Schwache Bayern stolpern ins Viertelfinale
Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Tom Vaagt
München - Die Europatour des FC Bayern geht weiter, das Finale in Wembley ist auf dem Navi aber kaum erkennbar.
Denn es kostete die Münchner mächtig Mühe, den FC Arsenal auszuschalten und das Viertelfinale der Champions League zu erreichen.
Nach einem 3:1-Sieg im Hinspiel vermochten sie vor eigenem Publikum sogar eine 0:2-Niederlage nicht zu verhindern.(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Es war zugleich die erste Pleite im Jahr 2013 überhaupt, zudem sah Javi Martinez seine dritte Gelbe Karte und ist im Viertelfinal-Hinspiel gesperrt.
Volles Risiko kommt zu spät
Die Bayern steckten zwar das frühe Gegentor durch Olivier Giroud weg (3.), brauchten aber einige Zeit, um Zugriff auf die Partie zu bekommen. Kurz vor Schluss kassierte der Bundesliga-Spitzenreiter gar das 0:2 durch Laurent Koscielny (85.) und musste noch heftig zittern.
Die Londoner gingen viel zu spät volles Risiko, somit steht kein einziges Premier-League-Team in der Runde der besten Acht.
"Der frühe Rückstand war nicht programmiert, damit haben wir dem Gegner in die Karten gespielt", sagte FCB-Trainer Jupp Heynckes: "Wir haben das Spiel nicht wie gewohnt kontrolliert, nicht die Ruhe gehabt. Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen."
Bayern mit Robben und Luiz Gustavo
Heynckes brachte wie erwartet Arjen Robben für den verletzten Franck Ribery. Im defensiven Mittelfeld übernahm Luiz Gustavo den Platz des gelbgesperrten Bastian Schweinsteiger.
Arsenal musste in dem wichtigen Match ohne den angeschlagenen Lukas Podolski auskommen, sein DFB-Teamkollege Per Mertesacker stand indes in der Startelf.
Ob es der weiße Rauch aus Rom war, der die entschiedene Papstwahl verkündete, oder das Gefühl des vermeintlich sicheren Vorsprungs, ist unklar. Jedenfalls verpennten die Bayern die Startphase dramatisch.
Giroud erwischt Bayern eiskalt
David Alaba rutschte weg, als der Ex-Dortmunder Tomas Rosicky auf rechts Theo Walcott einsetze. Dessen Pass landete exakt auf dem Fuß von Giroud. Und der Franzose donnerte den Ball aus fünf Metern ins Netz (3.).
Damit erfüllte er sich den Wunsch, den er vor dem Spiel geäußert hatte: ein frühes Tor und die Münchner sollten zittern. Das taten sie aber allenfalls angesichts der lauen
Fan-Unterstützung in der ausverkauften Arena und minus zwei Grad Außentemperatur.
Auf dem Feld berappelte sich der deutsche Rekordmeister dagegen allmählich. Allerdings war das Fehlen von Schweinsteiger und Ribery in mehr als einer Aktion spürbar.
Müller ans Außennetz
Mit großem Laufpensum mühte sich Robben um Akzente. Allei die Spritzigkeit fehlt dem Niederländer wie bei einer kläglich vergebenen Konterchance (27.). Und auch die Abschlüsse des Filigrantechnikers waren wenig gefährlich wie der Versuch wenig später (28.).
Immerhin schaffte der FCB in dieser Phase etwas Torgefahr, Thomas Müller setzte so den Ball ans Außennetz (30.)
Mertesacker hatte zuvor gedankenverloren für Müller aufgelegt.
Bis zur Pause ging es mit Rasenschach weiter, die Münchner kontrollierten das Geschehen weitgehend, Arsenal schien sich den ganz großen Sturmlauf für Hälfte zwei aufzuheben.( DATENCENTER: Die Champions League)
Bayern mit zwei Warnschüssen
Die beste Chance auf Bayern-Seite hatte direkt nach Wiederbeginn Robben. Aus 17 Metern strich sein Versuch nur Zentimeter am Tor vorbei (46.), Toni Kroos, bis dahin unauffällig, tat es ihm gleich und feuerte aus der Distanz knapp über das Gehäuse von Lukasz Fabianski (47.).
Nun blieben die Hausherren am Drücker, Arsenal konterte. Dabei sah Schiedsrichter Pavel Kralovec den enteilten Walcott im Abseits, eine höchst knifflige Entscheidung (56.).
Müller bereitet Superchance vor
Genial bereitete dagegen auf der Gegenseite Müller mit der Hacke die Gelegenheit für Robben vor, dem Niederländer fehlte aber frei vor Fabianski die Kaltschnäuzigkeit (69.).
FCB-Coach Heynckes setzte jetzt auf Stürmer Mario Gomez, der den blassen Mario Mandzukic ersetzte (70).
Die nächste Großchance verballerte aber kurz darauf Robben aus 14 Metern im Strafraum.
Arsenal setzte nun auf Attacke und hätte um ein Haar auf 2:0 erhöht, Gervinho spitzelte den Ball im Fallen an Manuel Neuer, aber auch am Tor vorbei (79.).
Koscielny trifft per Kopf
Das wurde böse bestraft, als Koscielny, eigentlich Defensivspezialist, nach einem Eckball am höchsten sprang und Neuer überwand (86.).
Es hieß 2:0 für Arsenal, und plötzlich trennte nur ein Tor den FCB vor dem Aus.
Die Münchner gerieten noch einmal mächtig ins Schwimmen, zitterten den Vorsprung aber über die Zeit.