Habemus Formdelle
Weißer Rauch stieg auf.
Nicht aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Die kleinen Wölkchen entwichen aus den Ohren des aufgebrachten Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Habemus Papam? Klar, irgendwie auch das. Habemus Formdelle? Auf jeden Fall.
Seit Mittwochabend wirkt das blühende Paradies an der Säbener Straße welk. Dafür reichten 90 Minuten aus. Das 0:2 gegen den FC Arsenal zeigte deutlich auf, dass die Bayern offenbar doch nicht so stabil sind, wie sie selbst seit Wochen dachten.
Es war eine Niederlage zur Unzeit. Auf der großen internationalen Bühne und dann auch noch im eigenen Stadion.
Waren die Konkurrenten auf den Triumph in der Champions League zuvor noch nachhaltig von der vermeintlichen bajuwarischen Wunderelf beeindruckt, hat sie am Mittwoch eine klare Botschaft erreicht: Keine Angst! Diese Bayern sind bezwingbar.
Da passt es ins Bild, dass der FC Barcelona 24 Stunden zuvor ein klares Statement der eigenen Stärke ablieferte.
Hoeneß' Abrechnung war dann folgerichtig, wirkte emotional und schien am Ende doch wohl kalkuliert. Zunächst schlenderte er noch wortlos durch die Stadionkatakomben, dann kehrte die "Abteilung Attacke" zurück und startete ihren deutlichen Weckruf..
Habemus "schönen Dreck", beschied der Boss seinen Profis. Zurecht. Im Rausch der permanenten Überlegenheit hat sich der Schlendrian in die erste Elf gespielt. So war es am Wochenende zuvor gegen Düsseldorf, so war es nun gegen Arsenal.
Doch ganz ehrlich: Bei aller Forderung nach Professionalität ist das auch menschlich. 20 Punkte Vorsprung haben die Bayern in der Bundesliga auf den zweitplatzierten BVB. Im DFB-Pokal steht man im Halbfinale. Und in der Champions League hatte man die Londoner beim 3:1 im Hinspiel phasenweise vorgeführt.
Wie hält man da die Spannung aufrecht? Wo soll der nötige Druck noch herkommen? Die Herausforderung muss von innen entstehen. Von Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge oder auch Franz Beckenbauer. Ein segnendes Urbi et Orbi wäre nach derartigen Ausrutschern jedenfalls kontraproduktiv. Zumindest dauerhaft.
Also wird hart kritisiert. Schließlich gibt es eine nicht zu unterschätzende Drohkulisse: Würde Dortmund die Champions League gewinnen, wären die Bayern trotz zweier möglicher Titel auf nationaler Ebene irgendwie nur Zweiter - bestenfalls.
Was das bei Hoeneß erzeugen würde, steht wohl außer Frage. Der Mann steht unter Dampf.
