FCB-Abwehr funkt Alarm: Eine Rote Karte mit Folgen
Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Rainer Nachtwey
München - Der Sünder hatte schon den Bauch der Allianz Arena verlassen, als der FC Bayern sich so richtig mit der Roten Karte von Jerome Boateng zu beschäftigen begann.
Mit dem Blick geradeaus und begleitet von einem FCB-Mitarbeiter war der Nationalspieler nach dem 4:1-Sieg über Bate Borissow ( Bericht) davon gestiefelt.
Der Achtelfinaleinzug als Gruppenerster geschafft zu haben, das interessierte plötzlich kaum noch.
Dass seine Aktion gegen Artem Kontsevoi keine besonders gute Idee darstellte, war Boateng gleich aufgegangen.
"Man kann die Rote Karte geben, das Foul ist völlig unnötig und sieht wüst aus", schimpfte auch Jupp Heynckes ( STIMMEN: Heynckes sauer auf Boateng).
"Für mich keine Rote Karte"
Matthias Sammer - früher auf dem Feld selbst ein beachtlicher Hitzkopf - urteilte da milder als der Bayern-Trainer.
"Er muss da nicht so hingehen, kann wegbleiben, aber nichtsdestotrotz ist das für mich keine Rote Karte", kommentierte Bayerns Sportvorstand auf SPORT1-Nachfrage (DIASHOW: Die Bilder des Spieltags).
"Sehr kritisch" meinte Sammer, bewerte er den Platzverweis. Zumal Bayerns Viererkette, vor dem Dortmund-Spiel quasi noch aus Edelstahl gefertigt, plötzlich auseinanderbröselt.
Holger Badstuber fehlt seit dem vertrackten Rasen-Tritt im Liga-Gipfel monatelang mit einem Kreuzbandriss, und Boateng dürfte womöglich für die nächsten beiden Champions-League-Spiele gesperrt werden.
Das Achtelfinale wäre passe.
Kommt doch ein Neuzugang?
Und Knecht Ruprecht in Form der UEFA-Statistik erinnerte die Bayern zum Nikolaus-Tag ja auch noch daran, dass auch Abwehrchef Dante bei der nächsten Verwarnung ein Spiel pausieren muss ( DATENCENTER: Champions League).
Plötzlich schielt der deutsche Rekordmeister auch wieder auf den Transfermarkt.
"Stand jetzt müssen wir nichts tun, wir sollten es aber nicht ausschließen, nicht kategorisch Nein sagen", erklärte Sammer. Schließlich müsse der Klub auch gegen eine mögliche Verletzung in der Vorbereitung gewappnet sein.
Womöglich probieren die Münchner auch, das Ausmaß von Boatengs Fehltritt mit einer Fürsprache bei der UEFA in Grenzen zu halten.
"Da haben wir unsere Spezialisten", ließ Sammer wissen. "Wir werden uns das anschauen, das kann ich jetzt nicht beantworten."
Sieben Neue auf einen Streich
Mit sieben frischen Kräften waren die Bayern gegen Borissow angetreten und hatten den Weißrussen dank Mario Gomez' Führungstreffer rasch den Schwung genommen (Gomez im Interview).
Speziell Xherdan Shaqiri glänzte als Vorbereiter in Ribery-Manier, zudem überraschte der 1,69 Meter große Schweizer als Kopfballtorschütze.
Es lief also alles nach Plan für den FCB - bis auf den Umstand, dass der schottische Schiedsrichter William Collum in der 52. Minute nach Boatengs Grätsche sofort Rot zeigte.
"Von der Bank sah es aus, als ob es keine Rote Karte war. Er wollte den Spieler nicht verletzten", berichtete Philipp Lahm, dem Heynckes eine Verschnaufpause gegönnt hatte.
"Das ist natürlich bitter, wenn er im Achtelfinale ausfällt, wir haben nicht mehr allzu viele Innenverteidiger", stellte Lahm fest.
Exakt bleiben nur Dante und Daniel van Buyten übrig.
Hochkaräter wie Milan und Real drohen
Als Gruppenerster muss Bayern weder Manchester United noch Barcelona fürchten, allerdings drohen in den Gruppenzweiten AC Milan, Real Madrid und Arsenal andere Klubs aus dem europäischen Fußballhochadel.
Celtic Glasgow, Donezk, Galatasaray Istanbul und Porto wären da vom Papier her machbarere Aufgaben.
"Es muss umgestellt werden"
Bayern-Keeper Manuel Neuer beschäftigte die Auslosung am 20. Dezember und das Gegentor kurz vor Spielende weniger als seine nunmehr dezimierte Viererkette.
"Ich gehe davon aus, dass umgestellt werden muss", sagte Neuer.
"Wir haben einen breiten Kader. Daniel van Buyten hat sehr gut gespielt, der Javi kann auch in der Innenverteidigung spielen."
Van Buyten fühlt sich bereit
Auf Heynckes wartet bis zum nächsten Champions-League-Auftritt also ein kleines Taktikrätsel, bei dem van Buyten nur zu gerne mithelfen würde.
In typischer Manier war der Belgier gegen Borissow durch die Abwehr gepflügt, von Schwierigkeiten bei dem bisherigen Ersatzmann keine Spur.
"Ich fühle mich gut, es war gut, wieder einmal zu spielen - vor allem Champions League", sagte der 34-Jährige.
Die Zeit auf der Bank, zig Verletzungen und Blessuren dazu, hat van Buyten weggesteckt. "Profi bleiben", so einfach ging das nach seinen Worten.
Ausflüge nach vorne
Und ebenso profihaft warf sich der Abwehrhüne auch bisweilen vor dem gegnerischen Tor ins Geschehen.
"Die Kraft war da. Da habe ich bei den Standards gedacht, dass ich mit nach vorne gehe", meinte er auf SPORT1-Nachfrage.
Die Rote Karte werde übrigens am nächsten Tag analysiert. Boateng dürfte sich schönere Termine vorstellen.