummels: "Ein schönes Ausrufezeichen"
Auch Mats Hummels vernebelte der erfolgreiche Trikottausch nicht den Blick fürs Wesentliche:
"In dieser Gruppe so weitergekommen zu sein, ist ein schönes Ausrufezeichen, aber wenn wir im Achtelfinale rausfliegen, bringt uns das relativ wenig."
Mitte Februar beginnt für die Schwarzgelben Teil zwei der Reifeprüfung.


